Jam-Session bei Jazztagen in Weinstadt Vom Anfänger bis zum Hobbymusiker

Von Luitgard Schaber 

Die Jam-Session für Jedermann lockt zum zweiten Mal Spieler unterschiedlichen Alters und Könnens auf die Bühne – für die Veranstalter der Jazztage in Weinstadt ist das ein spannendes Experiment.

Bei der offenen Jam-Session kann jeder mitmachen Foto: privat/Hartmut Lenz
Bei der offenen Jam-Session kann jeder mitmachen Foto: privat/Hartmut Lenz

Weinstadt - Die Leute selbst ins Tun bringen“, das sei das Ziel der Jam-Session für Jedermann, sagt der städtische Kulturamtsleiter Jochen Beglau über das neue Angebot der Jazztage Weinstadt. Während die Veranstaltungsreihe, die gemeinsam von der Stadt, dem Jazzclub Armer Konrad (Jak) der Musikschule Unteres Remstal, dem Kommunalen Kino und dem Remstalgymnasium organisiert wird, bald zum 23. Mal stattfindet, ist die Jam-Session unter dem Titel „Come together“ erst das zweite Mal ein Teil davon.

Mit deren Premiere im vergangenen Jahr ließen Jak und Musikschule eine alte Jazztradition in Weinstadt aufleben. „In den 1920er und -30er Jahren, als Jazz die neue populäre Musik war, war es üblich, dass Musiker und Bands sich einfach so zusammengefunden haben“, erklärt der Musikschullehrer und Moderator der Session, Reinhold Uhl. „Das war eine Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen, sich auszuprobieren und sich fast wie in einem Wettkampf miteinander zu vergleichen.“

20 Personen wagen den Schritt auf die Bühne

Um einen Wettbewerb geht es bei der Jam-Session für Jedermann allerdings nicht. Das Angebot, sich im Jazzkeller vor Publikum zu präsentieren, sei allerdings gleich gut angenommen worden, berichtet Uhl. Rund 20 Personen hätten den Schritt auf die Bühne gewagt. Groß dazu motivieren habe er die Besucher nicht müssen. Wer mit seinem Instrument unter dem Arm zu der Veranstaltung gekommen sei, den habe es von ganz alleine ins Rampenlicht gedrängt.

Ein „spannendes Experiment“ sei trotzdem gewesen, sagt Uhl. Denn es haben sich die unterschiedlichsten Menschen dazu eingefunden – neben Schülern der Musikschule, die teils noch blutige Anfänger waren, auch langjährig erfahrene und versierte Hobbymusiker aus der gesamten Region. Vom Alter her sei die Spannweite ebenfalls groß gewesen. „Der Jüngste war ein 15-jähriger Schüler von mir und die ältesten Teilnehmer waren über 70 Jahre alt.“ Dabei sei das Lebensalter keineswegs im Zusammenhang mit der musikalischen Erfahrung gestanden. „Das Interessante bei den Senioren ist, dass es welche gibt, die schon ihr ganzes Leben lang Musik machen, und welche, die erst jetzt in der Rente damit anfangen“, so Uhls Beobachtung. Seine Aufgabe sei es, die Teilnehmer trotz all der Unterschiede auf einen Nenner zu bringen.

Da ist Geschick bei der Koordination gefragt. Schließlich bedarf es auch bei den Instrumenten einer guten Mischung. Zumal in dieser Hinsicht die Bandbreite bei der ersten Jam-Session für Jedermann ebenfalls groß war. Neben typischen Jazz-Instrumenten wie Saxofon und Trompete hätten die Besucher beispielsweise auch Streichinstrumente mitgebracht, berichtet Uhl. „Wir hatten mehrere Violinen da.“

Eine Rhythmusgruppe ist immer dabei

Und wie bringt man all das auf einen Nenner? Dazu frage er jene, die mit einem Instrumentenkoffer in den Keller kommen, welche Stücke sie denn spielen möchten. Auf diese Weise versuche er gemeinsame Lieder herauszufiltern. So würden sich meist bekannte Jazz-Standards finden, wie etwa „Fly me to the moon“. Dafür, dass immer eine ausreichende Besetzung auf der Bühne ist, sorge eine Rhythmusgruppe mit Bass, Schlagzeug und Klavier, die als fester Bestandteil bei der Jam-Session dabei ist.

Mehrere Stunden lang musiziere man auf diese Weise gemeinsam, wobei jeder mehrfach Gelegenheit habe zu spielen. „Dabei kommt schon Stimmung auf. Für Soli gibt es auch Zwischenapplaus.“ Die Clubatmosphäre, die einfach durch die Örtlichkeit und das Publikum aus Jazzliebhabern eine ganz andere als bei einem Musikschulvorspiel sei, motiviere die Spieler. Doch gegen 23 Uhr versuche er einen Schlusspunkt zu setzen – aus Rücksicht auf die Jak-Mitglieder, welche ehrenamtlich die Organisation der Veranstaltung hinter der Theke und an der Bühnentechnik übernehmen.

Die Jam-Session findet am Montag, 16. März, von 20 Uhr an im Jak-Keller, Stiftstraße 32 in Weinstadt-Beutelsbach, statt. Der Eintritt ist frei.

Die 23. Jazztage in Weinstadt

Eröffnung
Ein pralles Programm haben die Veranstalter für die 23. Auflage der Jazztage Weinstadt zusammengestellt. Um der Reihe Festivalcharakter zu geben, findet vom 12. Bis 22. März täglich eine Veranstaltung statt. Los geht es mit einem Eröffnungskonzert im Stiftskeller in Beutelsbach. Mit dem Kasia Pietrzko Trio holt der Jazzclub Armer Konrad (Jak) dafür aktuelle Shootingstars aus Polen auf die Bühne. Preisgekrönt ist das Debütalbum der jungen Pianistin, die bei den Jazztagen am 12. März von 20 Uhr an gemeinsam mit dem Drummer Piotr Budniak und dem Bassisten Andrzej Swies auftritt. Karten kosten im Vorverkauf 16, an der Abendkasse 19 Euro.

Jazz- und Funknacht
Eine der Großveranstaltungen ist die Jazz- und Funknacht am Samstag, 14. März, die um 20 Uhr bei Gourmet Berner, Bruckwiesenstraße 1 in Großheppach, beginnt. Das Kulturamt der Stadt hat hierfür den französischen Pianisten und Sänger Béranger Gras und den australischen Schlagzeuger Todd James engagiert sowie die sechsköpfige deutsch-amerikanische Band Spirit of Soul. Während Béranger eigene Soundexperimente präsentiert, führt Spirit of Soul die Besucher durch die Geschichte der Musik. Karten für das Doppelkonzert gibt es im Vorverkauf und an der Abendkasse für 24, ermäßigt 22 Euro.

Nachwuchs
Die Bigband des Remstalgymnasiums ist einmal mehr bei den Jazztagen dabei. Die Schüler spielen am Sonntag, 15. März, von 11 Uhr an in der Jahnhalle in Endersbach. Zu einem Familienkonzert lädt die Musikschule Unteres Remstal für Sonntag, 22. März, ein. Bei dem Jazz-Meeting beweist der regionale Nachwuchs sein Können, aber auch die Jak-Band sowie das Musikschullehrer-Ensemble The Teachers. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

Literatur
Ein interessanter Abend aus Jazz und Literatur verspricht der Auftritt von Norbert Rentsch und Andreas Nickl zu werden. Die beiden Musiker wandeln am Montag, 16. März, an Saxofon und Piano auf den Spuren des österreichischen Dichters Ernst Jandl, der als Jazzfan seine Lyrik zu Lebzeiten selbst gerne mit Jazz verbunden hat. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr in der Alten Kelter in Strümpfelbach. Tickets kosten 18 Euro, ermäßigt 16.

Film
Das Kommunale Kino huldigt im Stiftshof Beutelsbach mit dem Film „It Must Schwing!“ dem legendären Jazz-Label Blue Note Records, das sich um die Förderung afro-amerikanischer Musiker in den USA verdient gemacht hat. Die Vorstellung startet um 20 Uhr. Eintritt: 5 Euro. Danach können im Jak-Keller nebenan alte Blue-Note-Raritäten angehört werden.

Programm
Das gesamte Programm ist im Internet unter www.weinstadt-jazztage.de zu finden. Zudem gibt es auf den Seiten Hörproben der auftretenden Musiker sowie Informationen zu Vorverkaufsstellen.




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