Dass die Urlaubsidylle mit ihren grün-bewachsenen Berghängen und ausgedehnten Sandstränden trügt, das weiß auch der 52-Jährige: „Es wird mit Sicherheit der härteste Triathlon meines Lebens“, sagt Schuhmann, bevor er an diesem Freitag in den Flieger steigen wird. Die Schwimmetappe im Pazifik gilt wegen der Strömung als herausfordernd, die Lauf- und Raddistanz führen auf einsamen Wegen durch Vulkanlandschaften, die tropische Hitze macht das Atmen schwer.
Mythos Hawaii
Doch der Ironman Hawaii ist Mythos. Oder, um es mit Schuhmann zu sagen: „Das Mekka des Triathlons, jeder Triathlet will dort einmal in seinem Leben dabei sein.“ Für ihn selbst erfüllt sich mit seinem jetzigen Start ein Traum. Während die Profis den Titel unter sich ausmachen dürften, tritt Schuhmann parallel in der Altersklasse 50 bis 54 Jahre an.
Sport beschäftigt ihn schon sein ganzes Leben lang. Nach Anfängen im Fußball, unter anderem als aktiver Kicker beim TV Echterdingen und TSV Georgii Allianz, suchte er später größere körperliche Herausforderungen. Es folgten Marathonläufe, schließlich landete Schuhmann beim Triathlon. 2012 stieg er in die Königsklasse der Sportart auf, die Langdistanz.
Wie Nizza in die Quere gekommen ist
Für die WM hat sich Schuhmann schon vor zwei Jahren in Barcelona qualifiziert. Er hätte somit bereits im vergangenen Jahr dabei sein können, allerdings in Nizza. Seit 2023 findet der Saisonhöhepunkt im Wechsel statt, mal in Südfrankreich, mal am Ursprungsort auf Hawaii. Mal die Männer da, mal die Frauen dort, und dann wieder umgekehrt. Die Entscheidung, wo und wann er teilnimmt, wurde dem Echterdinger überlassen, die Wahl war schnell getroffen: „Nizza kam nicht in Frage“, sagt Schuhmann, „mir war klar: Es musste Hawaii sein.“
Nach der zwischenzeitlichen Enttäuschung über die neue Nizza-Variante könnte sich die daraus resultierende Verschiebung seiner Pläne für Schuhmann als Glücksfall erweisen: „Ich bin dieses Jahr noch fitter, meine Zeit ist noch besser als vergangenes Jahr“, sagt er. So stellte er im August beim Ironman Frankfurt eine neue persönliche Bestzeit auf: In zehn Stunden und 19 Minuten kämpfte er sich durch. An diese Marke dürfte er auf Hawaii freilich nicht herankommen. „Im Schnitt ist man dort rund eine Stunde langsamer“, weiß Schuhmann. Zu heftig seien die Bedingungen.
In Frankfurt habe es immer wieder „Stimmungsnester“ gegeben. Zuschauer, die die Teilnehmer motivierten. Auf der langgezogenen Hawaii-Strecke ist man dagegen größtenteils allein unterwegs – eine zusätzliche mentale Herausforderung. Was für eine Kraft Unterstützung von Außen in einem Athleten entfachen kann, spürte Schuhmann an jenem schicksalhaften Tag in Barcelona vor zwei Jahren, als er auf den letzten Drücker doch noch die Qualifikation schaffte. „Ich hatte schon aufgegeben“, erinnert er sich. Es sei eine „Windlotterie“ gewesen. Er habe große Probleme mit der Strömung und Gegenwind gehabt, wähnte sich chancenlos. Seine Frau aber habe immer an ihn geglaubt. „Als sie mir zurief, dass ich auf Platz 20 bin, hat das noch mal Kräfte freigesetzt.“ Am Ende lief er als Achter ins Ziel. Eben die besten acht lösten das Ticket für Hawaii.
15 Stunden Training pro Woche
Auch auf der Pazifikinsel kann Schuhmann wieder auf seine bessere Hälfte zählen. Die beiden Kinder, 20 und 18 Jahre alt, werden derweil von zuhause aus mitfiebern. Die Familie stärkt den Echterdinger überhaupt, nicht nur in seiner sportlichen Leidenschaft, auch im Beruf. Schuhmann arbeitet in leitender Position bei einer Versicherung in Braunschweig, pendelt jede Woche für vier Tage dorthin. Hinzugerechnet rund 15 Stunden Training pro Woche, bleibt teils wenig Zeit für Privates.
Seine Leistungssteigerungen trotz ja zunehmenden Alters führt Schuhmann auf hartes Training und eine gute Ernährung zurück. Der kleine Muskelfaserriss, an dem er zuletzt noch laborierte? Kein Problem – und schon gar kein Hindernis für Hawaii. Dort wird es laut Steffen Schuhmann dann nur um eines gehen: „Darum, ins Ziel zu kommen.“ Damit ginge sein Traum endgültig in Erfüllung.