Jan Staubach aus Leonberg In zwei Stunden am Meer, in vier in der Wüste

Der  Naturliebhaber und Forstwirt Jan Staubach aus Leonberg ist am liebsten draußen. Die  georgischen Landschaften faszinieren ihn besonders. Foto: privat
Der Naturliebhaber und Forstwirt Jan Staubach aus Leonberg ist am liebsten draußen. Die georgischen Landschaften faszinieren ihn besonders. Foto: privat

Der Forstwirt und B.B.Q.-Drummer Jan Staubach begleitet ein Projekt für Wirtschaftsförderung und Entwicklungshilfe im georgischen Tiflis.

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Leonberg - Was treibt einen Schwaben in den Kaukasus? Die vielseitige Landschaft, das gute Essen, die freundlichen Menschen? Wohl von allem etwas, zumindest, soweit es Jan Staubach betrifft, und dazu eine spannende Aufgabe. Der gebürtige Leonberger lebt seit rund einem Jahr in der georgischen Hauptstadt Tiflis und hat diese Entscheidung noch keinen Tag bereut.

Dabei war es ein Zufall, der ihn nach Georgien verschlagen hat: „Ich habe in Freiburg, Dresden und Finnland Forstwirtschaft studiert“, erzählt Jan Staubach, „und dafür ein Praktikum bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gemacht.“ Die GIZ begleitet weltweit Projekte für Wirtschaftsförderung und Entwicklungshilfe. Dabei richtet sie ihre Arbeit am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung aus und berücksichtigt politische, wirtschaftliche, soziale und ökologische Aspekte.

„Ich wusste sofort, das will ich machen“

Während des Praktikums hat eine Stellenausschreibung der GIZ den 30-Jährigen elektrisiert: „Inventurverfahren für Wälder entwickeln und umsetzen – ich wusste sofort, das will ich machen“, sagt der Naturliebhaber begeistert, der schon in der Kindheit lieber draußen als drinnen war. „Ich wollte nicht den Rest meines Lebens im Büro sitzen“, erzählt Jan Staubach, „deshalb habe ich mich auch für die Forstwirtschaft entschieden, denn die bietet viele Möglichkeiten, drinnen, draußen oder im Mix zu arbeiten.“

Foto: pr
In Georgien ist er zu rund 70 Prozent am Schreibtisch, den Rest verbringt er in den Wäldern. Dort kategorisiert er mit den Kollegen die Baumarten, registriert Landschaftsmerkmale und Wasserstellen oder prüft die Notwendigkeiten von Schutzgebieten. Davor liegt meist ein mehrstündiger Fußmarsch dahin, wo gearbeitet werden soll. Im Büro werden die aufgenommenen Daten ausgewertet und Strategien für die nachhaltige Pflege des Waldes entwickelt. „Aber die Arbeit in einem georgischen Büro unterscheidet sich schon ziemlich von dem, was ich aus Deutschland kenne“, sagt Staubach und lacht, „es ist dort viel turbulenter. Da wird für eine Antwort auch mal quer durchs Büro gebrüllt und lautstark diskutiert, es geht einfach lebhafter zu. Damit muss man klarkommen.“ Auf Georgisch, auf Deutsch und auf Englisch.

Georgien gilt, so erzählt er, bei der GIZ als Jackpot der Länder. „Es ist ein wunderschönes, vielseitiges Land mit unglaublich freundlichen Menschen“, schwärmt Jan Staubach, „in zwei Stunden sind wir am Meer, in vier in der Halbwüste oder in den Bergen.“ Außerdem – wer hätte das gedacht – gilt Georgien als das Land mit der ältesten Weinkultur, und die Erfindung des Schaschliks wird ebenfalls dem lebendigen Land am Kaukasus zugeschrieben.

Ähnliche Kultur macht den Einstieg leicht

Dabei ist Georgien ein sicheres Land, es gibt keinen Terrorismus, keine Naturkatastrophen, keine Tropenkrankheiten. „Die Kultur ist nicht so verschieden von unserer, es ist also ein leichter Einstieg in die Auslandsarbeit“, findet der Leonberger, „und man ist schnell zu Hause.“ Ungefähr dreieinhalb Stunden dauert ein Direktflug ab München. Das heißt, auch Gäste sind schnell in Tiflis. Zum Glück hat die Wohnung von Jan Staubach und seiner Partnerin Tatjana, die mit ihm nach Tiflis gekommen ist und heute als Lehrerin an der dortigen internationalen Schule arbeitet, ein Gästezimmer. Denn genau betrachtet, geben sich die Gäste in Tiflis die Klinke in die Hand: „Oft bringen wir unseren Besuch zur Abreise zum Flughafen und nehmen die neuen Gäste gleich wieder mit“, sagt der Forstwirt.

In Leonberg konnte man den Wahl-Georgier auf Zeit bei der 40. Geburtstagsfeier des Leo-Centers live erleben, nämlich am Schlagzeug der Jazzformation B.B.Q., dem Benjamin-Brodbeck-Quartett. Zwischenzeitlich ein Trio, besteht die Gruppe seit etlichen Jahren in der heutigen Form mit Namensgeber Benjamin Brodbeck am Piano, Martin Schmidt am Bass und Jan Staubach an den Drums.

Kontakt via Datenautobahn

Es stellt sich die Frage, wie das Trio angesichts der Entfernungen für den Auftritt im Heimatstädtle geprobt hat. Doch die drei sind den Kontakt via Datenautobahn inzwischen gewohnt: „Wir sind alle viel unterwegs und bereiten uns deshalb individuell vor. Während des Fluges nach Leonberg habe ich die Zeit genutzt und alte Probeaufnahmen angehört, und wir skypen, um uns vorzubereiten“, das sehen die Vollblutmusiker gelassen. Schließlich musizieren sie schon seit elf Jahren miteinander und kennen sich gut.

Für alle drei ist die Musik und B.B.Q. „ein großes, wichtiges Hobby“, so Jan Staubach, das sie auch nicht aufgeben wollen, zumal sie sich musikalisch auf hohem Niveau bewegen und sich einen ausgesprochen guten Ruf erarbeitet haben. „Viele Auftritte schaffen wir zwar nicht mehr, aber so rund ein halbes Dutzend pro Jahr kriegen wir schon hin“, erzählt der Drummer. Und die genießen sie in vollen Zügen, diese Auftritte sind ihnen kostbar. „Lieber weniger Auftritte, da aber mit ganzem Herzen dabei, das ist doch mehr wert als viele kleine Gigs“, findet Jan Staubach.

Noch bis November in diesem Jahr läuft sein Projekt in Georgien, und Jan Staubach hofft, dass es ein nächstes geben wird. Bis dahin lernen er und Tatjana eifrig Georgisch, einkaufen gehen können sie schon.




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