Jazz Open Stuttgart Adi Oasis im Bix: Eine souveräne Darbietung und die Tücken der Satire
Die französische Wahl-New Yorkerin Adi Oasis hat im Stuttgarter Jazzclub Bix Popstar-Potenzial gezeigt – und gemischte Gefühle hinterlassen.
Die französische Wahl-New Yorkerin Adi Oasis hat im Stuttgarter Jazzclub Bix Popstar-Potenzial gezeigt – und gemischte Gefühle hinterlassen.
Jede Geste, jeder Blick sitzt. Wenn die französische Sängerin und Bassistin Adi Oasis eine Hand reckt, kokett eine Strähne ihrer mondänen Mähne lüftet oder sich im Takt wiegt, ahnt man: Da hat jemand sorgfältig für die große Bühne trainiert. Einer der Songs der Musikerin, Tochter eines afrokaribischen Vaters aus Martinique und einer südfranzösischen Mutter, heißt „I Wanna Be Rich“ – und wie Adi Oasis da röhrt und zum fetten Groove ihren Arm in die Hüfte stemmt, spricht alles für Satire.
Die 40 Jahre alte Musikerin eröffnet bei Stuttgarts großem Sommerfestival Jazz Open das Club-Programm im Bix, das tendenziell eher Jazz ist als open. Souverän mischt Adi Oasis aus Funk, Soul und Fusion eine Melange, die sich hören lassen kann. Erykah Badu, Stevie Wonder und Prince sind zwischendrin als Einflüsse auszumachen, Adi Oasis’ kraftvolle Stimme reicht bis in hohe Lagen. Ihrem rosafarbenen Bass entlockt sie bestechende Grooves, auf den Punkt und mit gutem Gespür für melodische Miniaturen.
Die Musikerin hat einen sicheren Stil, Geschmack und eine kompetente Band. Der Keyboarder Ben Hoffmann repliziert die analogen Synthesizer-Sounds der 70er ebenso souverän wie E-Pianos und Orgeln der 60er; der Gitarrist Aylwin Steele wandelt auf den Spuren von Steely Dan; und der Drummer Dru McLean schlägt spielerisch tanzbare Grooves. Bei dem kleinem Hit „Naked“ singt er mit, und es weht eine sanfte karibische Brise durchs Bix – der Song legt es klar darauf an, dass das Publikum sich darin sonnt.
Irgendetwas aber stimmt offenbar nicht. Adi Oasis scheint nicht besonders glücklich zu sein mit diesem Abend im Stuttgarter Bix. Nach einer Stunde lässt sie sich noch einmal bitten, 15 Minuten später ist Schluss. Das ist negativ rekordverdächtig. An der Publikumsresonanz kann es allerdings kaum liegen: Im Stehplatzbereich ist die Stimmung prächtig, auch wenn einige Imitatoren amerikanischer Ureinwohner, wie Karl May sie sich vorstellt hat, etwas zu beharrlich anstimmen, was er „Kriegsgeheul“ nannte.
Souveräne Künstlerinnen arbeiten mit denen, die feiern, und ignorieren die zurückhaltendere Gesellschaft an den Tischen vor der Bix-Bühne. Natürlich wäre dieses Konzert auch unbestuhlt denkbar gewesen, womöglich hätte der Disco-Funk im zweiten Teil zu einer ausgelassenen Tanzparty geführt.
Konjunktive indes führen selten weiter. Vielleicht hatte die Künstlerin nur einen dieser flauen oder matten Abende – den sie als Profi bei so einem Festivalauftritt selbstverständlich bis zum bitteren Ende hätte souverän weglächeln müssen. So ist das mit der Satire: Man kann sich einfach nie sicher sein, was kommt.