Geboren und aufgewachsen ist Ivana Häcker in Berlin-Kreuzberg. Die Hip-Hop-Kultur wurde ihr früh in die Wiege gelegt. „Ich bin unter Breakdancern groß geworden“, erklärt sie. Schon in jungen Jahren zog es Ivana Häcker in das Nachtleben. Angefangen an der Garderobe, absolvierte sie nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau und arbeitete als Nachtmanagerin in einem renommierten Club in Berlin-Mitte. „Das war eine coole Zeit“, erinnert sich die 37-Jährige.
Doch so aufregend die Zeit auch war, nach sieben Jahren kribbelte es Ivana Häcker in den Fingern. Mit Mitte 20 sehnte sie sich nach einer neuen Herausforderung. Also bewarb sie sich kurzerhand um einen Ausbildungsplatz bei der Polizei Baden-Württemberg. Und das mit Erfolg: 2010 ging es von Berlin nach Böblingen. An der Polizeischule schloss sie ihre Lehrjahre erfolgreich ab und war fortan in der Stuttgarter Innenstadt im Einsatz. In der Drei-Zimmer-Wohnung in Feuerbach, die Ivana Häcker vor rund einem Jahrzehnt bezog, lebt sie bis heute noch. Doch inzwischen nicht mehr allein: Ihr Ehemann Tobias Häcker und die gemeinsame Tochter sind mit von der Partie.
Das Seestudio wurde zum Seaside Club
Ivana Häcker scheint ihr Glück im Schwabenland also gefunden zu haben. Doch das war nicht immer so. „In den ersten Monaten habe ich oft die Koffer gepackt und wollte zurück nach Berlin“, erinnert sich die 37-Jährige. Am meisten fehlte ihr das soziale Umfeld, von dem sie nun knapp 600 Kilometer entfernt lebte. Dazu kam der Kulturschock. „Die größte Umstellung waren die Menschen“, sagt Ivana Häcker. „Ich habe das Laute, Offene und Direkte der Berliner vermisst.“ Doch das hat sich geändert. Inzwischen weiß die 37-Jährige die Württemberger zu schätzen.
„Wenn ein Schwabe dich ins Herz geschlossen hat, dann richtig“, schwärmt sie. In Berlin bräuchte es zwei Stunden, um einen neuen Freund zu finden, erklärt Ivana Häcker. Hier dauere es zwar länger, aber die Freundschaft halte dann auch. Was dagegen nicht hielt, war die Polizeikarriere. Nach sieben Jahren im Einsatz brauchte sie eine Abwechslung. Und weil Ivana Häcker eine Macherin ist, hing sie ihren Job an den Nagel. Zusammen mit ihrem Mann eröffnete sie 2017 das Lokal Suite 25 am Böblinger Marktplatz. Zwei Jahre später kam der Seaside Club dazu. „Ich habe mich wieder zum Nachtleben zurückgesehnt“, erklärt sie.
Ihrem Instinkt folgend, unterschrieb Ivana Häcker also den Pachtvertrag. Damit startete der vierwöchige Umbau. „Tag und Nacht haben wir hier gestrichen, geputzt und gewerkelt“, erzählt sie. Innerhalb von zwei Wochen mussten sie außerdem ein komplettes Team zusammenstellen. Das sei eine Herausforderung gewesen, meint Ivana Häcker, jedoch hatte sie wohl den richtigen Riecher: „Alle die ich damals eingestellt habe, sind heute noch da“, sagt sie stolz.
Zur Eröffnung kam Sido
Eigentlich hätten Ivana Häcker und ihr Team mehr Zeit für die Umbauarbeiten gebraucht. Jedoch war der Berliner Rapper Sido schon für die Eröffnung gebucht. Für Ivana Häcker gab es nur eine Option: „Sido muss auftreten!“ Also setzten sie alles auf eine Karte. „Eine Stunde bevor wir aufgemacht haben, haben wir noch die letzte Fliese gelegt“, erzählt Ivana Häcker und lacht. „Und zehn Minuten davor die letzte Lampe angeschraubt.“ Alles auf den letzten Drücker zu machen, sei typisch für die 37-Jährige. „Das war schon in der Schule so“, sagt sie.
Und der Stress zahlte sich aus. Die Eröffnung im März 2019: ein Volltreffer! Der Club sei bei den Böblingern von Beginn an gut angekommen, sagt Ivana Häcker. „Endlich ist hier mal wieder etwas“, hätten die jungen Leute damals gesagt. Normalerweise zog es die Feierwütigen am Wochenende immer nach Stuttgart. Doch der Seaside Club drehte den Spieß um: Jetzt gab es sogar einige Stuttgarter, die extra nach Böblingen fuhren, um bei Ivana Häcker Party zu machen. „Musikalisch sind wir ja auch auf dem gleichen Level wie die Stuttgarter Clubs“, stellt Ivana Häcker klar. Auf die Musikqualität lege sie sehr viel Wert, gespart werde da nicht.
Seit August endlich wieder geöffnet
Wie gut der Club bei seinem Publikum ankam, zeigten die Wochen und Monate nach der Eröffnung. „Es gab keinen Abend ohne volles Haus“, sagt Ivana Häcker. 400 Besucher sind das in Zahlen. Doch wie alle anderen Diskotheken versetzte die Corona-Pandemie auch den Seaside Club für eineinhalb Jahre in den Geistermodus. Ivana Häcker wusste sich aber schnell zu beschäftigen: Zwischenzeitlich spielte sie bei der SAT-1-Sendung „Auf Streife“ mit.
Doch auch wenn Häcker sich selbst als Strahlemännchen betitelt, ließ auch sie die Schließung nicht kalt. „Nach einem Jahr war ich schon deprimiert“, gibt sie zu. Umso mehr freut sich Häcker, dass der Seaside Club seit August wieder geöffnet sein kann. Auch der befreundete Star-Rapper Sido war Anfang November erneut zu Gast und sorgte für ein volles Haus. Aktuell gilt die 2-G-plus-Regelung. Häcker hofft, um eine nochmalige Corona-Schließung herumzukommen. „Das wäre bitter“, sagt die 37-Jährige.
Denn sie hat ja noch viel vor. „Ich wünsche mir, dass der Club noch viele Jahre mit Leben gefüllt bleibt“, sagt die Berlinerin. Dafür will sie weiterhin bekannte Künstler nach Böblingen bringen. Auch hofft sie, dass das Nachtleben vor Ort noch mehr Fahrt aufnimmt. Vor Konkurrenz scheut sich Häcker nämlich nicht. Ganz im Gegenteil: Die 37-Jährige würde sich wünschen, dass noch drei oder vier andere Clubs in der Gegend aufmachen. Ihre Position ist klar: Böblingen braucht mehr Angebote für junge Menschen.
Und auch sonst sitzt sie nicht still. Denn Ivana Häcker wäre ja nicht Ivana Häcker, wenn sie nicht schon den nächsten Plan in petto hätte: Im nächsten Jahr will sich die Clubbetreiberin als Komikerin versuchen.