Jan Garbarek in Stuttgart Reise durch den Jazz und durch die Welt

Jan Garbarek mit seiner Band im Theaterhaus Foto: Martin Kemeter

Die Jan Garbarek Group hat bei den 35. Theaterhaus Jazztagen in Stuttgart das Publikum begeistert. Der Norweger zeigt seine tiefen Wurzeln im Jazz – und seine Vorliebe für Weltmusik.

Jan Garbarek hat die Schwermut Norwegens in den Jazz gebracht, hat mit seinem Instrument die Stille erkundet, hat sich mit alter Musik, gregorianischen Gesängen beschäftigt. Am Sonntag, dem zweiten Abend der 35. Theaterhaus Jazztage, zeigt er mit seiner Jan Garbarek Group auch, wie tief er im Jazz verwurzelt ist, und gibt ein Konzert, das von der Klangmalerei über die Ballade bis zum rhythmisch ausgefeilten Zusammenspiel alle Register durchquert.

 

Perkussionist Trilok Gurtu ruft den Dschungel herbei

Noch ehe die Musik beginnt, ist der Theaterhauschef Werner Schretzmeier auf der Bühne und erinnert daran, wie lange der norwegische Star die Jazztage schon begleitet, erinnert an Auftritte Garbareks in der Schorndorfer Manufaktur vor Jahrzehnten, und er erinnert an seinen langjährigen Begleiter, den Esslinger Bassisten Eberhard Weber, der sich 2007 aus der Öffentlichkeit zurückzog.

Auch mit dem indischen Schlagzeuger und Perkussionisten Trilok Gurtu stand Jan Garbarek schon auf der Stuttgarter Bühne, zum Beispiel bei den Jazztagen des Jahres 2018. Gurtus Sound ist wieder eine der Säulen, auf denen der Abend ruht. Er spielt ein kleines Drumset, ausgestattet mit einer Anzahl an Becken; um es herum eine Batterie aus Percussion-Instrumenten. Er steigt mit weit gestreuten, effektvollen Schlägen in die Musik der Garbarek Group ein.

Jan Garbarek mit Band Foto: Martin Kemeter

Später wird Trilok Gurtu die Tablas spielen und dazu singen; er wird sein ganzes Repertoire an Klangerzeugern vorstellen, mit Holzrasseln einen Dschungel herbeirufen, in den er Vogelrufe setzt, und einen Gong anschlagen, den er ins Wasser taucht. Für den größeren Teil des Konzertes jedoch ist die Cajón sein Instrument, die schlichte Kistentrommel, der er einen Fluss lebhafter, stets neu betonter Rhythmen entlockt und mit der er sich lange ins Zusammenspiel mit den anderen Mitgliedern der Band vertieft.

Yuri Daniel spielt dazu einen kühlen, harten, pluckernden E-Bass und früh schon ein Solo, steigert sich hinein ins schnelle perkussive Spiel. Rainer Brüninghaus dann stellt als Solist erst die klassischen Einflüsse aus, die er mitunter in die Musik der Band einbringt, arbeitet sich von dort staunenswert vor zum Boogie, lässt alles in mächtigen Clustern enden – „Metamorphosen“ hat der Pianist diesen Ausflug genannt.

Melodien weit aus dem Osten wehen herüber

Und gleich ist Brüninghaus derjenige, der nur eine weite, dunkle Klangfläche auslegt, über die Jan Garbarek mit schwebendem, weichem Ton die Ballade des Abends spielt, melodisch, fast schon ein Popsong, der sich langsam in ein impressionistisches Gewebe auflöst.

Jan Garbarek taucht auch, gemeinsam mit Trilok Gurtu, kurz und energisch ein in den Free Jazz, lässt sein Saxofon aufschreien. Immer wieder kommt aber die große Vorliebe des Bandleaders für die Weltmusik ins Spiel. Er greift zur Flöte, und Trilok Gurtu antwortet ihm, Melodien tauchen auf, die weit aus dem Osten herüberzuwehen scheinen.

„Brother Wind March“ von 1992 war das erste Stück dieses Abends in Stuttgart – mit „Pygme Lullaby“ wird Jan Garbarek, 78 Jahre alt seit März, sein Publikum nach zwei vollen Stunden unter großem Applaus verabschieden.

Weitere Themen