Der Januar war ein Wintermonat, wie man ihn von früher kennt. Es gabt tatsächlich Kälte und Schnee. Und dazu noch reichlich Sonne.

Da schau her! Das gibt es also auch noch: Erstaunte Kinder fragten neulich ihre Eltern, was denn das für ein weißes Zeugs sei, das da plötzlich an einem Sonntagnachmittag Ende Januar vom Himmel fiel. Und da sich das Spektakel ein Weilchen hielt, suchten am selben Abend Menschen mit Kehrwoche verzweifelt nach der Schneeschippe, die nach ihrer Erinnerung doch noch irgendwo sein musste. Am nächsten Morgen ging dann nach einem Blick auf die Straße und dem Rückzug ins Homeoffice die Fahndung nach dem uralten Holzschlitten los, damit man den Kids nach der Schule ein nahezu unbekanntes Vergnügen bieten konnte. Beim Stöbern im Keller fiel aber dann doch dem einen oder anderen ein, dass man die Rodel doch schon vor Jahren auf dem Flohmarkt verscherbelt hatte.

 

Es ist schon so – der Winter gilt in Stuttgart als Auslaufmodell, das allenfalls noch ein paar Stunden Nassschnee produziert, der schneller wieder weg ist, als man die Kinder umgezogen hat. Auch dieses Jahr war es nur sehr kurz weiß, aber immerhin wurden am 26. Januar an der Messstelle des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Schnarrenberg in Stuttgarts Norden zehn Zentimeter Schneehöhe gemessen. Für Stuttgarter Verhältnisse in Zeiten des Klimawandels eine fast schon alpine Höhe, die man seit Jahren nicht mehr erreicht hat. Und die für ein paar Abfahrten an der Solitude und den alten Stuttgarter Rodelstrecken wie die „Heslacher Wand“ oder dem „Schlangenbiggele“ reichte. Auch Stuttgarts längste Rodelstrecke von der Doggenburg ins Feuerbacher Tal wäre zumindest kurz möglich gewesen. Ob sich jemand getraut hat, ist allerdings nicht dokumentiert. Auf der Panzerstraße von der Rohrer Höhe hinunter ins Vaihinger Rosental war allerdings Betrieb.

Der Januar war etwas zu kalt

Aber auch ohne eine lang anhaltende Schneedecke und nur vier von 31 Tagen, an denen um 7 Uhr am Schnarrenberg eine statistisch verwertbare Schneehöhe von mindestens einem Zentimeter gemessen wurde, zeigte sich der Januar ziemlich winterlich. Das lag vor allen an der Kälte. „Mit einer Mitteltemperatur von 1,3 Grad war der Januar 0,8 zu kühl“, sagt der DWD-Meteorologe Andreas Pfaffenzeller. An immerhin 23 Tagen fiel das Thermometer unter den Gefrierpunkt, an zwei davon kam es auch den ganzen Tag nicht darüber hinaus, was man dann einen Eistag nennt. Zum letzten Mal war übrigens im Jahr 2021 ein Januar kälter als der zwischen 1991 und 2020 ermittelte Durchschnittswert von 2,1 Grad.

Für einen richtigen knackigen Wintermonat muss man aber noch weiter zurückgehen. Der Januar 2017 war mit einer Durchschnittstemperatur von minus zwei Grad der kälteste seit 1987. 2017 fuhren im Stuttgarter Hafen Eisbrecher auf dem Neckar, und die Ordnungskräfte hatten alle Hände voll damit zu tun, die Bürgerschaft von den zugefrorenen Seen zu scheuchen. Bekanntlich darf man in Stuttgart ja nicht aufs Eis, auch wenn es einen halben Meter dick ist. Auf den Pfaffenseen spielten damals übrigens amtierende Stuttgarter Bürgermeister trotzdem mit großer Hingabe Eishockey. Aber das ist ein anderes Thema.

Zu wenig Regen oder Schnee gefallen

Für dickes Eis hat es jetzt im Januar nicht gereicht, aber zumindest für einen Wintermonat, der diesen Namen verdient und der zudem mit 101,5 Sonnenstunden knapp 150 Prozent des normalen Lichtausbeute erreichte. Mehr Sonne wurde in Stuttgart seit Beginn der DWD-Aufzeichnungen 1951 nur drei Mal registriert. Negativ war indes die relative Trockenheit. „29 Liter Niederschlag pro Quadratmeter sind nur etwa zwei Drittel dessen, was im Durchschnitt gemessen wird“, sagt Pfaffenzeller.

Bleibt die Frage – dreht der Februar, der meteorologisch finale Wintermonat, noch einmal in Sachen weiße Pracht auf oder nicht? Laut Prognosen zumindest in Stuttgart nicht. Es wird zwar in den kommenden Tagen immer mal wieder leichten Niederschlag geben, der aber in der Stadt wohl nur als Regen fallen wird.

Anders sind die Vorhersagen für die Schwäbische Alb und den Schwarzwald. Da oben könnte ab und an ein wenig Neuschnee liegen bleiben. Fans der Rodelpisten „Heslacher Wand“ oder des „Todeswegle“ nutzt das zwar nichts, aber dafür kann man die Kehrwoche dann wieder mit dem Besen machen.