Jazzclub Schloss Köngen Den Musikern geht die Puste doch noch nicht aus

Die  Atmosphäre in der Schlosskapelle beflügelt Musiker und Publikum. Foto: Jazzclub
Die Atmosphäre in der Schlosskapelle beflügelt Musiker und Publikum. Foto: Jazzclub

Das Aus nach 17 Jahren schien schon besiegelt. Doch die Mitglieder des Jazzclub Schloss Köngen wollten sich nicht mit der vom Vorstand vorgeschlagenen Auflösung abfinden. Jetzt startet der Verein mit einer neuen Führungsmannschaft durch.

Esslingen: Thomas Schorradt (adt)

Köngen - Die Macher des Jazzclubs Schloss Köngen hatten schon das Handtuch geworfen und, ausgebrannt nach 17 Jahren erfolgreicher aber anstrengender Arbeit, den Punkt „Auflösung des Vereins“ auf die Tagesordnung der Mitgliederversammlung gesetzt. Verzweiflung oder Kalkül – die Trotzreaktion der Mitglieder hat nicht lange auf sich warten lassen. „Swing in mach mit“ lautete das Motto, unter dem sie aus ihren Reihen heraus im Internet um Helfer für die Konzerte warben. Mit Erfolg: Der Club und damit auch die über die Grenzen der Region hinaus beliebte Reihe „Jazz im Schloss Köngen“ feiert unter einer neuen Führungsmannschaft die Wiederauferstehung.

Die jüngste Mitgliederversammlung hat die Weichen endgültig in Richtung Zukunft gestellt. Johannes Laxander, der schon zuvor den Internet-Auftritt des Verein organisiert und die „Swing in mach mit“-Aktion letztlich so erfolgreich ins Leben gerufen hatte, ist zum neuen Vorsitzenden gewählt worden. Ihm zur Seite stehen Ulrich Höschle als Stellvertreter und der für das Programm zuständige Albrecht Nissler. Gabriele Buck und Bernd Husermann komplettieren die Vorstandsriege.

Gestärkt aus der Krise hervorgegangen

Bislang sind sie alle nur kommissarisch im Amt, weil das Mandat der Vorgängermannschaft um den altgedienten Vereinschef Gerhard Götz erst zum 31. Dezember ausläuft. Trotzdem sieht es schon jetzt so aus. als gehe der Verein gestärkt aus der Krise hervor, und das nicht nur des erfolgreichen Internetaufrufs wegen. „Zur entscheidenden Versammlung waren mehr als 50 Mitglieder in die Schlosskapelle gekommen, so viel wie noch nie in der Geschichte des Vereins“, sagt Horst Stange, der die Pressearbeit organisiert.

Mit dem Rückenwind dieses Schulterschlusses und eines einstimmigen Votums will der neue Vereinschef nahtlos an die erfolgreiche Arbeit anschließen. Das Programmheft für das erste Halbjahr 2019 ist in Druck, die Engagements für das restliche Jahr weitgehend in trockenen Tücher. „Es bestand ja nie ein Grund, von unserem bisherigen Weg abzuweichen. Im Gegensatz zu anderen Clubs hatten wir nie ein Besucherproblem“, sagt Laxander unter Hinweis auf die häufig ausverkauften Veranstaltungen in dem für Jazz-Konzerte idealen Umfeld der Köngener Schlosskapelle.

Was für die Zuhörer im Schloss immer musikalisch und atmosphärisch stimmig rüberkam, war für die Macher immer mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden. Lebensmittel und Getränke einkaufen, Kisten schleppen, Instrumente aufbauen, Brötchen belegen, Musiker betreuen, Thekendienst organisieren – und nach jedem Konzert das ganze Programm wieder rückwärts. Das war auf Dauer zuviel für die Männer und Frauen der ersten Stunde, die es im reifen Alter von rund 80 Jahren naturgemäß schon einmal im Knie oder im Rücken gezwickt hat. Mindestens 20 engagierte Helfer, so hatte Götz in seinem Brandbrief an die Mitglieder im Frühjahr geschrieben, seien nötig, um eine Veranstaltung zu stemmen.

Frühzeitig um den Nachwuchs kümmern

Die sind jetzt gefunden und obwohl auch die musikalische Erfolgsspur noch breit genug zu sein scheint, wollen Laxander und Co. auch hier aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernen. „Wir müssen uns viel früher um den Nachwuchs kümmern“, sagt der neue Vorsitzende. Das dürfte sich über kurz oder lang auch im Programm niederschlagen. Wie allerdings der Spagat zwischen dem Anspruch, dem eigenen, in Ehren ergrauten Publikum treu bleiben zu wollen und dem Druck, dem demografischen Wandel gerecht werden zu müssen, gelingen soll, ist noch nicht ausdiskutiert. „Wir haben immerhin rund 80 Prozent der Mannschaft mit neuen Leuten besetzt. Da müssen wir uns erst selbst finden“, sagt Laxander.




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