IS-Dschihadisten Offenbar weiterer US-Reporter enthauptet

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Die Enthauptung des amerikanischen Journalisten James Foley hat US-Präsident Obama sichtlich geschockt. Jetzt hat die Terrormiliz IS offenbar einen weiteren US-Reporter umgebracht – als „Vergeltung“ für die Luftangriffe im Irak. Wie reagieren die Amerikaner?

Der US-amerikanische Reporter Steven Sotloff (Mitte, mit schwarzem Helm, hier auf einem Foto vom Juni 2011 aus Libyen) soll von IS-Dschihadisten getötet worden sein. Foto: Getty Images Europe
Der US-amerikanische Reporter Steven Sotloff (Mitte, mit schwarzem Helm, hier auf einem Foto vom Juni 2011 aus Libyen) soll von IS-Dschihadisten getötet worden sein. Foto: Getty Images Europe

Washington - Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat offenbar einen zweiten US-Journalisten vor laufender Kamera enthauptet und ein Video von der Hinrichtung ins Internet gestellt. Das meldeten am Dienstag übereinstimmend zahlreiche US-Medien unter Berufung auf das Institut Site Intelligence Group, das die Online-Bewegungen von Terrorgruppen beobachtet.

Bei dem Opfer handelt es sich den Angaben nach um den 31 Jahre alten Steven Sotloff, der vor etwa einem Jahr von IS-Terroristen in Syrien gefangen genommen worden war. Vor zwei Wochen hatte die Miliz den US-Journalisten James Foley exekutiert und weltweit Bestürzung ausgelöst.

Das Weiße Haus in Washington wollte die Authentizität des neuen Videos zunächst nicht bestätigen. Sollte die Exekution bestätigt werden, dürfte das den Druck auf US-Präsident Barack Obama erheblich erhöhen, die Militärschläge auf die IS-Miliz zu verstärken. Bereits nach Foleys Enthauptung hatte Obama Vergeltung angekündigt und erklärt: „Wir werden unnachgiebig sein.“

Sotloffs Mörder könnte derselbe sein, der schon James Foley tötete

Sotloffs Ermordung könnte nun eine schnelle Ausweitung der US-Luftangriffe zur Folge haben. Diese sind bislang auf IS-Stellungen im Irak beschränkt. Das Verteidigungsministerium in Washington arbeitet jedoch an Plänen, auch Ziele in Syrien anzugreifen, um den Vormarsch der Terrorgruppe zu stoppen.

In dem neuen Video sagt Sotloff, der an den Händen gefesselt ist, er müsse den Preis für die amerikanische Intervention bezahlen. Ein Mann, der eine schwarze Kapuze auf dem Kopf trägt, steht in dem Video hinter Sotloff und sagt auf Englisch an die Adresse der USA: „Genau so, wie Eure Raketen unsere Leute treffen, wird unser Messer weiter die Hälse Eurer Leute treffen.“

Sotloffs Mörder spricht mit britischem Akzent. Es könnte derselbe Mann sein, der vor zwei Wochen James Foley hingerichtet hatte. Damals hatte die Miliz bereits damit gedroht, auch Sotloff zu töten.

Gnadenappell von Sotloffs Mörder verhallte

Ein dramatischer Appell von Sotloffs Mutter, in dem sie vor einigen Tagen per Video die Entführer angefleht hatte, Gnade zu zeigen, verhallte. Im Gegenteil: In dem neuen Video soll die IS-Miliz bereits die Enthauptung der nächsten Geisel angekündigt haben. Nach Angaben der Site Intelligence Group soll es sich dabei um den Briten David Cawthorne Haines handeln. Angeblich hält die Terroristengruppe zudem zwei weitere US-Amerikaner gefangen.

In einer ersten Reaktion auf die Meldung von der Ermordung Sotloffs verurteilte Großbritanniens Premierminister David Cameron am Dienstagabend die Tötung. Cameron sprach von einer „absolut ekelhaften, verachtenswerten Tat“.

Sotloff stammt aus Miami im US-Staat Florida und machte an der Universität einen Abschluss in Journalismus. Als freier Mitarbeiter schrieb er danach unter anderem für die Zeitschrift „Time“, die Wochenzeitung „Christian Science Monitor“ und das Magazin „Foreign Policy“. (mit AFP/dpa)