Jazz-Club in Köngen Vielschichtige Klangbilder der Querflöte

Im historischen Gewölbe der Schlosskapelle entfachten Isabelle Bodenseh und ihre Band ein musikalisches Feuerwerk. Foto:  

In der Köngener Schlosskapelle verblüffte die Querflötistin Isabelle Bodenseh das Publikum mit der Vielfalt ihres Instruments. Auch Eigenkompositionen spielt die Band.

Köngen - Im letzten Konzert vor der Sommerpause servierte der Jazzclub Köngenseinen Fans mit „Jazz á la Flute“ nochmals einen besonderen musikalischen Leckerbissen. Nach dem Konzert in der Kapelle des Köngener Schlosses war Johannes C. Laxander, der Vorsitzende des Jazzclubs, begeistert: „Es ist fantastisch, welch breite Palette an interessanten Sounds man aus einer Querflöte zaubern kann“.

 

Für die Flötentöne sorgte mit Isabelle Bodenseh eine der führenden Flötistinnen der aktuellen Jazzszene. In einer gelungenen Mischung aus Eigenkompositionen, Swing, Latin- und Bluestiteln zündete Bodenseh mit ihrer Band ein brillantes Feuerwerk der Töne, das die Zuhörer vom ersten bis zum letzten Ton fesselte.

Blitzsaubere Fingertechnik

Mit „Jirinskisha“ von John Coltrane ging die Post bei dem Konzert im historischen Gewölbe gleich richtig ab: Bodenseh spielte ihre blitzsaubere Fingertechnik und nuancierte Ansatzkunst voll aus. Mit instinktivem Gespür für wechselnde Stimmungen entlockte sie ihrer Altquerflöte dunkle Töne und steuerte mit schillernden Flageoletts irisierendes Kolorit bei. Der Staffelstab ging weiter an den Gitarristen Lorenzo Petrocca. Der ist ein Meister auf den Saiten, stilistisch mit allen Wassern gewaschen und mit frappierenden manuellen Fähigkeiten ausgestattet. Er sorgte für das akkordische Gerüst und rhythmische Effekte.

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Doch erst als Petrocca zum Solo ansetzte, blühte er richtig auf: Ein ums andere Mal sorgten seine virtuosen, nobel gesetzten Tongirlanden für Zwischenapplaus des fachkundigen Publikums, das dem Jazz-Club seit Jahren die Treue hält. Nur noch selten ist die Hammond Orgel im Jazz zu hören. Wenn aber ein Meister wie Thomas Bauser an Tasten und Pedal sitzt, gibt das Instrument dem Sound eine ganz besondere Note. Mit sauberer Fingerarbeit streute Bauser brillante Kaskaden ein und gab - zusammen mit dem routinierten Drummer Lars Binder - dem Ganzen rhythmischen Halt.

Studium in Los Angeles

Eigentlich ist Isabelle Bodenseh eine ausgebildete Orchestermusikerin. Doch das hat sie nicht ausgefüllt. Bodenseh nahm Jazz- und Improvisationsunterricht und spielte in verschiedenen Bands. Richtig weiter gebracht hat sie jedoch ein Studium bei dem renommierten Jazzflötisten James Newton in Los Angeles. Zudem erhielt die Musikerin während eines Studienjahrs in Kuba prägende Impulse: Isabelle Bodenseh tauchte ein in die Stilistik und das Feeling lateinamerikanischer Klänge. Im Jahr 2016 gründete Bodenseh, die an der Frankfurter Musikhochschule Jazzflöte unterrichtet, die Band „Jazz á la Flute“, mit der sie ihre musikalischen Träume verwirklicht.

Die vielfältigen Erfahrungen ihres aufregenden Lebens fließen ein in Isabelle Bodensehs Spiel, sorgen für wechselnde Stimmungen, Esprit und kraftvolle Emotionen. Ob sie auf der Großen Flöte zu Beatboxing-Aktionen ansetzt, beim energiegeladenen Spiel mitsummt oder auf der Bassflöte mit geschmeidigem Ton in tiefste Klangregionen abtaucht - stets spürt man: Hier ist eine Musikerin am Werk die liebt, was sie tut.

Unbändige Musizierlust

Aus dieser Authentizität und einer unbändigen Musizierlust heraus entstanden in der Schlosskapelle vielschichtige Klangbilder, koloriert durch mannigfache Tonspiele: Von Flatterzunge bis Multiphonics, von stürmischen Tongewittern bis hin zu wunderbar weich gesungenen und mit feinem Vibrato veredelten Kantilenen. Nach zweieinhalb Stunden Musikgenuss mit Titeln wie „Sans moi“, „Chilli Challi“ oder „Sweet Girl“ wollten die begeisterten Zuhörer die Akteure nicht von der Bühne lassen.

Die geforderten Zugaben wurden gerne gegeben: Mit einer wunderschönen Ballade und den feinen Schattierungen eines Flöte-Gitarre-Duetts verabschiedete sich „Jazz á la Flute“ vom Köngener Publikum.

Spielarten auf der Querflöte

Flageolett
Bei dieser Art der Tonerzeugung wird die in jedem Ton mitschwingende Skala an Obertönen zu Klangeffekten genutzt. Bei der Querflöte geschieht dies durch das Überblasen eines Grundtones, über dem eine ganze Reihe in der Klangfarbe kolorierter Obertöne zum Klingen gebracht werden kann.

Multiphonics
Die Technik aus der Neuen Musik und dem Jazz verwendet eine Griff- und Anblastechnik, die das gleichzeitige Spielen von zwei oder mehreren Tönen ermöglicht. Dies geht durch eine Technik des Überblasens oder durch Griffkombinationen. Der Effekt durch das Mitsummen eines Tones verstärkt.

Beatboxing
Diese Technik der Klangerzeugung wird auch als Mouth Percussion bezeichnet. Zum gespielten Ton werden mit Mund, Nase und Rachen Geräusche erzeugt, die klingen wie Scratches oder andere Percussions-Rhythmen. So wird der Sound eines Schlagzeuges imitiert: Die Querflöte wird zur „Sound-Machine“.

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