Krimikolumne

James Lee Burke: „Glut und Asche“ Der alte Mann legt noch eins drauf

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James Lee Burkes „Regengötter“ haben vergangenes Jahr in der einschlägigen Szene Furore gemacht. Und mit „Glut und Asche“, dem zweiten Hackberry-Holland-Roman, legt der große alte Autor sogar noch eins drauf.

Der Romanheld Sheriff Hackberry Holland liebt Pferde – seinem geistigen Vater  James Lee Burke geht es ganz offensichtlich genauso. Foto: Parker McDavid
Der Romanheld Sheriff Hackberry Holland liebt Pferde – seinem geistigen Vater James Lee Burke geht es ganz offensichtlich genauso. Foto: Parker McDavid

Stuttgart - Jim Thompson, Bruce Holbert, Newton Thornburg – sie alle haben ihre treuen Anhänger, sie alle beackern oder beackerten das steinige, heiße Feld des Westerns, sie alle widmen ihre Epen dem kernigen Menschenschlag im Grenzland zu Mexiko. Aber sie alle verblassen, wenn James Lee Burke ins Spiel kommt. Keiner der drei hat die erzählerische Kraft des Mannes aus Louisiana, keiner treibt eine Geschichte so zielstrebig nach vorn.

Hat der 1936 geborene Meister im vergangenen Jahr mit „Regengötter“ ein preisgekröntes zweites Debüt auf dem deutschen Markt gegeben, so legt er jetzt mit der Fortsetzung „Glut und Asche“ noch mal eins drauf. Einen 700-Seiten-Wälzer ohne Längen, ohne Schwulst, dafür mit einem Personal voller Abgründe und einer Handlung voller Überraschungen.

„Glut und Asche“, das ist ein Wiedersehen mit Sheriff Hackberry Holland, einem alten Mann mit übler Vergangenheit, mit seinem weiblichen Deputy Pam Tibbs, die ihn anhimmelt und gegenüber Kriminellen zu Gewaltausbrüchen neigt, und mit Jack Collins, dem psychopathischen Preacher, der vergeblich gegenüber Holland damit wirbt, dass er doch auch gute Seiten habe. Hinzu kommen eine Menge Leicht- bis Schwerstkrimineller, die sich in einer Gegend herumtreiben, in der die Männer an Hals und Handgelenken zugeknöpfte Baumwollhemden tragen, damit die Hitze nicht eindringt.

Holland, der frühere Kriegsgefangene, muss also wieder an vielen Fronten kämpfen. Die harmloseste ist die, dass er seinen Kolleginnen Pam und Maydeen ihre Fäkalsprache nicht abgewöhnen kann – Momente der Hilflosigkeit, die dem Buch eine beträchtliche Portion Humor verschaffen. Weniger lustig ist Hollands Krieg gegen korrupte Politiker und gnadenlose Berufsverbrecher unterschiedlicher Hierarchiestufen – und ganz besonders natürlich das erneute Aufeinanderprallen mit dem Maschinenpistolen-Preacher („obwohl er zwischen zwei Buchdeckel eingesperrt ist, macht er mir eine Heidenangst“, schreibt Burke über diese Figur im Nachwort zur deutschen Ausgabe).

Kurz gesagt: diesen ganz speziellen Southern Accent, diese literarische Wucht haben nur ganz, ganz wenige in diesem Geschäft. Wer einen Stetson aufhabe, ziehe ihn vor diesem großen alten Mann.

James Lee Burke: „Glut und Asche“ (Originaltitel: Feast Day of Fools). Aus dem Englischen von Daniel Müller. Heyne Hardcore, München. Klappenbroschur, 704 Seiten, € 17,99. Auch als E-Book, 13,99 Euro, und als Hörbuch, 19,99 Euro.