Januarwetter in Stuttgart Ein Hauch von Winter in der Stadt

Am 15. Januar wurde die Region Stuttgart von Blitzeis überrascht. Da lautete die Devise: Kräftig streuen! Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Schnee hat es im Januar in Stuttgart keinen gegeben, aber immerhin 18 Tage mit Frost und ein wenig Reif. Aber was noch nicht war, kann schon diese Woche etwas werden.

„Das ist aber eine große Schaufel“, sagt das Kindergartenkind und deutet in einer Stuttgarter Garage auf ein unterarmbreites verrostetes Stück Metall mit einem Stil in der Mitte. „Das ist keine Schaufel, sondern eine Schneeschippe“, erklärt der Opa mit wehmütiger Stimme und blickt in fragende Kinderaugen. Also erklärt er, dass man in der Landeshauptstadt früher Schnee von den Gehwegen räumen musste und im Januar auf Strecken mit Namen wie „Todeswegle“ oder „Heslacher Wand“ Schlitten gefahren sei. Die längste Stuttgarter Abfahrt ging dabei von der Doggenburg bis ins Feuerbacher Tal. Das waren noch Zeiten.

 

Vorbei die Zeit, als Handschuhe noch aus Wolle waren

So war das, als es noch Winter gab, die Holzschlitten Davos hießen, die Handschuhe aus Wolle waren und gleich hinter der Stadtgrenze in Musberg ein Skilift lief. Ab und zu zumindest. Allerdings, auch wenn man es kaum glaubt, gab es auch noch in Zeiten des Klimawandels Winter in the City. So ging zum Beispiel der Januar 2017 als der kälteste seit 30 Jahren in die Statistik ein. An 20 Tagen lag an der Messstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Schnarrenberg Schnee, und auf den Parkseen spielten amtierende Stuttgarter Bürgermeister trotz Betretungsverbots Eishockey. Und auch im Coronawinter 2021 wurde an 16 Tagen Schnee gemessen, an manchen Tagen selbst in der tiefsten City. Von der Rohrer Höhe aus schwangen sich Snowboarder hinunter ins Rosental. Aber man konnte ja auch nichts anderes machen, die nahen Skigebiete auf der Alb und am Alpenrand waren trotz reichlich Schnee im Lockdown. Und jetzt zur Gegenwart.

Wieder einmal ein ungewöhnlich milder Januar Foto: Yann Lange

„Im Januar 2025 wurde an der DWD-Station Schnarrenberg keine klimatologisch relevante Schneedecke registriert“, erklärt DWD-Meteorologe Andreas Pfaffenzeller. Was nicht heißt, dass es nicht mal für ein paar Stunden „angezuckert“ war. Klimatologisch relevant bedeutet aber, dass am Morgen um sieben Uhr eine Schneedecke von mindestens einem Zentimeter am Schnarrenberg gemessen werden muss. Dieses Szenario gab es nicht. Trotzdem war der zweite Wintermonat nicht so, dass man die Heizung ausschalten konnte. Natürlich war es statistisch wieder zu warm, die drei Grad im Durchschnitt liegen knapp ein Grad über dem Referenzwert von 1991 bis 2020 und sogar satte 2,5 Grad über dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990. „Aber es gab auch 18 Tage mit Frost. Das sind zwei mehr als im aktuellen Durchschnitt“, erklärt Andreas Pfaffenzeller. An drei Tagen kletterte das Thermometer überhaupt nicht über null Grad, und am 13. Januar sackte das Quecksilber auf minus 6,2 Grad ab. Da fehlte dann zwar noch ein knappes Grad, um Eiswein zu lesen, aber an den Klimawandel dachte auch kaum einer.

Ein milder und vor allem nasser Januar

Anfang Januar eher schon. Meist war es mild und vor allem nass. So eine Art verregneter Vorfrühling, der nur mal kurz durch einen Schwall Kaltluft vom Nordmeer unterbrochen wurde, der tatsächlich am 3. und 4. Januar ein bisschen Schneeregen brachte. Auf den Höhen blieb sogar kurz mal etwas liegen. Aber bevor der Kehrwöchner nach der Arbeit freudig erregt zur Schippe greifen konnte, war der Spuk auch schon wieder vorbei. Wie gesagt, in die Statistik hat es der Schnee im Januar nicht geschafft.

Dafür gab es aber ein paar schöne Wintertage mit blitzblauem Himmel, während das Land rund um Stuttgart nicht aus dem Nebel kam. Das Ganze garniert mit Nachtfrost und keinen unnatürlich warmen Tagen. So konnten tatsächlich ein paar Tage so was wie Wintergefühle aufkommen – wenn auch nur mit ein wenig Reif, der sich an schattigen Stellen sogar den ganzen Tag hielt.

Ob der Schnee wenigstens für einen kleinen Schneemann reicht?

Und da wäre noch der 15. Januar: Ungemütlich rutschig war es über Nacht geworden. Regen war gefallen und hatte sich auf dem gefrorenen Boden in gefürchtetes Blitzeis verwandelt. Die Folge: ungezählte Verkehrsunfälle und rappelvolle Notaufnahmen in den Krankenhäusern in Stuttgart und in der Region wegen gestürzter Passanten. Bleibt die Frage, ob es in den nächsten Wochen nicht doch noch ein wenig angenehm winterlich werden kann. Und siehe da – an diesem Donnerstag und Freitag könnte es tatsächlich immer mal wieder flöckeln in Stuttgart. „Möglicherweise sogar bis in die tiefen Lagen“, sagt Pfaffenzeller. Richtig viel wird es wohl nicht werden, aber für ein wenig Schippen, einen kleinen Schneemann und den Einzug in die Statistik als klimatologisch relevant könnte es tatsächlich reichen.

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