Jahresrückblick für den Kreis Göppingen (Teil 1) Von Pendlern, Phantomen und Visionen

Die Pendler auf der Filstalbahn haben oft lange  und immer wieder vergeblich warten müssen. Foto: dpa
Die Pendler auf der Filstalbahn haben oft lange und immer wieder vergeblich warten müssen. Foto: dpa

Von Januar bis Mai
: Ein kleiner Überblick über Themen, die in diesem Jahr den Blätterwald im Kreis Göppingen beherrscht haben – ohne den Anspruch auf Vollständigkeit.

Regionales: Karen Schnebeck (ks)
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2. Januar: Eine gute Nachricht für Pendler. Man mag es kaum glauben, aber für Pendler im Kreis Göppingen gibt es manchmal auch gute Nachrichten – und mit einer solchen hat das Jahr 2017 begonnen: Die Stadt Uhingen und die Bahn einigten sich nach langem Hin und Her darauf, dass die Kommune 40 Park & Ride-Plätze für Pendler in der Bahnhofstraße auf einem Grundstück der Bahn bauen kann, und zwar ohne die jährliche Pacht von 12 000 Euro bezahlen zu müssen, die das Unternehmen stets gefordert hatte – obwohl die Parkplätze ausschließlich ihren Kunden zugute kommen. Die Stadt investiert im Gegenzug 15 000 Euro für den Bau der Stellplätze.

11. Januar: Jazzer ziehen vom Moloko ins Dolce. Sie ist ständig im Wandel: die Göppinger Kneipenszene. Weil das Moloko zum Jahreswechsel seine Pforten geschlossen hat, sind die Musiker der Jazz-IG, die dort jeden Mittwoch Konzerte mit Musikern aus der Region Stuttgart und darüber hinaus präsentierten, notgedrungen umgezogen. Natürlich nicht ohne vorher noch einmal heftig zu feiern. Von nun an stehen die Jazzmusiker jeden Mittwochabend von 21 Uhr an im Dolce auf der Bühne.

24. Januar: Ein unsichtbarer Abgeordneter. Seit seiner Wahl in den Stuttgarter Landtag hat sich der AfD-Abgeordnete Heinrich Fiechtner im Kreis Göppingen nicht mehr blicken lassen. Auch zu wichtigen politischen Fragen war von ihm nichts zu hören. Die anderen Parteien im Kreis üben heftige Kritik an dem „unsichtbaren Abgeordneten“, die Junge Union (JU) und die Jungsozialisten (Jusos) fordern deshalb seinen Rücktritt. Heinrich Fiechtner gibt sein Mandat freilich weder zurück, noch lässt er sich danach häufiger im Kreis blicken.

26. Januar: And the winner is. .  . 25 Kandidaten standen anfangs bereit, um die bisherige Göppinger Sozialbürgermeisterin Gabriele Zull zu beerben, die in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) zur Oberbürgermeisterin gewählt worden war. Am Ende waren noch drei Bewerber übrig, von denen sich schließlich die FDP-Kandidatin Almut Cobet im zweiten Wahlgang durchsetzte. Das Nachsehen hatten die SPD-Politikerin Bettina Wilhelm und die Lokalmatadorin der Grünen, Ulrike Haas.

2. Februar: Jede Menge Baupläne. Der Baubeschluss für das geplante Verwaltungszentrum am Bahnhof wird zwar erst eine Woche später fallen, dennoch beraten die Stadträte im technischen Ausschuss bereits über eine Machbarkeitsstudie der Stadt. Darin geht es um den Umbau des technischen Rathauses nach der Fertigstellung des neuen Verwaltungszentrums. Die Idee: Das gesamte Areal soll neu gestaltet und das Gebäude erweitert werden. Die Stadt hofft, bis zu 90 Loftwohnungen erstellen und ein ansprechenderes Ambiente für die Kunsthalle schaffen zu können. Bei den Stadträten kommen die Vorschläge gut an.

23. Februar: In Bambis Zuhause herrscht die Angst. Die Nachricht schlägt ein wie eine Bombe: Die renommierte Kunstgießerei Strassacker, die unter anderem jedes Jahr die Bambis für die Verleihung des Fernsehpreises herstellt, will bis zum Jahresende mehr als ein Viertel der Stellen in Süßen streichen – rund 120 von 450 Arbeitsplätzen sollen wegfallen. Begründet werden die geplanten Streichungen mit der finanziellen Schieflage, in die das Unternehmen geraten sei. Der Betriebsrat wirft der Führung der Firma massives Versagen vor.

8. März: Jugendherberge bekommt Baumhäuser. Für 3,2 Millionen Euro wird die Jugendherberge auf dem Hohenstaufen saniert und erweitert. Neben dem Gebäude sollen sechs Baumhäuser mit zwei bis vier Betten das Angebot erweitern und neue Gäste anlocken. Möglich gemacht hat die Sanierung ein Beschluss des Göppinger Gemeinderats. Demnach schießt die Stadt 900 000 Euro zu.

11. März: Verspätungen nach wie vor enorm. Auch die zweite Umfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Sascha Binder zeichnet ein verheerendes Bild der Zustände bei der Filstalbahn: Im dreiwöchigen Untersuchungszeitraum gab es Pendlern zufolge 1100 Verspätungen, 17 Züge fielen komplett aus. Das Chaos auf der Bahnstrecke wird die Bürger trotz vieler Proteste und Debatten mit Vertretern von Land und Bahn das ganze Jahr weiter begleiten.

18. März: Bahn frei für Märklineum. Direkt neben dem Stammsitz in der Stuttgarter Straße in Göppingen baut Märklin für 11,3 Millionen Euro ein neues Modelleisenbahn-Museum samt Erlebniswelt mit Servicecenter und Bistro. Beim Spatenstich sind auch der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till und der Landrat Edgar Wolff dabei. Sie versprechen sich von dem Museum zusätzliche Touristen in Stadt und Kreis.

1. April: Vision wird Wirklichkeit. Die Sanierung und Umgestaltung von Schloss Filseck ist abgeschlossen. Bis im Herbst soll auch der Landschaftspark eröffnet werden. Insgesamt 7,5 Millionen hat die Schloss-Filseck-Stiftung dann insgesamt in das Projekt gesteckt. Mit den Bürgern wird deshalb schon im Mai ein großes Fest gefeiert.

11. Mai: Das Sterben der Werkrealschule. Der Gemeinderat beschließt gezwungenermaßen das Aus für die Werkrealschule in Ursenwang. Es ist die dritte Werkrealschule in Göppingen, die wegen zu geringer Schülerzahlen geschlossen wird. Übrig bleibt nur die Walther-Hensel-Schule, die nach wie vor stabile Anmeldezahlen verzeichnet.

28. Mai: Der Auswärtige macht das Rennen. Ebersbach hat gewählt, und die Überraschung ist groß: Der einzige Auswärtige im Bewerberfeld hat sich im zweiten Wahlgang gegen die Lokalmatadore durchgesetzt: Der Stuttgarter SPD-Politiker Eberhard Keller hat es auf den Chefsessel geschafft. Er möchte als erstes die weitere Entwicklung des interkommunalen Gewerbeparks Fils angehen.




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