Jazzpreisträger Herbert Joos Der Mann des magischen Trompetentons ist tot

Von Thomas Staiber 

Herbert Joos war einer der ganz großen der Jazzszene im Land. 2017 wurde er mit dem Jazzpreis Baden-Württemberg für sein Lebenswerk geehrt. Jetzt ist der Trompeter im Alter von 79 Jahren gestorben.

Herbert Joos im Jahr 2015 Foto: Wilhelm Betz
Herbert Joos im Jahr 2015 Foto: Wilhelm Betz

Baden-Baden - Am frühen Samstagmorgen ist Herbert Joos 79-jährig nach einer Operation in Baden-Baden gestorben. Mit ihm verliert das Land einen Trompeter, der „mit seinem unvergleichlich leichten und luftigen Sound einen Meilenstein im europäischen Jazz gesetzt hat“. So reagiert sein Kollege, der Holzbläser Bernd Konrad, auf die traurige Nachricht vom Tod eines Freundes. „Oft imitiert und nicht erreicht“, stellt Gitarrist Frank Kuruc unter dem Eindruck der Todesbotschaft fest und nennt seinen engen Freund Herbert Joos „einen wahrhaften Künstler, einen, der sein Ding machte“. Und Werner Schretzmeier machte sich gleich auf den Weg ins Theaterhaus, um ein Abschiedskonzert zu organisieren.

Jazzpreis 2017

Dort war Herbert Joos im Januar 2017 der Jazzpreis Baden-Württemberg als Sonderpreis für sein Lebenswerk verliehen worden. Auf die geistreiche Laudatio von Koch und Blechbläser Vincent Klink und die elegante Rede von Staatssekretärin Petra Olschowski reagierte Joos mit dem ihm eigenen lakonischen Humor: „Alles wahr, vielen Dank!“ Er wollte nicht lange reden, er wollte spielen. Und dann hörten die Besucher diesen Ton, den Olschowski „magisch“ genannt hatte: einen dunklen, sinnlichen Ton, in dem die Erdverbundenheit des Blues und die Reflektiertheit der europäischen Moderne eins wurden. Nachdem er mit seiner Großkomposition „Change of Beauty“ und dem 16-köpfigen Jazzorchester hin und wieder Ausflüge ins Freie, ins unbändig Wilde unternommen hatte, klang das Konzert auf Chopins „Marche Funèbre“ anspielend mit einem tiefdunklen Trauermarsch aus. Nicht wenige Konzertbesucher, die um die angeschlagene Gesundheit von Joos wussten, machte diese Musik nachdenklich. Im April 2018 dann, als auch Bernd Konrad den Sonderpreis für sein Lebenswerk erhielt, trat Joos, wie wir jetzt wissen, zum letzten Mal im Theaterhaus auf.

Unverwechselbare Klangsprache

Mit ihm verlässt ein Künstler die Bühne, der mit seiner strahlenden Trompete, dem samtweichen Flügelhorn und seiner unverwechselbaren Klangsprache das legendäre Vienna Art Orchestra, das Orchestre National de Paris und natürlich eigene Formationen wie etwa das Trio mit dem Pianisten Patrick Bebelaar und Kontrabassist Günter Lenz wesentlich geprägt hat.

In seiner mit Tonträgern, Büchern und Erinnerungsstücken gefüllten Dachwohnung im Stuttgarter Westen komponierte und übte Joos, um im Café, das sich im Erdgeschoss befindet, Zeitung zu lesen und sich ein Weißweinschorle munden zu lassen. Auf seinem großen Schreibtisch unter dem Dach arbeitete er oft stundenlang und wie im Schaffensrausch an Zeichnungen und Gemälden. Herbert Joos war nicht nur als Jazzmusiker, er war auch als bildender Künstler eine große Begabung.




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