Iron Maiden: neues Album Klassische Metal-Hymnen en masse

Iron Maiden 2021 (v.l.): Adrian Smith, Nicko McBrain, Bruce Dickinson, Steve Harris, Jannick Gers, Dave Murray Foto: ohn McMurtrie

Auf ihrem 17. Studioalbum „Senjutsu“ ist die britische Metalband Iron Maiden ganz bei sich – und weit entfernt von einer Überraschung.

Stuttgart - Da galoppieren sie wieder: Als stünden sie auf blitzenden Streitwagen, die Pferde in vollem Lauf, preschen die Musiker der britischen Metal-Band Iron Maiden („eiserne Jungfrau“) voran, weiter, immer weiter. Der dunkler gewordene Heldenbariton Bruce Dickinson schmettert düstere Botschaften und übernimmt sich nicht in den Höhen, der Bandleader Steve Harris lässt die Bass-Saiten metallisch klackern, Nicko McBrain treibt trommelnd den Takt vor sich her, die Gitarristen Dave Murray, Adrian Smith und Jannick Gers errichten Klangwälle aus Riffs – und spielen zumindest Ansätze jener mehrstimmigen Melodielinien, für die diese Band steht wie kaum eine zweite.

 

„Senjutsu“ heißt das 17. Studioalbum, der Titel ist japanisch, steht laut Band für „Taktik und Strategie“. Auf dem Cover prangt wie üblich das mörderische Band-Maskottchen Eddie, eine Art Zombie, passend in Pose mit einem Samurai-Schwert. Wie alle Veröffentlichungen dieser sensationell erfolgreichen und kultisch verehrten Gruppe begleitet auch diese die Hoffnung, sie möge ein großer Wurf sein. Und zumindest so viel lässt sich sagen: Iron Maiden sind ganz bei sich mit dieser Sammlung klassischer Metal-Hymnen.

Viel alte Schule

Der Titelsong ist eine Art Schlachtengemälde und zieht sich zäh wie Lava, die Uptempo-Nummer „Stratego“ bietet einen griffigen Chorus, „Writing on the Wall“ greift britische Folk-Motive auf. Die über zehnminütigen, reich ausgeschmückten Metal-Epen „The Parchment“ und „Hell on Earth“ könnten direkt aus den 80ern stammen. Manche Überlänge wirkt verkünstelt („Lost in a lost World“, 9 Minuten 31), manches Klischee wird arg strapaziert (die Kings and Queens in „Days of Future past“), und die vielen Gitarrensoli alter Schule wirken ein wenig aus der Zeit gefallen.

Überraschend oder ungewöhnlich ist an all dem nichts. Die Fans dürften sich anständig bedient fühlen von Iron Maiden, die sich in den 80ern unsterblich gemacht haben mit Alben wie „Number of the Beast“ (1982) und „Seventh Son of a senventh Son“ (1988). Nach Turbulenzen in den 90ern – Smith und Dickinson kamen eine zeitlang abhanden – verwaltet die Band ihr Erbe und ist vor allem darauf bedacht, sich treu zu bleiben.

Die Gitarren klangen schon kraftvoller

Wenn „Senjutsu“ einen Schwachpunkt hat, dann die Gitarrenarbeit. Dass Gers bleiben durfte, als Smith 1999 zurückkehrte, war eine große Geste der Band. Drei Gitarren bieten allerhand Möglichkeiten, und die schöpfen Iron Maiden auf diesem Album keineswegs aus. Sie klangen auch schon druckvoller, differenzierter und homogener als in der aktuellen Produktion von Kevin Shirley, der seit gut 20 Jahren mit der Band arbeitet – gerade so, als wären diesmal nicht bratende Röhrenverstärker im Einsatz gewesen, sondern deren praktische, aber oft lebloseren Simulationen. Die Fans wird’s nicht stören; Hauptsache, Iron Maiden galoppieren wieder.

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