Ein Auftrag im Namen des Vaterlandes: die italienische Armee soll sich dem Hanf-Anbau widmen. Natürlich nur zu medizinischen Zwecken, versteht sich.

Korrespondenten: Paul Kreiner (pk)

Rom - Schwerter zu Pflugscharen: Auf dem Weg zum biblischen Paradiesesfrieden kommt Italiens Heer einen Schritt voran. Es verstärkt seinen Ackerbau und eröffnet eine Cannabis-Plantage. Das tun die Militärs nicht nur ganz legal, sondern in ausdrücklichem Auftrag des Vaterlandes: Verteidigungsministerin Roberta Pinotti und ihre Kollegin vom Gesundheitsressort, Beatrice Lorenzin, haben soeben das dazugehörige Protokoll unterzeichnet. Mit der Ernte 2015 soll es erste Früchte tragen – und in der italienischen Politik gibt es ausnahmsweise niemanden, der dagegen ist.

Verwendet werden soll das Cannabis ausschließlich für medizinische Zwecke: für Schmerz-, Sklerose- und Palliativpatienten, denen andere Mittel keine Linderung verschaffen. Anders als in Deutschland sind entsprechende Medikamente in Italien seit 2007 erlaubt. Wie so oft aber fehlten dem Gesetz die zur Ausführung nötigen Bestimmungen, und so muss das Cannabis bisher in einem langwierigen Prozess über das Gesundheitsministerium aus dem Ausland eingeführt werden. Die damit verbundenen Kosten – 15 Euro pro Gramm bei einem geschätzten Jahresbedarf von bis zu 100 Kilogramm – sind neben dem Drängen zahlreicher Mediziner und linksliberaler Kräfte das entscheidende Motiv für die nun beschlossene Selbstversorgung.

Anbau unter starken Sicherheitsbedingungen

Damit keiner auf dumme Gedanken kommt in einem Italien, in dem – bei ansonsten stabilen Drogenzahlen – der Haschisch-Konsum unter Jugendlichen ohnehin deutlich steigt, darf der Hanf nur unter starken Sicherheitsbedingungen wachsen und verarbeitet werden. Im „Chemisch-Pharmazeutischen Militär-Institut“ von Florenz, welches seit 1853 das Heer mit heilsamen Naturprodukten sowie mit Gegengiften gegen feindliche Attacken beliefert, heute aber auch – wie eine Klosterapotheke – interessierte Zivilisten mit Bio-Seifen, Lutschpastillen und Likören versorgt. Das Institut stellt ferner Medizin gegen Krankheiten bereit, die derart selten sind, dass sich private Pharma-Firmen hier keinen Gewinn versprechen. Jetzt muss die Armee wohl tatsächlich neues Ackerland pflügen. Denn während Cannabis heute nur für knapp hundert Kranke in Italien zugänglich ist, könnten es laut Gesundheitsministerium 500 000 Patienten sein, die es brauchen.

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