Janna Hufnagel aus Filderstadt Diese Hebamme setzt auf Hausgeburten

Hausgeburten machen nur einen winzigen Anteil aus in Deutschland. Foto: dpa/Sina Schuldt

Der 5. Mai ist Welttag der Hebammen. Ein Beruf, der als aufreibend und schlecht bezahlt gilt. Die 26-jährige Janna Hufnagel aus Filderstadt erzählt, warum es trotzdem ihr Traumjob ist und dass sie davon gar nicht so schlecht lebt.

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Wird eine Frau schwanger, macht sie sich auf die Suche nach einer Hebamme, einer Geburtshelferin. Doch in den meisten Fällen ist die Hebamme das gar nicht, sondern sie bleibt im entscheidenden Moment außen vor. Viele selbstständige Hebammen bereiten die Frauen auf die Geburt vor, übernehmen dann aber erst wieder, wenn das Baby auf der Welt ist und sich die Frau im Wochenbett erholt. Die Geburt machen andere, im Krankenhaus. „Das wollte ich für mich nicht“, sagt Janna Hufnagel. Deshalb hat sie sich entschieden, nur noch Hausgeburten anzunehmen.

 

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Janna Hufnagel erzählt das an ihrem eigenen Geburtstag, sie wurde zwei Tage vor dem Welthebammentag 26 Jahre alt. Sie wurde in der Filderklinik in Bonlanden geboren, nicht zu Hause. Doch mit ihrer eigenen Geburt hat es auch gar nichts zu tun, dass sie aktuell nur noch Frauen bei einer Hausgeburt begleitet. Erstens will sie eben auf dem ganzen Weg dabei sein, zweitens steige die Nachfrage nach Hausgeburten. Im vergangenen Jahr hat Janna Hufnagel 78 Babys zu Hause auf die Welt geholt. Anfragen kommen weit mehr. „Ich bin mehr als ausgelastet.“

So viel verdient die Hebamme pro Geburt

Und dabei komme durchaus etwas herum. „Ich als Hausgeburtshebamme verdiene schon nicht schlecht“, sagt sie. Pro Geburt bekomme sie 800 bis 900 Euro. Natürlich sei sie eine junge Hebamme, knapp 80 Hausgeburten im Jahr schaffen nicht alle. Am vergangenen Wochenende habe sie von Freitag bis Montag vier Geburten gehabt und nur vier Stunden geschlafen, das sei schon aufreibend, aber sie ist gern Hebamme.

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Zur Einordnung: Hausgeburten sind in Deutschland eher die Ausnahme als die Regel. Ihr Anteil beträgt derzeit keine zwei Prozent. Aber Janna Hufnagel sagt, sie beobachte, dass sich immer mehr Frauen eine Hausgeburt vorstellen könnten. Es habe sich wohl so langsam herumgesprochen, dass es auf den Geburtsstationen in den Kliniken personell teils eng und damit auch entsprechend hektisch zugehe.

Keine Geburtsmedizin, sondern Geburtshilfe

„So kann es nicht weitergehen“, sagt Jutta Eichenauer, erste Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg, anlässlich des internationalen Hebammentags. „Hebammen arbeiten seit Jahrzehnten am Limit – mit gravierender Sogwirkung, denn je härter der Beruf wahrgenommen wird, desto weniger sind bereit, sich darauf einzulassen. Die Folge ist eine weitere Verschärfung der Arbeitssituation. Eine berufliche Abwärtsspirale.“

In ihrer Ausbildung hat Janna Hufnagel einen Einblick in den Klinikalltag erhalten und für sich entschieden: „medikamentisierte Geburten“ will sie nicht machen, keine Geburtsmedizin, sondern Geburtshilfe. Also ging sie gleich in die Freiberuflichkeit und startete ihr eigenes Ding. Wobei sie betont: Die Basis für jede Hausgeburt sei, dass medizinisch alles in Ordnung sein müsse.

Hebammen wünschen sich Work-Life-Balance

Sie hat auch bei den jungen Hebammen in ihrem Ausbildungskurs bemerkt, dass sie sich eine andere Work-Life-Balance wünschen, dass sie sich eine Eins-zu-eins-Betreuung wünschen, Ruhe und Geborgenheit. Die Homepage von Janna Hufnagel hat einen leicht anthroposophischen Anstrich. Sie war weder auf der Waldorfschule, noch sei sie Anthroposophin, sagt sie. Aber sie habe einen „alternativen Stil“, fahre eine „alternative Schiene“.

2023 will die Filderstädterin gemeinsam mit anderen freiberuflichen Hebammen ein Geburtshaus im Aichtal eröffnen. Die Bedingungen sind dieselben wie bei einer Geburt zu Hause. Doch manche würden einfach lieber außerhalb gebären wollen, etwa weil die Räumlichkeiten daheim nicht passen für eine Geburt. Und auf ihre Leidenschaft wird sie trotz Geburtshaus nicht verzichten: Babys zu Hause auf die Welt helfen.

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