Islamischer Staat Weiteres Weltkulturerbe ist von Zerstörung bedroht

Palmyra wird erstmals im zweiten Jahrtausend vor Christus in Texten erwähnt – als Zwischenstopp für Karawanen auf der Seidenstraße vom Mittelmeer zum Golf. Foto: AFP 6 Bilder
Palmyra wird erstmals im zweiten Jahrtausend vor Christus in Texten erwähnt – als Zwischenstopp für Karawanen auf der Seidenstraße vom Mittelmeer zum Golf. Foto: AFP

Dem hart umkämpften Unesco-Weltkulturerbe Palmyra in Syrien droht das gleiche Schicksal wie den assyrischen Königsstädten Nimrud, Hatra und Niniveh. Auch diese antiken Stätten hatten die Dschihadisten dem Erdboden gleich gemacht.

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Kairo - Die Kommandos des Islamischen Staates (IS) haben in Irak und Syrien erhebliche Geländegewinne gemacht. Im Irak drangen die Kämpfer erstmals bis in das Zentrum der Provinzhauptstadt Ramadi vor, wo sie das Regierungsgebäude sowie die Polizeizentrale eroberten und anzündeten. In Syrien gelang es den Dschihadisten am Wochenende, in die Stadt Tadmur vorzurücken, an deren Südrand die antiken Ruinen von Palmyra liegen – ein Unesco-Weltkulturerbe. Im irakischen Ramadi droht jetzt die vollständige Eroberung der Stadt, was dem IS seinen bisher wichtigsten Sieg in 2015 eintragen würde. Dann kontrollierte die Terrormiliz die gesamte westirakische Provinz Anbar, deren Grenze an Jordanien stößt.

Zehntausende Einwohner Ramadis sind Richtung Bagdad geflohen, seitdem die irakische Armee überrollt wird. Hilferufe um Verstärkung blieben nach Angaben von Offizieren in Ramadi unbeantwortet. Für den Durchbruch in das Stadtinnere setzte IS glatt rasierte Kämpfer in irakischen Uniformen ein, die mit Sprengstoff beladene Geländewagen in die Stellungen der irakischen Einheiten rammten. Auch im Kampf um die größte Raffinerie des Landes in Baiji nördlich von Tikrit mussten die Streitkräfte eine Niederlage hinnehmen.

Imposantes antikes Zeugnis

Das syrische Palmyra wurde 1980 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Mit seinen Tempeln und Festtoren, seinem 1952 freigelegten römischen Theatern und seinen Kolonnaden-Straßen sowie verzierten unterirdischen Grabanlagen gehört das Ensemble zu den imposantesten antiken Zeugnissen im Nahen Osten. Die Scharmützel in Palmyra hielten das Wochenende über an, ohne dass eine Seite die Oberhand gewinnen konnte. In der Nähe der antiken Ruinen kam es zu schweren Artillerieduellen. Auf einem Video ist ein Gotteskrieger zu sehen, der unter „Allah ist groß“-Rufen von Schaulustigen die schwarze IS-Flagge auf einem dreistöckigen Gebäude hisst.

Sollte der Islamische Staat bis auf das Gelände mit seinen über 1000 Säulen vordringen können, droht Palmyra das gleiche Schicksal wie den assyrischen Königsstädten Nimrud, Hatra und Ninive in der Umgebung von Mosul, die die Dschihadisten mit Bulldozern, Sprengstoff und Presslufthämmern dem Erdboden gleichmachten. Die Wüstenstadt befand sich in den letzten vier Jahren in der Hand von Baschar al-Assad. Doch auch sie könnte dem Regime nun entgleiten wie zuvor Idlib und Jisr Al-Shughour im Norden. Trotz der inzwischen fast 3500 alliierten Luftangriffe ist die Macht des „Islamischen Kalifates“ ungebrochen.

IS-Kämpfer auf Mittelmeerbooten

Von Libyen aus planen die Terroristen nach einem Bericht der BBC nun auch systematische Angriffe auf Europa, indem sie Kämpfer auf Flüchtlingsboote einschleusen. Der britische Sender beruft sich dabei auf den libyschen Regierungsberater Abdul Basit Haroun. Nach dessen Angaben zwingt Libyens IS die Menschenschmuggler seit Neuestem, 50 Prozent ihrer Einnahmen abzuliefern und IS-Kämpfer mitzunehmen. 60 000 Menschen haben nach Schätzungen der Vereinten Nationen in diesem Jahr bereits versucht, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. „Die Extremisten sitzen oft getrennt von den anderen Flüchtlingen“, erklärte Abdul Basit Haroun. „Sie haben keinerlei Angst vor der Überfahrt – denn sie sind 100 Prozent IS.“




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