Irland: Ein Massengrab für 800 Kinderleichen Die Überlebenden und Toten des St. Mary’s Mother and Baby Home

Leben: Markus Brauer (mb)
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4000 Kinder und Babys in „Schuhkartons und Lumpen beerdigt“

Paul Redmond und Séan Crowe von der „Coalition of Mother and Baby Home Survivors“ („Koalition der Überlebenden der Mutter-Kind-Heime“), erklärten, der aktuelle Fund sei „nur die Spitze des Eisbergs“. Mindestens 6000 Babys und Kinder seien in neun Heimen des Ordens über Jahrzehnte umgekommen.

„Das Schlimmste kommt erst noch, weil die Details der riesigen Heime von St. Patrick’s, Bessborough und der Abtei in Sean Ross noch offengelegt werden müssen.“ Laut Redmond und Crowe wurden allein in diesen drei Heimen mehr als 4000 Kinder und Babys in „Schuhkartons und Lumpen beerdigt“.

Die unbarmherzigen Schwestern des Ordens Sisters of Bon Secours

Das St. Mary’s Mother and Baby Home wurde von 1925 bis 1961 von katholischen Ordensschwestern betrieben. Sie gehörten dem 1824 gegründeten Pflegeorden Congregation of the Sisters of Bon Secours an. Die Leichen stammen den jetzt veröffentlichten Untersuchungen zufolge höchstwahrscheinlich aus dieser Zeit.

Auf ihrer Homepage schreibt die Ordensgemeinschaft, die noch heute Krankenhäuser und Pflegeheime in Irland unterhält: „Unser Mission sagt: Wir, Frauen der Heilung, verpflichten uns, alle Schöpfung zu verteidigen und zu pflegen. Mit anderen kämpfen gegen wir gegen die schreiende Ungerechtigkeit und gegen alles, was das Leben auf der Erde vermindert.“

Kinderleichen „wie Müll“ weggeworfen

Für die „schreiende Ungerechtigkeit“ waren indes zahlreiche Nonnen des Ordens selbst verantwortlich. Kinder, die in der Einrichtung starben, wurden einem ehemaligen Heimbewohner zufolge „wie Müll“ weggeworfen. „Es gab Hunderte Kinder in dem Heim. In meinen Augen war das wie eine Kaninchenkolonie“, sagte der Mann der irischen Tagezeitung „Irish Mirror“. Die Kinder litten, wie er selbst auch, unter vielen Krankheiten.

Der Mann wurde 1947 in St. Mary’s Mother and Baby Home geboren, von seiner Mutter getrennt und zur Adoption freigegeben. Ein anderer ehemaliger Bewohner des Heims berichtete der Zeitung „Irish Times“, seine Mutter habe ein Jahr lang wie eine „Sklavin“ für die Nonnen arbeiten müssen. Mutter und Sohn fanden sich erst 2010 wieder.




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