Jaus-Areal in Zuffenhausen Paradies für Kletterer

Von Bernd Zeyer 

Auf dem Areal der ehemaligen Großbäckerei Jaus soll im August eine der größten deutschen Kletteranlagen eröffnet werden.

Noch sieht es in den alten Hallen an der Stammheimer Straße ziemlich wüst aus. Foto: Zeyer
Noch sieht es in den alten Hallen an der Stammheimer Straße ziemlich wüst aus. Foto: Zeyer

Zuffenhausen - Auf dem Areal der ehemaligen Bäckerei Jaus an der Stammheimer Straße 41 wird es bald hoch hinaus gehen: Im August soll dort eine der größten Indoor-Kletteranlagen Deutschlands eröffnen. Betreiber ist die Firma Climbmax. „Die Kletterbranche boomt“, sagt Christian Benk. Der 30-jährige Doppelweltmeister im Buildering (Gebäudeklettern) wird zusammen mit seinen beiden Sportskameraden Timo Preußler und Maximilian Wörner sowie seinem Onkel Claus Benk Geschäftsführer der Anlage sein.

Bis zu 500 Kletterer sollen die Anlage gleichzeitig nutzen können

Noch sieht es auf dem 2600 Quadratmeter großen Gelände aus wie nach einem Bombenangriff. Von den Gebäuden stehen fast nur noch die Fassaden, Schuttberge und verrostete Eisenteile liegen herum. Arbeiter und Baumaschinen sind an allen Ecken zu Gange. Zwei ehemalige Bäckereigebäude werden komplett umgebaut. In eines zieht eine Kletterhalle, das andere wird in den unteren Stockwerken Sanitär- und Umkleideräume sowie einen Klettershop als auch Seminarräume und ein Bistro beherbergen. Für die beiden oberen Etagen sind Büros geplant, die an Firmen vermietet werden sollen. Ergänzt wird die Anlage durch einen Neubau mit 900 Quadratmetern Grundfläche. „Dort wird es eine der weltweit größten Boulderhallen geben“, sagt Christian Benk. Beim Bouldern handelt es sich um eine spezielle Kletterart ohne Seil und Gurt, die nur in geringer Höhe betrieben wird. Abgerundet werden soll das Angebot durch eine Yoga-Lounge und eine CrossFit-Box. CrossFit ist ein Intensiv-Fitness-Training, das in den USA entstanden ist.

Bei Vollauslastung, so erläutert Christian Benk, können bis zu 500 Kletterer gleichzeitig den Komplex nutzen. „Stuttgart ist nach München die zweitgrößte Kletterstadt Deutschlands“, sagt der gelernte Baumpfleger. Er hofft, dass auch zahlreiche Kletterer aus den Nachbargemeinden und von weiter weg den Weg nach Zuffenhausen finden. Wo viele Kunden sind, braucht man natürlich auch genug Personal. Zirka 35 neue Arbeitsplätze sind vorgesehen, die meisten davon auf 400- und auf 800-Euro-Basis.

Probleme mit dem Bauantrag haben den Zeitplan verzögert

Eigentlich hätte die Anlage schon im September 2011 öffnen sollen. „Es gab aber Probleme mit dem Bauantrag“, erzählt Benk. Die Brandschutzauflagen seien sehr hoch. Zudem wäre das Projekt immer mehr gewachsen, die Investitionssumme sei nun beinahe doppelt so hoch wie ursprünglich geplant. Wie hoch, das möchte Benk nicht sagen. Das Gelände gehört nach wie vor Jaus, Climbmax hat es gepachtet. Die Verzögerung hat dazu geführt, dass einer bereits eingestellten Geschäftsführerin gekündigt werden musste. Da sie einen anderen Job gefunden hat, entschlossen sich die vier Firmengründer, die Geschäftsführung selbst zu übernehmen.

„Für das Projekt haben wir in ganz Deutschland nach einem Standort gesucht“, sagt Benk. Eigentlich habe man das Ruhrgebiet favorisiert, doch bei einer Standortanalyse hätte sich Zuffenhausen als idealer Standort herauskristallisiert. Pluspunkte seien die sehr gute Verkehrsanbindung, die Nähe zur Stuttgarter Innenstadt sowie die Tatsache, dass es viele große Firmen und damit zahlreiche potenzielle Kunden in der Umgebung gibt. Den vergangenes Jahr auf der Zuffenhäuser Schlotwiese eröffneten Waldklettergarten sieht Benk nicht als Konkurrenz, sondern eher als Ergänzung an.

3000 Quadratmeter Kletterfläche

An der Stammheimer Straße könnten von 2014 an auch internationale Wettkämpfe über die Bühne gehen. Allerdings, das betont Benk, sollen sich auf der insgesamt rund 3000 Quadratmeter großen Kletterfläche nicht nur Profis, sondern auch Anfänger zurecht finden. Dass er und seine Mitinvestoren ein Risiko eingehen, weiß der 30-Jährige. Aufgrund vieler Rückmeldungen aus der Klettergemeinde ist er aber sicher, dass das Projekt ein Erfolg wird. Er kann sich nichts Schöneres vorstellen, als sein Hobby zum Beruf zu machen und sich seinen eigenen Arbeitsplatz zu schaffen: „Mein größter Traum geht in Erfüllung.“

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