Irland: Ein Massengrab für 800 Kinderleichen Missbrauch und sexuelle Gewalt

Leben: Markus Brauer (mb)
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Gab es solche Exzesse auch in Deutschland?

Als im Sommer 2014 das ganze Ausmaß des Falls Tuam ans Licht kam, zog der damalige Mainzer Kardinal Karl Lehmann Parallelen zwischen dem irischen Massengräbern und der Praxis in deutschen Krankenhäusern. Er kenne „den abschätzigen Umgang mit ungeborenem Leben nach dem Tod“ aus Gesprächen mit Krankenschwestern, die entgegen aller gesetzlichen Bestimmungen zur Assistenz bei Abtreibungen bereit sein müssten, schrieb der inzwischen emeritierte Bischof in einem Beitrag für das Magazin „Cicero“ im Juli 2014. „Wer redet bei uns über solche Unmenschlichkeiten? Ich denke etwa an die Behälter mit abgetriebenen Föten für die kosmetische Industrie.“

„Auch in unseren Heimen stand nicht immer alles zum Besten“

Die Ordensschwestern seien überfordert gewesen, erklärte Lehmann. „Aber vermutlich machte sie eine erschreckende Einstellung zur Sexualität und Zeugung so gefühllos.“ Der Kardinal schreibt weiter, es dürfe nicht darüber geschwiegen werden, dass auch in Deutschland durch die ganze Neuzeit hindurch schwangere unverheiratete Frauen zum Verheimlichen ihrer Schwangerschaft und oft zur Abtreibung gezwungen worden seien. „Auch in unseren Heimen stand nicht immer alles zum Besten.“

Kurienkardinal Müller: „Die Kirche verdeckt auf jeden Fall nichts“

Der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, widersprach erst vor wenigen Tagen vehement Vorwürfen, die katholische Kirche habe Missbrauchsfälle in den eigenen Reihen systematisch vertuscht. „Die Kirche verdeckt auf jeden Fall nichts“.

Gegenüber der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ sagte Müller, dass dies in einigen Fällen „aus Ahnungslosigkeit“ geschehen sein könne, „aber nicht systematisch“. Müller: „Die Kirche arbeitet, im Gegensatz zu vielen anderen Institutionen, wirklich für Null-Toleranz“.

Rücktritt von Marie Collins

Müllers Äußerungen waren eine Reaktion auf den Rücktritt von Marie Collins als Mitglied der Päpstlichen Kommission für Kinderschutz am vergangenen Mittwoch (1. März). Papst Franziskus hatte die Kommission im März 2014 eingerichtet. Marie Collins ist die Gründerin der irischen Kinderschutz-Organisation „Marie Collins Foundation“.

Als Jugendliche wurde sie selbst Opfer von Missbrauch durch einen Kleriker. Gegenüber dem amerikanischen Kardinal und Erzbischof von Boston Sean O’Malley, der die vatikanische Kommission leitet, und in einem Brief an den Papst nannte die Irin als Grund für ihren Rücktritt die mangelnde Zusammenarbeit von Büros der römischen Kurie mit der Kinderschutz-Kommission.

Marie Collins: „Wenn es im Vatikan in bestimmten Positionen noch Männer gibt, die nicht mit der Kommission zusammenarbeiten wollen, obwohl die nichts anderes zu tun versucht, als Kinder und andere Schutzbedürftige vor Schmerz und Missbrauch zu bewahren, dann kann ich als Opfer wirklich nichts anderes tun als zu gehen.“




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