Wir haben das, was wir uns für dieses Jahr vorgenommen haben, erreicht. Gemeinsam, Verwaltung und Gemeinderat, haben wir noch mal viel Überzeugungsarbeit geleistet, weil Klimaschutz tatsächlich damit zu tun hat, dass man Menschen mitnimmt. Da ist uns viel gelungen. Wir haben die Klimaschutzwochen wiederholt, mit dem Mobilitätsentwicklungsplan und mit der Klimaresolution hätte ich mir gewünscht, dass wir etwas konkreter werden.
Die Stadt steht in der Klimabilanz nicht gut da. Der Flughafen verhagelt die CO₂-Werte, auch die Emissionswerte im Privaten liegen über dem Bundesschnitt. Warum?
Die Ursachen sind vielfältig. Aber ich gebe offen zu: Was über unser Klimaschutzmanagement als Zwischenbericht veröffentlicht worden ist, ist erschreckend und muss uns auch ein Zeichen sein, noch mal mehr einzugreifen. Das ist das, was ich vorhin gemeint habe: Klimaschutz hat maßgeblich mit Kommunikation und Überzeugung zu tun. Da haben wir verschiedene Ansatzpunkte entwickelt, die wir jetzt noch mal mit dem Gemeinderat besprechen, weil wir sonst die von uns selbst gesteckten Ziele nicht erreichen werden.
Die Filderstädter haben im Landesvergleich viele Autos, Sie aber wollen den Anteil des Autoverkehrs am Gesamtverkehr bis 2035 von 52 auf 42 Prozent drücken. Ist das nicht unrealistisch?
Wenn ich heute sagen würde, es ist unrealistisch, dann hätte ich den Beschluss so nicht mittragen können. Ich würde es so formulieren, dass es nicht einfach wird. Aber wir müssen alles daran setzen, das Ziel zu erreichen.
Was braucht es dafür?
Wir müssen noch mal Verbesserungen im Fußverkehrsnetz anschauen, wir müssen auch noch mal die Verkehrsmittel der sogenannten letzten Meile von Fahrrad bis zum Elektroscooter anschauen, auch die Verkehrswegebeziehungen für das Fahrrad bei uns in der Stadt. Aber wir müssen auch noch mal schauen, wie wir den innerstädtischen öffentlichen Nahverkehr attraktivieren.
Es geht also darum, Autos aus der Stadt zu kriegen. Gleichzeitig ist die Kritik groß, dass gerade in Bernhausen Parkplätze fehlen. Und jetzt?
Man muss das Ganze noch mal mit dem Zeitlauf in Zusammenhang bringen. Ja, es ist richtig, so wie wir heute bei den Verkehrsbeziehungen aufgestellt sind, welche Angebote wir zur Verfügung stellen, moniert insbesondere der Einzelhandel in Bernhausen, dass es zu wenige Parkflächen gibt. Mit der Umstiegssituation am S-Bahnhof und dem Wegfall des Park-and-Ride-Parkhauses möchte ich die Problemlage auch gar nicht in Abrede stellen. Deswegen ist es mir wichtig, auch noch mal drauf hinzuweisen: Diese Reduzierung des Individualverkehrs um zehn Prozent ist auf zehn Jahre gerechnet. Das heißt, wir haben uns auch einen entsprechenden Zeitraum vorgenommen, in dem wir die Attraktivierungen für andere Verkehrsmittel vorzunehmen haben.
Gibt es Ideen, um kurzfristig den Parkdruck zu lindern?
Da gibt es natürlich Ideen. Es ist geplant, das Parkhaus zurückzubauen bis zu dem Maß, dass wir keine statischen Probleme mehr feststellen, um im unteren Bereich möglichst schnell wieder Interimsparkplätze zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus haben wir noch andere Flächen im Blick, wo sich interimsweise Parkflächen einrichten lassen können. Ein weiterer Punkt, den wir mit dem Gemeinderat beraten: Wie können wir eine Parkraumbewirtschaftung angehen?
Beim Parkhaus-Rückbau geht man aber derzeit davon aus, dass allein die Planung das komplette Jahr 2023 in Anspruch nehmen wird. Das ist keine schnelle Abhilfe.
Nein, schnelle Abhilfe bringen werden andere Provisorien. Wir als Stadt sind an wenigen Stellen Eigentümer im Stadtteilzentrum von Bernhausen, deswegen kann ich öffentlich gerade nicht viel dazu sagen, aber da gibt es Überlegungen, ob wir die eine oder andere private Fläche generieren können. Was wir selber im Griff haben: Wir haben die Tiefgarage im Verwaltungsgebäude Aicher Straße 9 in den Randzeiten und samstags für die Öffentlichkeit geöffnet.
Vieles dauert enorm lang. Schaffen wir in diesem Tempo die Verkehrswende überhaupt?
Nein, insgesamt nicht. Das räume ich auch offen ein. Wir müssen bei derartigen Planungsszenarien schneller werden. Und vor allem verlieren wir Menschen in der Überzeugung, dass wir es wirklich ernst meinen, wenn wir derartige Planungsläufe haben. Wenn ich sehe, dass eine S-Bahn-Strecke von 3,9 Kilometern zwischen Bernhausen und Neuhausen knapp 25 Jahre Planungs- und Umsetzungszeit braucht, das sind Dinge, da werden wir die Verkehrswende nur schwer beschreiben können. Da braucht es schnellere Dinge, und wir versuchen, unseren Teil beizutragen
Nächstes Jahr wird in Filderstadt wieder ein Oberbürgermeister gewählt. Werden Sie zur Verfügung stehen?
Dafür werde ich gerne zur Verfügung stehen, ja.
Es gibt viele Aufgaben zu erledigen in Filderstadt. Und viele sind unpopulär. Wie geht man da in einen Oberbürgermeister-Wahlkampf?
Indem man einerseits erst mal versucht, Unpopuläres überhaupt zuzulassen, damit es auch artikuliert wird. Mit dem muss man umgehen. Und dann Begründungen dafür liefern, warum man die eine oder andere Entscheidung trifft, selbst wenn sie unpopulär ist, weil man sie für die Zukunft der Stadt für richtig hält. Und indem man darauf verweist, was in den vergangenen sieben Jahren geleistet wurde, von A wie Aufbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes bis Z wie Planungsverfahren Neubau Jugendzentrum Z. Es wird nur bei ganz wenigen Entscheidungen gelingen, dass sie von allen mitgetragen werden. Letztendlich muss man aber die Überzeugungsarbeit dafür leisten.
Zur Person
Lokalpolitik
Christoph Albrecht Traub ist 52 Jahre alt und seit 2015 der Oberbürgermeister von Filderstadt. Zuvor war er seit 2004 Mitglied des örtlichen Gemeinderates gewesen, seit 2009 auch als Vorsitzender der CDU-Fraktion beziehungsweise der Fraktionsgemeinschaft CDU/FDP. Seit 2008 ist er zudem Mitglied des Kreistages. Christoph Traub ist Jurist und hat lange Jahre als
Ehrenämter
Seit Mai 2018 ist Christoph Traub Vorsitzender des Zweckverbands Hochwasserschutz Körsch, seit November 2022 Vorsitzender der Sportregion Stuttgart. car