Diese Nacht vergisst Stuttgart so schnell nicht. Dank Kylie Minogue feiern Zaungäste auch draußen ein Fest. Die Pop-Queen bleibt bis Mitternacht im Schloss. Was die Fans sagen.
Ein Sommerabend voller Energie, Disco-Nostalgie und Glitzer: Kylie Minogue elektrisiert den Schlossplatz – und dies weit über die Absperrung hinaus. Die Veranstalter der Jazz Open sehen die Zaungäste ganz bewusst als Teil des großen Ganzen.
Das Konzert der australischen Pop-Queen war seit Monaten ausverkauft. Doch auch ohne Ticket feiern Hunderte draußen ein Fest. Picknickdecken haben sie mitgebracht, mitunter auch Hund und Kind. Flaschen kreisen, und manch einer ist überrascht, wie gut der Sound ist, die Musikanlage ist so brillant, dass die Klänge bis hoch zur Waranga-Bar klar und kraftvoll zu hören sind, manche sagen, sogar bis zum Killesberg.
Um 22.25 Uhr ist ein Mega-Konzert, das um 20.50 Uhr begonnen hat, schon wieder vorbei. Der Zapfenstreich, von der Stadt mit Rücksicht auf Anwohner verordnet, wird fünf Minuten vor der Zeit erreicht. In dieser Nacht der Euphorie hört man nichts als pure Begeisterung der Fans, wenn es Kritik gibt, dann höchstens daran, dass die große Show länger hätte gehen können und dass es den Auftakt auf der Schaukel wie in anderen Städten nicht gegeben hat. Auch wenn Kylie ihren ersten Hit „I should be so lucky“ von 1988 in Stuttgart gar nicht singt, fühlen sich Tausende – ob im Ehrenhof, auf der Tribüne oder auf dem Schlossplatz hinter dem Zaun – so lucky, lucky, lucky in love!
Die Grenzen zwischen draußen und drinnen verschwimmen
Die Jazz Open zeigen in dieser Nacht, die eher Open als Jazz ist, was Konzerte im Herzen der Stadt ausmachen können: Musik vereint – die Grenzen zwischen draußen und drinnen verschwimmen. Das Jazz-Open-Gefühl breitet sich aus weit über die Spielstätten hinaus. Für viele ist genau das der Reiz des Festivals: die Chance, Teil eines Weltklasse-Konzerts zu sein, auch wenn man kein Ticket ergattert oder zu wenig Geld dafür hat. Kylie Minogue bringt ein Stück Popgeschichte nach Stuttgart – rund um Kunstmuseum, Altem Schloss und Königstraße wird die City zum Stadtfest. Eine Nacht, wie geschaffen zum Sommer 2025: offen, friedlich, mit einem intensiven Gefühl des Miteinanders.
Schauspieler Mark Keller („Bergdoktor“) ist nur mit einem seiner beiden Söhne gekommen. Vor Kylies Auftritt spricht er auf der VIP-Tribüne mit Moderatorin Stefanie Anhalt, die berichten kann, dass sie die Sängerin bereits backstage getroffen hat – schon am Nachmittag ist sie auf dem Schlossplatz eingetroffen. War wohl eine herzliche Begegnung. Die Worte, mit denen die Radiofrau den Superstar auf der Bühne begrüßen werde, habe sie nicht absprechen müssen.
Was für ein Zufall!
Im absoluten Glück ist auch Marco Mangold, der Geschäftsführer des traditionellen Modehauses Koelbe & Brunotte, der es versäumt hatte, sich rechtzeitig eine Karte für Kylie zu kaufen. Als er es tun wollte, gab es keine mehr. Eigentlich wollte er draußen hinter dem Zaun mitfeiern. Doch am Vormittag des Konzerttages ist in seinem Geschäft, wie durch eine glückliche Fügung, eine Dame im Rollstuhl erschienen, um etwas einzukaufen. Er kannte sie zuvor nicht.
Dann habe die Kundin gefragt, ob nicht jemand sie begleiten wolle zu Kylie Minogue, deren Konzert sie von der Behindertenplattform erleben werde. Ein Betreuerplatz neben ihr sei noch frei und koste nichts. Und wie Marco Mangold will! Wunder gibt es immer wieder!
Die Nacht verbringt Kylie im Pullman Hotel Fontana in Vaihingen
Die 57-jährige Kylie gibt in dieser Nacht alles! Nach einem Auftritt voller Energie will sie erst noch eine ganze Weile im Neuen Schloss bleiben, um runterzukommen. Erst gegen Mitternacht wird die Sängerin nach Stuttgart-Vaihingen chauffiert, in das Pullman Hotel Fontana. Außerhalb der City will sie Ruhe finden – ihr Team dagegen ist im Le Meridien abgestiegen. Am Donnerstag wird der Superstar nach einer magischen Nacht in Stuttgart nach Frankreich fliegen, um die Tension-Tour am Abend in Lyon fortzusetzen.