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Italien Wandern durch Schützengräben

Von Maren Recken aus Bassano di grappa 

In Venetien finden sich Spuren des Ersten Weltkriegs. Am Monte Grappa gibt es einen Wanderweg vorbei an in den Fels gehauenen Schutzräumen.

Casara Andreon, die ehemalige Artillerie-Kommandozentrale.  Foto: Recken
Casara Andreon, die ehemalige Artillerie-Kommandozentrale. Foto: Recken

Bassano di grappa - „Bis zum Ersten Weltkrieg war der Monte Grappa ein friedlicher Berg“, erzählt Gianni Bellò, Oberst a.D. der Alpini genannten italienischen Gebirgsjäger. Es ist ein lauer Frühsommertag. Und selbst auf dem 1775 Meter hohen, im gleichnamigen Gebirgsmassiv in der italienischen Provinz Venetien gelegenen Monte Grappa herrscht T-Shirt-Temperatur. Vögel zwitschern, die Alpenglockenblumen blühen in kräftigem Blau. Kurz: Ein Tag, an dem es schwerfällt, sich vorzustellen, dass in diesem Gebirgsmassiv in den Kriegsjahren 1917/18 ein erbitterter Stellungskrieg zwischen den italienischen und österreichisch-ungarischen Truppen, aber auch gegen die mit dem Vielvölkerstaat verbündeten Truppen des Deutschen Kaiserreichs tobte.

Ein Stellungskrieg, der sich im Winter abspielte, in dem die Soldaten nicht nur mit dem Feind, sondern auch mit Kälte, Schnee und Nebel zu kämpfen hatten. Eine Wanderung durch Teile der ehemaligen Schützengräben ist wie ein Gang durch ein Freilichtmuseum in Sachen Geschichte Erster Weltkrieg, in dem es viel zu sehen gibt. Von besagten Schützengräben, über in den Fels gehauenen Galerien, in den Berg gegrabenen Schutzräumen vor Gasangriffen, zu deren Erkundung eine Taschenlampe hilfreich ist, bis hin zu ehemaligen Geschützstellungen.

Der Weg soll weiter ausgebaut werden

Teilweise stehen dort noch original Kanonen - wie beim Casara Andreon, der ehemaligen Kommandozentrale der 38. Italienischen Artillerieeinheit. Die einstigen Schützengräben, Truppenunterstände, Material- und Munitionslager rund um das Casara Andreon sind Teil eines 25 Kilometer langen Wanderwegs, der im Valle Santa Felicita bei Romano d’Ezzelino beginnt und, aufgeteilt in 20 Abschnitte, bis zum Gipfel des Monte Grappa führt. „Casara Andreon und Col Campeggia, der Teil des Wanderwegs, der bei Camposolagna beginnt, sind die interessantesten“, erzählt Oberst Bellò. Col Campeggia sei der Sitz des taktischen Kommandos des 9. Armeekorps gewesen und habe, auf 1100 Metern Höhe an den letzten Ausläufern im Südwesten des Gebirgsmassivs gelegen, logistisch gesehen eine besondere Rolle gespielt. Der Weg soll noch über den Gipfel des Monte Grappa hinaus bis zum Monte Tomba ausgebaut werden.

Dorthin, wo von November 1917 bis Januar 1918 auch der später als „Wüstenfuchs“ bekannt gewordene Erwin Rommel kämpfte. Für die Instandsetzung der Relikte aus dem Ersten Weltkrieg entlang des Wanderwegs am Monte Grappa ist die Musei all’ Aperto 1915/18 Grande Guerra sul Monte Grappa zuständig, eine Vereinigung verschiedener Organisationen, die auf ehrenamtlicher Basis tätig ist. Auch Oberst Gianni Bellò ist dort engagiert. Bis 1916 sei der Monte Grappa ein Berg der Viehhirten gewesen, auf dem es nur Maultier- oder schmale Karrenpfade gegeben habe, erzählt er, während er sich, diesmal im Auto, dem Kriegerdenkmal auf dem Gipfel des Monte Grappa nähert. Einem Denkmal, das 1935 zu Ehren der im Ersten Weltkrieg auf dem Monte Grappa Gefallenen eingeweiht wurden.

Und in dem die Gebeine von mehr als 12 500 italienischen sowie rund 10 000 österreichisch-ungarischen Soldaten ruhen, die meisten davon sind unbekannt. Die Straßen auf den Monte Grappa, erzählt der Oberst weiter, seien erst 1916/17 auf Anordnung des italienischen Generals Luigi Cadorna gebaut worden. In Vorbereitung eines Verteidigungskrieges auf dem Monte Grappa. Falls die Isonzo-Front durchbrochen werden sollte, sollte dort der Vormarsch der feindlichen Truppen in die oberitalienische Tiefebene verhindert werden. Eine der damals erbauten Straßen ist nach General Cadorna benannt und führt vom Gipfel des Monte Grappa über Romano d’Ezzelino bis nach Bassano del Grappa.

Ein etwas anderer Campari

Eine 43 000-Einwohner-Stadt, am Fluss Brenta gelegen, die ihren Namen dem gleichnamigen Berg verdankt und nicht etwa dem weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Grappa, der in zahlreichen Destillerien in und um Bassano hergestellt wird. Zu den bekanntesten zählt Nardini, gleich neben der Ponte degli Alpini genannten Brücke, dem Wahrzeichen der Stadt. 1156 erstmals urkundlich erwähnt, mehrfach durch Menschenhand oder starke Hochwasser zerstört und wieder aufgebaut, ist die Holzbrücke Anziehungspunkt für Einheimische wie für Touristen.

Der Aperitivo da Nardini al Ponte degli Alpini, ein etwas an Campari erinnernder Aperitif, der von der gleichnamigen Destillerie als sogenannter Rosso angeboten wird und dessen Rezept geheim bleibt, gehört zum Pflichtprogramm. In ihrer heutigen Form entspricht die Brücke einem Entwurf des Architekten Andrea Palladio von 1569, gemäß dessen Zeichnung die Brücke immer wieder aufgebaut wurde. Bassano del Grappa bietet für Kultur- wie für Sportfans ein vielfältiges Angebot. Für die einen etwa einen Besuch im Stadtmuseum, untergebracht in einem ehemaligen Franziskanerkloster, das unter anderem mit einer umfangreichen Gemäldesammlung von Jacopo Da Ponte aufwartet.

Für die anderen Gleitschirmfliegen am Monte Grappa, der auf Grund seiner Thermik unter den Fachleuten zu den besten Fluggebieten Europas zählt, weil die aus der venezianischen Tiefebene kommende warme Luft am Berg aufsteigt. Ein Phänomen, das den Monte Grappa auch zu einem Berg des Nebels macht. Die Nebelschwaden seien zwar weniger geworden, so Oberst Gianni Bellò auf der Wanderung durch die ehemaligen Schützengräben - sie hätten aber damals bei den Kämpfen zu folgenreichen Irrtümern geführt.

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