IW-Studie Neue Debatte um Lohngerechtigkeit

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Das arbeitgebernahe Kölner IW-Institut rechnet vor, dass die Lücke zwischen den Gehältern von Mann und Frau gering ist. Ein staatlicher Eingriff, sprich eine gesetzliche Regelung, sei deshalb auch nicht gerechtfertigt. Bundesfamilienminister Manuela Schwesig reagierte prompt.

Pflegeberufe werden in Deutschland kaum wertgeschätzt. Foto: dpa
Pflegeberufe werden in Deutschland kaum wertgeschätzt. Foto: dpa

Stuttgart - Dass Frauen in Deutschland im Schnitt schlechter entlohnt werden als Männer, bezweifelt das arbeitgebernahe IW-Institut nicht. Einen staatlichen Handlungsbedarf, um diese Lohnlücke zu schließen, sehen die Kölner Wirtschaftsforscher dennoch nicht. „Die Annahme, bei der Lohnlücke handele es sich um eine Diskriminierung durch die Unternehmen, ist unsachgemäß“, wird IW-Direktor Michael Hüther in einer Mitteilung zitiert. „Der Politik fehlt damit die entscheidende Begründung, für das Lohngerechtigkeitsgesetz“, fügte Hüther hinzu.

Das angesprochene Bundesfamilienministerium reagierte prompt: „Es ist wieder ein typischer Reflex, dass bei Rechten für die Frauen die Bürokratiekeule herausgeholt und gesagt wird: Da sind die Frauen selbst schuld“, sagt die Sprecherin von Familienministerin Manuela Schwesig, die erst vor wenigen Wochen aus dem Mutterschutz gekommen ist, laut der Agentur Reuters. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unterstützt die politischen Pläne.

Frauen verdienen ein Fünftel weniger

Im Schnitt verdienen Frauen hierzulande ein Fünftel weniger als ihre männlichen Kollegen, geht aus Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt jährlich veröffentlicht. Während die Frau im Schnitt 16,2 Euro pro Stunde erhält, sind es beim Mann 20,59 Euro. Besonders ausgeprägt ist die Diskrepanz im früheren Bundesgebiet – hier beträgt die Lohnlücke 23 Prozent –, in den neuen Ländern sind es dagegen acht Prozent. Über Jahre hinweg haben sich diese Zahlen kaum verändert. Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland einen der hinteren Ränge ein. Schwesig will per Gesetz für mehr Transparenz bei der Bezahlung sorgen. Ihr Entwurf, über den sich Union und SPD streiten, sieht vor, dass Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern künftig zu ihrer Entlohnung geschlechtsspezifisch Stellung nehmen und Mitarbeiter einen individuellen Auskunftsanspruch erhalten. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat diese Pläne vor Wochen bereits als „absurd“ bezeichnet.

Es liegt an der Berufswahl

Nun legt das IW nach. Das Ergebnis: Die Unterschiede beim Gehalt ergeben sich vor allem aus individuellen Entscheidungen, so die Forscher. Wichtige Faktoren dabei seien die Branche und die Betriebsgröße. Frauen seien in Hochlohnbranchen unterrepräsentiert und arbeiteten tendenziell in kleineren Betrieben. So seien drei Viertel aller Stellen in den – eher niedrig entlohnten – Bereichen Erziehung und Unterricht sowie im Gesundheits- und Sozialwesen von Frauen besetzt. Im höher entlohnten verarbeitenden Gewerbe – wozu auch Techniker und Ingenieure gehören – seien es dagegen weniger als ein Drittel. Zudem würden Frauen seltener Führungsaufgaben übernehmen und häufiger Teilzeit arbeiten. „Die Entscheidungen über Karriere und Familie sind jedoch rein privat“, schlussfolgert das IW. Rechne man diese Faktoren heraus, betrage die Lohnlücke nur noch knapp sieben Prozent. Der Wert schrumpfe weiter, wenn man etwa die Berufserfahrung berücksichtige – oder das Verhalten in Gehaltsverhandlungen. In der Sozialwissenschaft kennt man all diese Argumente. Dort ist davon die Rede, dass Tätigkeiten, die von Männern dominiert werden, eine höhere Wertschätzung erfahren als typische weibliche Arbeiten. Im Pflegebereich wird dies deutlich.

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