Jahresbilanz des VVS Abo-Rekord – aber S21 bleibt Klotz am Bein

Fahrgäste des VVS leiden unter den Bauarbeiten und Streckensperrungen für Stuttgart 21. Foto: IMAGO/imagebroker

Trotz starken Gegenwindes neue Rekorde - so sieht der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) das Jahr 2025. Aber wo schwächeln Bus und Bahn in der Region?

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Eine massive Preiserhöhung beim Deutschlandticket, Baustellenchaos rund um Stuttgart 21 und schwächelnde Konjunktur – an Gegenwind hat es dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) 2025 nicht gefehlt.

 

Trotzdem zeigen sich VVS-Geschäftsführerin Cornelia Christian und VVS-Geschäftsführer Jan Neidhardt im Rückblick zufrieden. Im vergangenen Jahr ist beispielsweise die Zahl der Abonnenten um drei Prozent auf 620 000 gestiegen.

Binnen drei Jahren die Zahl der Abos fast verdoppelt

Das sei ein neuer Rekord und bedeute fast eine Verdoppelung im Vergleich zur Zeit vor dem Deutschlandticket 2023. Dieses Ticket sei das Kernprodukt, sagt Christian: „Wir wollen Kunden binden, denn das führt zur Stabilität der Einnahmen.“ Vier von fünf Euro stammen beim VVS aus dem Deutschlandticket. Insgesamt hat man 7,8 Prozent mehr erlöst.

Dennoch wurde im VVS trotz besseren Angeboten etwa im Busverkehr oder beim Sammeltaxi VVS-Rider nur 0,7 Prozent öfter gefahren als 2024. Dem Abo-Rekord steht ein Minus von 4,8 Prozent bei den ebenfalls teurer gewordenen Einzel- und Gelegenheitstickets gegenüber. „Wir haben uns bergauf gekämpft und den Gipfel erreicht“, sagt Neidhart.

Jobtickets schwieriger zu verkaufen

Das zum Start des Deutschlandtickets vor drei Jahren ausgegebene Ziel, im Bereich des von Arbeitgebern subventionierten Jobtickets massiv mehr Kunden zu gewinnen, ist aber nicht im erwünschten Maß erreicht worden. „In der augenblicklichen wirtschaftlichen Lage fragen sich Arbeitgeber eben, was sie als Zusatzleistung fürs Personal anbieten“, sagt die VVS-Chefin.

Wie viele Kündigungen die jüngsten Preiserhöhung beim Deutschlandticket um 8,6 Prozent zu Jahresbeginn 2026 provoziert hat, dazu habe man noch keine Zahlen, sagt Christian. Seit seiner Einführung 2023 ist der Preis von 49 Euro auf aktuell 63 Euro gestiegen.

38 Prozent der Stuttgarter haben ein Deutschlandticket

In Stuttgart haben zurzeit 38 Prozent aller Einwohner ein Deutschlandticket. In den Kreisen Esslingen und Ludwigsburg ist es mehr als ein Viertel. In ländlichen Bereichen wie Geislingen, Steinheim an der Murr oder Welzheim liegt die Quote allerdings nur bei um die fünf Prozent. Im Gesamtdurchschnitt der Region ist jeder Fünfte ein D-Ticket-Nutzer.

Der VVS macht kein Hehl daraus, dass man unter der Situation bei der Deutschen Bahn massiv leidet, insbesondere unter den Bauarbeiten und Streckensperrungen für Stuttgart 21 und der damit verbundenen Digitalisierung des Signalsystems. Aktuell ist dafür schon wieder die Strecke zwischen Bad Cannstatt und Fellbach für vier Wochen gesperrt.

Niveau von 2019 noch lange nicht in Reichweite

Die 377 Millionen Fahrten des vergangenen Jahres liegen auch deshalb immer noch deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019 mit 395 Millionen. Jan Neidhart räumt ein, dass dieser Rekord vorerst außer Reichweite sei: „Ich glaube, dass wir das damalige Niveau erst wieder übertreffen können, wenn Stuttgart 21 tatsächlich in Betrieb geht.“

Bei der Frage, wann das ungefähr der Fall sein wird, tappt der VVS nach den jüngsten Verschiebungen allerdings genauso im dunkeln wie die ganze Region. Erst das Jahr 2030 werde auch Klarheit darüber bringen, wie es mit dem nur bis 2029 finanziell garantierten Deutschlandticket weitergehe, sagt Christian.

Er könne sich nicht vorstellen, dass das Deutschlandticket noch einmal grundsätzlich in Frage gestellt werde, sagt ihr Mit-Geschäftführer Neidhardt: „Politisch ist das kein Gewinnerthema.“

Schülerfahrten sind besonders teuer geworden

Ein Bereich ist aktuell kritisch: Bei dem an Schüler, Studenten und Azubis gerichteten „D-Ticket JugendBW“ sind die Preiserhöhungen in den vergangenen Jahren deutlich drastischer ausgefallen als beim normalen Deutschlandticket. Es ist mit 45 Euro im Monat um fast die Hälfte teurer als bei der Einführung 2023.

Es übertrifft nun oft deutlich den Preis der einstigen Schülertickets – was insbesondere Familien mit mehreren Kindern belastet. Der VVS und die Kommunen könnten über eine Wiedereinführung eines billigeren, lokalen Schüler-Abos aber nicht entscheiden, sagt Christian: „Das ist Sache des Landes.“

Einzeltickets werden im September teurer

In seinem verbliebenen, tariflichen Verantwortungsbereich hat der VVS gerade eine Preiserhöhung für Einzel- und Gelegenheitstickets um 5,9 Prozent zum 1. September angekündigt.

Spielraum zur Kostensenkung sieht der VVS beim digitalisierten Fahrkartenverkauf. Insbesondere in den Bussen stellt man den Bargeldverkauf auf den Prüfstand. Seit 2023 muss bei Neuausschreibungen jeder Bus eine digitale Bezahlmöglichkeit bieten. Beim VVS hält man es für denkbar, auf bestimmten Buslinien nur noch digital zu verkaufen. Man werde aber darauf achten, dass niemand ausgegrenzt werde, verspricht die VVS-Geschäftsführerin. Es müsse weiter einfache Möglichkeiten geben, sich Mehrfahrtenkarten bar zu besorgen.

Auch der Ticketkauf in der VVS-App könnte einfacher werden. Man arbeite daran, die bisher an eine separate App gebundene Möglichkeit, per Check-In und Check-Out seine Fahrkarte ohne den Blick auf Tarifzonen und Tarife zu erwerben, dort zu integrieren.

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