Krimikolumne

James Lee Burke: „Sturm über New Orleans“ Der zornige alte Mann

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Die einschlägige Krimigemeinde jubelt: James Lee Burke kommt zurück auf den deutschen Markt. In seinem Dave-Robicheaux-Krimi „Sturm über New Orleans“ setzt sich der Großmeister mit den Folgen des Hurrikanes Katrina auseinander.

Katrina hat vor knapp zehn Jahren große Teile von  New Orleans zu  einem Friedhof gemacht. Foto: dpa
Katrina hat vor knapp zehn Jahren große Teile von New Orleans zu einem Friedhof gemacht. Foto: dpa

Stuttgart - Erst Heyne, jetzt Pendragon: die längst überfällige, hochbejubelte James-Lee-Burke-Renaissance in Deutschland geht weiter. „Sturm über New Orleans“ heißt der Roman, den der amerikanische Autor 2007 veröffentlicht hat, um „eine nationale Schande“ (Burke) der Vereinigten Staaten literarisch zu verarbeiten.

Es geht um die Folgen des Hurrikans Katrina am 29. August 2005, es geht „um das größte Versagen einer Regierung, den denkbar größten Verrat an der eigenen Bevölkerung“. Schlimm genug, dass Katrina mit Orkangewalt und Wassermassen die 340 000-Einwohner-Stadt heimgesucht hat, schlimm genug, dass es vor allem sozial Schwache traf – noch schlimmer war, dass die US-Regierung unter George W. Bush die Katastrophe zumindest anfangs nur mit mildem Desinteresse zur Kenntnis genommen hat. Böse ausgedrückt: ging ja bloß um Schwarze.

Starke Frauen, miese Verbrecher

Vor diesem Hintergrund siedelt zornige alte Mann seinen Dave-Robicheaux-Krimi an. Zwischen Hochwasser und Elend, zwischen Leichen und Fäulnis sucht der Sheriff nach den Vergewaltigern eines Mädchens, nach einem verschwundenen, drogensüchtigen Priester und nach einem Mörder, der mit monströser Effizienz an sein Blutwerk geht. Das Personaltableau ist ähnlich aufgestellt wie in Burkes „Regengötter“: der Held mit den vielen Narben auf der Seele, die starken Fraufiguren, die miesen Berufsverbrecher. Und genauso drastisch sind die Schilderungen, die Burke seinen Lesern zumutet. Doch er tut das – ein Kriterium für Autoren, die etwas Relevantes zu sagen haben – nicht als Selbstzweck, sondern weil die Gewalt zwingend in das Gesamtbild seines Romanes gehört.

Natürlich sind es Kunstfiguren, die oft mit einem gewissen Gottvertrauen ihr Schicksal annehmen, das möglicherweise weniger realistisch ist. Aber Burke begegnet den meisten von ihnen mit Respekt; sogar dem Vergewaltiger, dem er seine tätige Reue zugesteht und dessen Biografie er ohne Sentimentalität mit dem Verbrecherdasein in Zusammenhang bringt.

Burke gibt die Hoffnung nicht auf

James Lee Burke ist ein Konservativer, ein Konservativer im besten Sinne. Die altmodische Rechtschaffenheit steht im Zentrum seines Denkens – ganz im Gegensatz zur Gier, zum Egoismus und zum Rassismus der sogenannten Konservativen, die er in seinem Buch mit heißem Herzen angeht. Und bei aller Wut: er hat die Hoffnung nicht aufgegeben. Am Ende, nach einem atemberaubenden Showdown, lässt er die Gerechtigkeit siegen.

Fortsetzungen, sagt der Pendragon-Verlag, werden folgen. Hallelujah!

James Lee Burke: „Sturm über New Orleans“. Aus dem Englischen von Georg Schmidt. Pendragon, Bielefeld 2015. 576 Seiten, 17,99 Euro.