Jazz Open in Stuttgart Jamie Cullums gigantische Bühnenshow
Jamie Cullum begeistert bei seinem achten Auftritt bei den Jazz Open das Publikum auf dem Schlossplatz. Der Regen sorgt dafür, dass der Musiker sein Programm ein wenig ändert.
Jamie Cullum begeistert bei seinem achten Auftritt bei den Jazz Open das Publikum auf dem Schlossplatz. Der Regen sorgt dafür, dass der Musiker sein Programm ein wenig ändert.
Was für ein großartiger Entertainer Jamie Cullum ist, hat er an diesem Samstagabend erneut gezeigt. Zum achten Mal tritt er bei den Jazz Open auf und stellt fest, dass es bei seinen Auftritten immer entweder heiß ist oder in Strömen gießt. Letzteres ist an diesem Abend der Fall. Das wäre in diesem Konzertsommer nicht mehr der Rede wert, aber an diesem Abend schon. Der Brite baut spontan „Singin‘ in the Rain“ in sein Programm ein und performt seine jazzige Version des Gene Kelly Klassikers. Cullum beweist, er ist ein vielseitiger Künstler, der virtuos am Piano ist, die Leute mitreißt und nach wie vor zwischen Jazz und Pop ganz selbstverständlich changiert.
Er freut sich sichtlich wieder in der Landeshauptstadt aufzutreten und das „Ich fühle mich hier wie Zuhause“, will man ihm gerne glauben. Von abwechslungsloser Routine ist bei der Show des 44-Jährigen nichts zu spüren. Stattdessen hat es auch dieser Auftritt wieder in sich. Cullums Songs sind das eine, seine Bühnenshow, für die der Musiker bekannt ist, ist das andere.
Er singt sich kreuz und quer durch sein musikalisches Repertoire und zeigt: Kaum ein Musiker vereint Jazz und Pop so gekonnt und ausgefallen, wie er es tut. Das, womit sich Publikum und Kritiker zu Beginn seiner Karriere schwergetan hatten, da dieses eindeutige Bekenntnis zu einer Richtung gefehlt hatte, ist heute sein Markenzeichen. Sowohl seine über zehn Millionen verkaufte Alben als auch die Reaktionen der Menschen bei seinen Konzerten scheinen ihm recht zu geben.
Auf dem Schlossplatz legt er wieder eine Improvisation auf dem Klavierdeckel ein, macht Scherze, „Wenn ihr sehen wollt, wie ihr altert, lasst euer Gesicht auf diese riesige Leinwand projizieren“, wechselt zwischen langsamen Stücken, wie „These are the Days“ und groovigen Songs, und – er mischt sich auch unters Publikum. Bei „Mankind“ steigt er von der Bühne, klettert über die Absperrung und singt zwischen seinen Fans. Spätestens jetzt sind ihm die Sympathien seiner 6700 anwesenden Zuhörerinnen und Zuhörer sicher. „Taller“ singt das gesamte Ensemble und Cullum setzt hier auf nur wenig instrumentale Unterstützung, Drums und Gitarre, und auch die halten sich bedeckt. Ein grandioser Bruch gelingt ihm anschließend mit „When I Get Famous“, der Song kommt mit einem regelrechten Knall, der die Bühne fast zum Bersten bringt. Cullum dreht nun endgültig auf, das Publikum tanzt und singt mit ihm mit. Und er ist der Dirigent des Ganzen: „Stuttgart, das war nur ein Warm-up. Ich zähle bis vier und alle tanzen mit.“ Tatsächlich, kaum hat er auf Deutsch gezählt, feiern alle im nun strömenden Regen ausgelassen mit.
Mit „You And Me Are Gone”, nähert sich die Show ihrem Ende, Cullum überlässt dem Klarinettisten die Bühne für ein Solo, mit dem Hinweis, er würde seinen Schnürsenkel schnell in Ordnung bringen, doch die ruhige Phase wird mit einem Aufschrei der Gitarren und Bässe nochmals gekippt und der Song kulminiert in einem von Lichtershow begleiteten Spektakel. Es ist vorbei. Fast.
Er geht nicht ohne Zugabe, setzt sich nochmal ans Piano und spielt ein jazziges Stück. Und es kommt die Ansage: „Stuttgart, es ist ein Ritual. Wir machen es doch jedes Mal so“. Alle sollen ihre Hände nach oben nehmen, klatschen und auf und ab springen. Alle machen mit, die Stimmung kocht erneut auf. Daraufhin setzt Cullum sich wieder ans Klavier und stimmt langsamere Stücke an. Das letzte Lied des Abends nach „Don’t Stop the Mucic“ ist „All at Sea“. Das hätte ihm das Publikum womöglich nicht verziehen, wenn er ohne „Don’t Stop the Mucic“ gegangen wäre. Er wiederholt, was er schon zu Beginn gesagt hatte: Es sei ihm eine Ehre gewesen in Stuttgart zu spielen und schließt den Klavierdeckel.
•I Get A Kick Out of You
•Get Your Way
•What I’d Say
•Work of Art
•These Are the Days
•Everybody Wants to Be a Cat
•Next Year Baby
•Love For Sale
•Mankind
•Singin’ in the Rain
•Twentysomething
•Taller
•When I Get Famous
•You And Me Are Gone
•Mixtape
•Don’t Stop the Music
•All at Sea