Jagdzeit ab 1. August Nilgänse verdrecken Parks und Bänke
Bald beginnt wieder die Zeit, in der Nilgänse erlegt werden dürfen. Doch viele von ihnen leben in Parks, wie zum Beispiel in Kornwestheim. Dort müssen sie anders bekämpft werden.
Bald beginnt wieder die Zeit, in der Nilgänse erlegt werden dürfen. Doch viele von ihnen leben in Parks, wie zum Beispiel in Kornwestheim. Dort müssen sie anders bekämpft werden.
Sie leben noch gar nicht lange in den Parks von Kornwestheim, und schon fallen sie unangenehm auf: Nilgänse. Erst vor vier Jahren hat man im Salamander-Stadtpark das erste Brutpaar gesichtet. „Seit dieser Zeit entwickelt sich die Population stetig“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Jüngst sind demnach elf Exemplare allein am Stadtparksee gesichtet worden, im nahe gelegenen Stadtgarten leben auch einige. Dabei sind die Tiere nirgendwo gerne gesehen, unter anderem weil sie überall pro Tag bis zu zwei Kilogramm Kot hinterlassen.
Sozusagen auf frischer Tat hat Robert Müller eine Nilgans erwischt: Sie hat eine der neuen Abflackbänke im Kornwestheimer Stadtpark – nun, sagen wir – verschmiert, besudelt, eingesaut. Robert Müller, Stadtrat in Kornwestheim, findet das schade. Schließlich seien die Bänke erst aufgestellt worden und sie sind eine Idee von Schülern gewesen. Die Jugendlichen wollten damit den Park, der direkt an ihre Schule grenzt, schöner gestalten. Nun liegt niemand auf diesen Bänken, weil sich eben niemand in den Dreck legen möchte – so die Beobachtungen des Lokalpolitikers.
Der Stadtverwaltung ist das Problem auf der sogenannten Abflackwiese bekannt. Die Bänke würden regelmäßig gereinigt, sagt eine Sprecherin. Gegen die Nilgänse wolle man aber noch mehr tun. So sollen die Halbgänse möglichst wenig zu essen bekommen. Dafür werde das Fütterungsverbot, das ohnehin in den Kornwestheimer Parks gilt, strenger kontrolliert. Außerdem will die Stadt versuchsweise zwischen dem See und den Liegebänken das Gras höher stehen lassen – das mögen die Tiere wohl nicht. „Aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit wird diese Maßnahme in 2022 abhängig von der Witterung allerdings nur noch sehr bedingt greifen“, meint die Stadt. Deshalb habe man bereits Kontakt zu Stuttgart aufgenommen, wo das Nilgans-Problem schon etwas länger besteht. Dort arbeitet man an einem „Nilgansmanagement“, von dem Kornwestheim gerne profitieren würde.
In Stuttgart steht jedoch bisher nur fest, dass das Management teuer und zeitaufwendig wird. Wie genau die Tiere vergrault werden sollen, ist noch nicht klar. Eine Möglichkeit wäre, die Eier der Nilgänse durch Attrappen zu ersetzen. Oder man stellt Zäune am Brutgewässer auf.
Mit Zäunen ist auch auf dem Golfplatz am Monrepos-Gelände in Ludwigsburg gearbeitet worden. Dort haben so viele Nilgänse gelebt, dass alle Freiflächen „krass verkotet“ waren, sagt Marc-Frederik Elsäßer, der Geschäftsführer der Anlage. Mit einer Reihe von Maßnahmen sei man gegen die Tiere vorgegangen. Das Ergebnis: Dieses Jahr ist die Population auf ein „erträgliches Niveau“ geschrumpft, sogar Stockenten und Blesshühner haben sich wieder vermehrt angesiedelt und Junge bekommen, erzählt Elsäßer.
Auf dem Golfplatz sind die Nilgänse unter anderem auch gezielt abgeschossen worden. Das geht in innerstädtischen Parks wie in Kornwestheim freilich nicht. Wo gejagt werden darf, stehen die Nilgänse allerdings ab dem 1. August wieder auf der Abschussliste. In den Jahren 2020 und 2021 sind in Baden-Württemberg 1683 Tiere erlegt worden.
Die Jagd auf die Vögel sei die „einzige Möglichkeit“, gegen sie anzukommen, sagt der Kreisjägermeister Peter Ulmer. Allerdings sei auch das nicht so einfach. Denn viele Nilgänse halten sich – wie in Kornwestheim – in Parks auf, wo man sie nicht jagen darf. Und dort, wo sie geschossen werden dürfen – wie am Monrepos-See und dem dortigen Golfplatz – gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen für Jäger. Außerdem sind die Kolonien schwer zu bejagen, weil sie sehr scheu sind, sagt Ulmer. Es sei aber wichtig, die Population in Grenzen zu halten. Denn Nilgänse können andere Vogelarten, vor allem heimische Wasservögel, aus ihren Brutgebieten vertreiben.