Iran-Krieg Magier Dimon auf Schiff gefangen: „Ich habe mich immer gut aufgehoben gefühlt“
Er wurde im Varieté erwartet. Und kam wegen der Angriffe des Iran nicht weg aus Abu Dhabi. Nun ist der Magier Luke Dimon in Stuttgart. Was hat er erlebt?
Er wurde im Varieté erwartet. Und kam wegen der Angriffe des Iran nicht weg aus Abu Dhabi. Nun ist der Magier Luke Dimon in Stuttgart. Was hat er erlebt?
Er saß fest, mitten im Krieg. Doch Luke Dimon will keine große Sache daraus machen. „Ich habe mich immer sicher und gut aufgehoben gefühlt“, sagt er über die Zeit, in er er in Abu Dhabi auf einem Schiff war. Und iranische Raketen und Drohnen die Golfstaaten attackierten. „Und es gibt Schlimmeres als bei All inclusive einige Tage länger auf einem Schiff zu leben.“
Wir treffen uns im Friedrichsbau-Varieté vor der Probe. Viel Zeit bleibt nicht, denn es gibt einiges aufzuholen. Eigentlich hätte er Anfang März in Stuttgart sein sollen, um mit dem Ensemble für die neue Show „A Kind of Magic“ zu proben. Die Flüge waren gebucht, der Wagen mit den Requisiten stand schon in München. Von dort aus wollten Luke Dimon und seine Frau direkt nach Stuttgart fahren. Doch dann brummte am 28. Februar in einem Einkaufszentrum in Abu Dhabi sein Handy. Und es hörte nicht mehr auf zu brummen.
Nachricht über Nachricht ging ein: Krieg im Iran! Die USA und Israel griffen an. Der Iran feuert zurück. Auch auf die Golfstaaten, auch auf die Vereinigten Arabischen Emirate und deren Hauptstadt Abu Dhabi. Dort lag das Schiff vor Anker, auf dem Luke Dimon drei Wochen unterwegs gewesen war. Nicht der Entspannung wegen, sondern wegen eines Engagements. Einmal am Abend zeigte er seine Zaubershow im großen Theater vor 1000 Zuschauern.
3500 Menschen waren inklusive der Crew an Bord. Keiner wusste, wie es weitergeht. Die Flughäfen waren dicht, die Rückflüge gestrichen. „Wir hatten keine Panik am Bord“, sagt Dimon. Was vor allem am Kapitän gelegen habe. „Man kennt ja diese Geschichten, der Kapitän geht als letzter von Bord und so“, sagt er, „aber das war tatsächlich beeindruckend.“ Die klare und ruhige Kommunikation des Kapitäns habe alle beruhigt. „Wir wurden immer informiert und über die Situation in Kenntnis gesetzt“, sagt Dimon.
Zur Gelassenheit trugen er selbst und die Kollegen bei. „Unsere Engagements waren ja ausgelaufen, aber wir haben selbstverständlich gespielt und sind aufgetreten.“ Er selbst dann weiterhin jeden Abend. Die Leute klatschten im Stehen, „und ich habe so viele Nachrichten bekommen von dankbaren Menschen“. Das habe ihm auch wieder mal vor Augen geführt, wie wichtig gerade in Krisen die Kultur sei. „Es war unsere Aufgabe, die Menschen auf andere Gedanken zu bringen.“ Und ist das nicht der Kern der Zauberei: Die Illusion aufrecht zu erhalten?
Mitbekommen haben sie vom Krieg nicht viel. Einmal beobachteten sie einen Einschlag in der Hauptstadt, „das war vielleicht zwei Kilometer weg, wir sahen die Rauchsäule“. Aber zuhause habe man weitaus mehr mitbekommen. Auch in Stuttgart. Da saßen sie im Varieté wie auf Kohlen. Plötzlich war ihnen der Hauptdarsteller abhanden gekommen. Denn Luke Dimon sollte nicht zaubern, er sollte alles zusammenbinden. „Zunächst einmal ging es darum, zu erfahren, ob Luke sicher ist“, sagt Geschäftsführer Timo Steinhauer. Als das geklärt war, bastelte man am Plan B.
Man beorderte die anderen Künstler früher nach Stuttgart, damit die schon mal proben konnte, man alle Einstellungen etwa für Licht und Ton für deren Auftritte machen konnte. Einmal am Tag gab es „ein Update“ aus Abu Dhabi. Einen neuen Hauptdarsteller wollte man nicht, „das war kein Thema“, sagt Steinhauer. Aber wir hatten uns einen Stichtag gesetzt, an dem wir entscheiden mussten, wie wir die ersten Wochen starten. Denn am Freitag, 13. März“ ist Premiere.
Schließlich kam die erlösende Nachricht. Im Nachbarstaat Oman hatte die Reederei zwei Flugzeuge gechartert. Mit dem Bus ging es dorthin, dann mit dem Flieger nach Frankfurt. 36 Stunden nach der Abfahrt in Abu Dhabi waren sie wieder in Deutschland. Doch dann die nächste Hürde. Gen Süden fuhren keine Züge. Strecke gesperrt. Also setzte sich Dimons Papa in München ins Auto, brachte die Requisiten nach Stuttgart. Dimon und seine Frau nahmen sich einen Mietwagen, kamen vorige Samstagnacht in Stuttgart an.
Eigentlich wollte er am Sonntag gleich proben. Doch da legte Steinhauer sein Veto an. Am Sonntag sollst Du ruhen. Also ging es am Montag los. Dann länger und intensiver als geplant. Aber es macht ja Spaß. „Es ist schon was besonderes zusammen zu spielen“, sagt Dimon, „da ist so viel kreative Energie auf einem Haufen.“ Viele Ideen, viel Inspiration, mal sehen, was da bei der Premiere rauskommt. Nun muss er aber los. Zum Proben.
Vorstellungen
Die neue Show „A Kind of Magic“ wird bis zum 7. Juni im Friedrichsbau Varieté auf dem Pragsattel gespielt. Die Vorstellungen sind von Donnerstag bis Samstag um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr.
Tickets
Karten gibt es über 07 11 / 2 25 70 70 oder tickets@friedrichsbau.de. Sie kosten von 23 Euro bis 67 Euro.