Jaleen Smith, MHP Riesen Ludwigsburg Der König der Riesen und sein Traum von der NBA

Jaleen Smith auf dem Höhenflug: Er liegt in allen wichtigen Statistiken im Ligavergleich unter den Top Sechs und ist der Garant für die bisher überragende Saison der MHP Riesen Ludwigsburg. Foto: Baumann

Jaleen Smith ist eine der größten Attraktionen der Basketball-Bundesliga und der Garant für den Höhenflug der MHP Riesen Ludwigsburg. Was macht diesen Sportler, der in keinen einfachen Verhältnissen aufwuchs, so stark?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Ludwigsburg - Was wahrscheinlicher ist: Sein Bleiben über die laufende Saison hinaus oder die deutsche Meisterschaft mit den MHP Riesen Ludwigsburg? Jaleen Smith legt die Stirn in Falten. „Das ist eine schwierige Frage“, beginnt der Ausnahmespieler des Basketball-Bundesligisten seine Antwort. „Wir können Großes erreichen und möchten dies auch. Es müssen aber äußerst viele Dinge zusammenkommen, dass die Meisterschaft nach Ludwigsburg kommt“, sagt der 26-Jährige. Und zu seiner persönlichen sportlichen Zukunft lässt er zunächst nur so viel raus: „Es wird im Sommer viele Optionen geben. Wir werden dann sehen, was kommt.“

 

Dämpfer zur richtigen Zeit?

Jaleen Smith – das ist der Leitwolf, der Kapitän, der König der Riesen. Er ist der Garant dafür, dass der Club vor dem Spiel an diesem Samstag (18 Uhr) bei Ratiopharm Ulm die Tabelle mit 40:4 Punkten anführt. Diese Attraktion der Bundesliga liegt in allen wichtigen Statistiken (Punkten, Rebounds, Assists, Steals, Effektivität) im Ligavergleich unter den Top Sechs. „Dort, wo Jaleen hingeht, geht auch der Club hin“, pflegt Trainer John Patrick zu sagen. Zuletzt im Spiel bei den Hakro Merlins Crailsheim ging Smiths Leistung ausnahmsweise mal etwas in den Keller. Er hat den Ball nicht so gut laufen lassen, ein paar offene Würfe liegen lassen, defensiv nicht die letzte Konsequenz gezeigt. Prompt ging das württembergische Derby nach zuvor 18 Siegen hintereinander mit 58:68 in die Binsen. „Wir hassen das Verlieren, aber vielleicht ist diese Niederlage eine Erdung zur richtigen Zeit“, versucht Smith der Niederlage etwas Positives abzugewinnen.

Durchbruch in München

Bis zu diesem gebrauchten Tag lief es ja auch geradezu märchenhaft. Wie eine Rakete schossen die Riesen und der Spielmacher nach oben. Den Durchbruch zum „Go-to-Guy“, zum Spieler, der in engen und wichtigen Situationen Verantwortung übernimmt, hatte er beim Finalturnier in München geschafft, wo er vergangenen Juni seinen Club zur Vizemeisterschaft führte.

Patricks harte Führung

2019 war er als relativ unbekannter, solider Zweitligaspieler von den MLP Academcis Heidelberg nach Ludwigsburg gekommen. „Ich war nie Teil von irgendwelchen Highlightvideos oder ein besonders athletischer Spieler“, räumt Smith selbst ein. Doch er arbeitete hart. Tag für Tag. Training für Training. Der wichtigste Mann dabei: John Patrick, der Chefcoach mit dem klaren Plan und der harten Hand. „In Heidelberg hat mich nie jemand angeschrien. Doch ich weiß, wenn sich John einen Spieler vornimmt, macht er das nicht, um auf ihm herumzuhacken. Er will nur mögliche Fehler vermeiden. Es geht dabei um mentale Stärke. Ich weiß, dass es mich besser macht.“ Jaleen Smith kennt diese Herangehensweise aus Highschool-Zeiten in New Hampshire.

Sprungbrett Ludwigsburg

Schon zuvor hat er sich eine harte Schale zugelegt. Er stammt aus Freeport/Texas, keiner einfachen Gegend, einem von der Chemieindustrie geprägten sozialen Brennpunkt. „Das Leben dort ist tough“, sagt er. Umso mehr weiß er seine aktuelle Lage als Basketballprofi zu schätzen: „Monica und ich wissen, wie wahnsinnig privilegiert wir sind.“ Erstmals in seiner Karriere lebt er mit seiner Verlobten zusammen. Die beiden wollen im Sommer heiraten und fühlen sich in Ludwigsburg sehr wohl.

Traumziel NBA

Doch dass die sportliche Reise am Saisonende woanders hingehen wird, ist so sicher wie die nächste Medaille des US-amerikanischen Basketballteams bei Olympischen Spielen. Schon im Februar hätte er die Riesen aufgrund einer Vertragsklausel verlassen können, doch Smith entschied sich, die Runde zu Ende zu spielen. Weil er weiß, dass sein Marktwert nicht sinken wird und Ludwigsburg ein ideales Sprungbrett bleibt: „Wer hier funktioniert, kann überall spielen“, sagt er bei aller Bescheidenheit ziemlich selbstbewusst. Auch in der NBA? „Ja, ich möchte da hin, das ist mein Traumziel.“

Vorbild Chris Paul

Doch zunächst will er mit den Riesen das Maximale herausholen. Dazu gehört, die Hauptrunde als Tabellenerster zu beenden: „Das würde nicht schaden, da der potenzielle Heimvorteil über alle Runden hinweg großartig ist.“ In den Play-offs würden die Karten zwar neu gemischt. „Aber wir haben, in allen Fällen, nicht das schlechteste Blatt“, sagt der Mann, der Chris Paul von den Phoenix Suns sein Vorbild nennt – und seinetwegen die Nummer drei auf dem Trikot trägt.

Traum vom Titel

Bleibt die Frage, was sich Smith zum (wahrscheinlichen) Abschied im Sommer wünscht? Diesmal muss er nicht lange überlegen: „Wir beenden die Spielzeit mit einem Sieg, dem Titel und einem Fan-Fest.“

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