Jazz aus Nürtingen Die Chefin an den Drums lässt es swingen

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Iris Oettinger aus Nürtingen ist Jazz-Schlagzeugerin – eine Seltenheit in dieser Musiksparte. Und sie genießt einen exzellenten Ruf in der Szene. Die Bandleaderin tritt international auf, bei den Nürtinger Jazztagen hat sie am 10. Februar ein Heimspiel.

Iris Oettinger zuhause am Schlagzeug, das ihre Leidenschaft ist. Klavier spielt die Musikerin ab und zu auch. Foto: Ines Rudel
Iris Oettinger zuhause am Schlagzeug, das ihre Leidenschaft ist. Klavier spielt die Musikerin ab und zu auch. Foto: Ines Rudel

Nürtingen - Das Saxofon hat sie an den Nagel gehängt, Klavier spielt sie hin und wieder noch, doch ihre ganze Liebe gilt den Drums. „Ich bin angekommen“, sagt Iris Oettinger über das Instrument ihrer Wahl. Die Nürtingerin ist eine der wenigen Schlagzeugerinnen, die beim Jazz in eine nach wie vor von Männern dominierte Domäne vorgedrungen sind. Jetzt erst hat sie in Ascona gespielt, am 10. Februar wird die Bandleaderin mit ihrer Formation „Roaring Twenties Jazz Gang“ im Rahmen der Nürtinger Jazztage im Theater im Schlosskeller auftreten.

Schon im Kindergartenalter musikbegeistert gewesen

Wer Iris Oettinger zuhause besucht, den umfängt ein warmes, freundliches Ambiente in einer geschmackvoll eingerichteten Wohnung. Die Wände zieren Bilder, die Musikerin hat ein ausgeprägtes Faible für die Bildende Kunst. 18 Jahre lang hat Iris Oettinger in Trier gelebt und war dort eine feste Größe in der Musikszene. Die Europäische Kunstakademie in Trier war für sie als Vorsitzende des Fördervereins mehr als nur ein Auftrittsort.

Nach dem Tod ihres Mannes zog es Iris Oettinger zurück nach Nürtingen, wo sie eine Praxis für Homöopathie hat. Zu ihrer alten Heimat hatte sie immer einen starken Bezug. „Wir waren die wilden Kinder vom Galgenberg“, erinnert sie sich an ihre Kindheit. Der Wildfang war sportbegeistert, vor allem aber hatte es die Musik der kleinen Iris angetan: „Schon mit fünf oder sechs Jahren habe ich meine Eltern genervt, dass ich Musikunterricht bekomme.“ Und den bekam das Talent auch, zunächst in Nürtingen, später dann in Tübingen bei der bekannten Pianistin Maria Kalamkarian. Als Schülerin spielte sie neben Klavier auch Flöte, Geige und „Gitarre am Lagerfeuer“. Schließlich gab sie selbst Klavierunterricht und studierte Musikwissenschaft.

Zwei Frauen treiben drei Männer an

In Trier gründete sie ihr Swing Trio, heute steht die Musikerin unter anderem mit der Iris Oettinger Swing Band auf der Bühne. Zusammen mit „Mrs Ladybass“ Lindy Huppertsberg, Europas bekanntester Jazz-Bassistin, treibt die Schlagzeugerin und Bandchefin die drei Herren der Formation an: den niederländischen Klarinettisten und Saxofonisten Frank Roberscheuten, Helmut Dold (Trompete und Gesang) und den Pianisten Martin Giebel.

„Der Schlagzeuger bringt die Band zum Swingen. Man hat unheimlich Macht“, sagt Iris Oettinger. „Und wenn das Publikum dann mit den Füßen wippt, dann hat man alles richtig gemacht.“ Dass der Funke überspringt, liegt neben der technischen Perfektion und der überschäumenden Spielfreude auch am Repertoire, das vom traditionellen Hot Jazz über Swing bis hin zum Rhythm’n’Blues gepaart mit karibischem Feeling reicht.

In der Profiliga der Jazz-Schlagzeuger angekommen

Längst ist Iris Oettinger als Jazz-Schlagzeugerin in der Profiliga angekommen. Dan Barrett, einer der besten Posaunisten aus den USA, und der italienische Pianist Rosanno Sportiello, ebenfalls einer der besten seines Fachs, planen Auftritte mit Iris Oettinger. „Das ist schon ein schönes Gefühl“, sagt eine Frau, für die Musik ein Lebensinhalt ist und die auch über schwere Zeiten hinweghilft. „Ich habe die Begabung vom lieben Gott bekommen, und das will raus“, sagt Iris Oettinger, die ihren Spaß am Spiel an ihr Publikum weitergeben will. Bei ihrem Instrument will sie bleiben: „Das Schlagzeug ist meine Leidenschaft.“