Israel Kein Land wie jedes andere

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Das Verhältnis Deutschlands zu Israel kann nie normal sein, auch nicht nach fünfzig Jahren diplomatischer Beziehungen. Kritik schließt das aber nicht aus, meint Thomas Maron.

Jubiläumsbesuch in Berlin: Israels Präsident Reuven Rivlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Foto: AFP
Jubiläumsbesuch in Berlin: Israels Präsident Reuven Rivlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Foto: AFP

Stuttgart - Das Verhältnis Deutschlands zu Israel wird ein besonderes bleiben. Die Verantwortung für die systematische Vernichtung von sechs Millionen Juden im Dritten Reich und alle zeitgeschichtlichen Folgen werden immer nachwirken. Es gibt deshalb keine „Normalität“ in den Beziehungen dieser beiden Länder – auch nicht 50 Jahre nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

Israel hat nicht nur Frieden mit Deutschland geschlossen, es ist daraus, und das ist ein Wunder, eine Partnerschaft geworden. Freundschaft schließt Kritik an Regierungshandeln nicht aus. Die eben erst gebildete israelische Regierung wird dazu Anlass bieten. Deutschland setzt sich im Konflikt mit den Palästinensern für eine Zwei-Staaten-Lösung ein. In der Koalition Benjamin Netanjahus gibt es dafür wenig Sympathie. Konträre Positionen gibt es auch im Atomstreit mit dem Iran, in dem Deutschland glaubt, einer Verhandlungslösung nah zu sein, die Israel Augenwischerei nennt. Bei aller Kritik darf aber nie vergessen werden, dass Israel Gründe hat, sich von Feinden umgeben zu fühlen. Wer das nicht glaubt, der werfe einen Blick auf die riesige Weltkarte im Außenministerium Algeriens. Auf dieser Karte gibt es den Staat Israel schlichtweg nicht, so als wäre er ausgelöscht. Deutschland trägt Verantwortung dafür, dass dies niemals geschieht.