Jahresabschluss Digitalisierung treibt Dekra an

Dekra-Chef Kölbl ist dafür, dass Emissionen künftig wieder am Auspuff gemessen werden sollen. Foto: dpa
Dekra-Chef Kölbl ist dafür, dass Emissionen künftig wieder am Auspuff gemessen werden sollen. Foto: dpa

Der Prüfkonzern setzt auf autonomes Fahren und Konnektivität – und will Zugriff auf die Software-Updates der Hersteller.

Wirtschaft: Michael Heller (mih)
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Stuttgart - Der Dienstleister Dekra, der auf technische Prüfungen rund ums Automobil spezialisiert ist, reagiert auf die zunehmende Vernetzung von Fahrzeugen und den Trend zum autonomen Fahren. Vorstandschef Stefan Kölbl spricht in diesem Zusammenhang vom „Internet of Vehicles“. Bei der Erläuterung des Jahresabschlusses 2016 sagte er, dass Dekra im Januar in Hsinchu/Taiwan hierfür ein weiteres Prüflabor eröffnet habe, nachdem alleine in Asien im vorigen Jahr fünf Stationen hinzukamen. Dort können Autozulieferer und Ersatzteilhersteller zum Beispiel die Konnektivität und die elektromagnetische Verträglichkeit ihrer Produkte prüfen und zertifizieren lassen. „Als bisher größtes Labor rund um das vernetzte und elektrische Fahren spielt Hsinchu eine Schlüsselrolle beim Ausbau unserer Rolle auf dem automobilen Prüfmarkt“, sagte Kölbl.

Die Fahrzeugüberwachung muss sich weiterentwickeln

In diesem Jahr sollen weitere 30 Millionen Euro in den Bereich Internet und Auto investiert werden. So will Dekra am Standort Klettwitz in der Lausitz ein auf das autonome Fahren ausgerichtetes Labor aufbauen; gleiches ist in Malaga/Spanien mit dem Schwerpunkt Vernetzung geplant. Insgesamt hat Dekra im Automobilbereich nach Angaben des Vorstands eine zweistelligen Zahl von Prüf- und Zertifizierzentren mit mehr als 1000 Mitarbeitern. Aus der Sicht von Kölbl ist der Konzern in der digitalisierten Welt gegenwärtig aber daran gehindert, seine Aufgaben in vollem Umfang zu erfüllen. „Angesichts der rasanten Entwicklung bei elektronischen Assistenzsystemen und der Vision des automatisierten Fahrens muss sich auch die Fahrzeugüberwachung weiterentwickeln“, sagte Kölbl. Konkret verlangt er, dass die Hersteller den Zugriff auf sicherheitsrelevante Fahrzeugdaten zulassen, die häufig auch über Software-Updates geändert werden. Der Dekra-Chef: „Prüforganisationen müssen bei Software-Updates auf dem aktuellen Stand sein.“

Dass die Digitalisierung nicht nur Probleme löst, sondern auch schafft, hat die Abgasuntersuchung gezeigt; sie wird seit einigen Jahren nicht mehr am Auspuff vorgenommen, sondern erfolgt durch das Auslesen von Computerdaten. Der VW-Skandal hat nun zur Wende rückwärts geführt. Das Bundesverkehrsministerium hat Anfang 2017 eine Verordnung angekündigt, nach der Abgasmessungen künftig wieder am Auspuff vorzunehmen sind. So sollen Manipulationen besser aufgedeckt werden können. Dekra hat das schon vor einigen Jahren gefordert und unterstützt das Ministerium. Nun hoffen die Stuttgarter, dass die angekündigte Verordnung nicht im Wahlkampf untergeht.

2017 soll das 14. Wachtumsjahr in Folge werden

Dekra hat im vergangenen Jahr den Umsatz um 6,7 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro ausgeweitet. Nicht nur der dominierende Automobilbereich ist gewachsen (um 5,8 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro), sondern auch die beiden anderen Geschäftsfelder, Industrieprüfung und Personal-Dienstleistungen. Das um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsergebnis verbesserte sich um 9,7 Prozent auf 220,6 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter stieg per Jahresende 2016 um 2700 auf knapp 39 400 Beschäftigte. Umsatz, Gewinn und Belegschaft nehmen seit nunmehr 13 Jahren in Folge zu.

Im laufenden Jahr soll dieser Trend nach Kölbls Worten anhalten. In den ersten drei Monaten 2017 ist der Umsatz um 10,8 Prozent auf 726 Millionen Euro gestiegen. Das Ergebnis, so sagte Kölbl, habe sich noch stärker verbessert. Im Gesamtjahr sind mehr als 1500 Neueinstellungen geplant; damit soll im Konzern die Marke von 40 000 Mitarbeitern übertroffen werden.

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