Jazztage im Theaterhaus Stuttgart Zu Ostern: Dialog ohne Grenzen

Von Gabriele Metsker 

Für Freunde der Improvisation: Vom 18. Bis 22. April finden im Theaterhaus in Stuttgart erneut die Jazztage statt.

Der Bassist Kurt Holzkämper tritt im Rahmen der Theaterhaus Jazztage auf. Foto: Stephan Boehme
Der Bassist Kurt Holzkämper tritt im Rahmen der Theaterhaus Jazztage auf. Foto: Stephan Boehme

Dass sich beim Jazz Instrumente miteinander unterhalten, ist nichts Ungewöhnliches. Improvisation ist dort die Keimzelle all dessen, was vor den Ohren des Publikums passiert. Wenn der Dialog zwischen einem Kontrabass und einem Zeichenstift stattfindet, ist das allerdings schon etwas Besonderes. Gesprächspartner sind bei dieser Versuchsanordnung der Bassist Kurt Holzkämper und der Zeichner Mehrdad Zaeri. Rahmen und Podium für das spannende Unterfangen sind die Theaterhaus Jazztage, bei denen noch andere spartenübergreifende Projekte am Start sind wie zum Beispiel der legendäre Silhouettenfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ von Lotte Reininger. Der Musiker Renaud García-Fons hat dazu neue Musik geschaffen, die er mit seinem Ensemble vor Ort zum Film spielt. Zu hören sind an diesem Abend neben dem Bassisten García-Fons Sébastien Bonniau am Vibrafon der Flötist Henri Tournier, die Lautenistin Claire Antonini, Akkordeonist David Ventucci und Harfenist Bruno Caillat.

Wer kommt auf so eine Idee?

Aber zurück zu Kurt Holzkämper, dem Zeichner Zaeri und ihrem Vorhaben. Wer kommt auf so eine Idee? Und wie kann so etwas funktionieren? „Mehrdad erzählt gerne Geschichten, ich auch“, sagt Holzkämper. „Und wir haben eine gemeinsame Sprache gefunden. Wir haben beide eine ähnliche Art, die Dinge wahrzunehmen.“ Die beiden Künstler kennen sich schon seit einem Jahrzehnt und haben schon bei verschiedenen Projekten miteinander gearbeitet. Das, was bei den Theaterhaus Jazztagen zu hören sein wird, ist jedoch eine Premiere. „Die letzten schönen Tage“, lautet der Titel. Das klingt ein wenig melancholisch, und tatsächlich wird es hier Raum geben für Nachdenkliches – was aber keineswegs negativ sein muss. Inspiriert haben Holzkämper Bücher des vor Kurzem verstorbenen Schriftstellers Wilhelm Genazino, den die Zeit als „großen Desillusionierungskünstler“ bezeichnet hat.

Interdisziplinäre Herangehensweise

Die interdisziplinäre Herangehensweise schaffe die Möglichkeit, sich dem Thema auf verschiedene Weise zu nähern, so der Musiker. Ein vergleichbares Experiment hat es schon in einer Synagoge in Freudental gegeben, wo der Bassist zusammen mit einem Pianisten und dem iranischen Zeichen-Künstler „Die Liebesfabrik“ hatte Gestalt annehmen lassen. In dieser imaginären Fabrik sollte die ideale Liebe erschaffen werden. Doch zum Schluss siegt die Erkenntnis, dass es die ideale Liebe gar nicht gibt. Bei „Die letzten schönen Tage“ geht es, wie Holzkämper beschreibt, „um den Tod im An­gesicht der Liebe und die Liebe im Angesicht des Todes“. Die Art und Weise, musikalische und gezeichnete Linien bei der „Liebesfabrik“ zusammenfinden zu lassen, hat Holzkämper begeistert. Deswegen entwickelt er sie mit Mehrdad Zaeri, der schon viele Preise für seine Arbeit bekommen hat, bei den Theaterhaus Jazztagen weiter. Und während Zaeri Geschichten erzählt, dabei zeichnet und eine Kamera die Zuschauer live am Entstehungsprozess teilhaben lässt, wird sich der Dialog mit dem Instrument entspinnen. Das Ganze findet im kleinsten Saal, in der Halle T4, statt. „Da fühlt man sich wie im Wohnzimmer, wenn einer erzählt.“ Für Holzkämper der ideale Ort.

Ältester noch erhaltener Animationsfilm der Welt

Eine andere Form der Spannung wird entstehen, wenn Lotte Reiningers Silhouettenfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ auf der Leinwand läuft und dazu live die von Renaud García-Fons neu geschaffene Musik den Raum erfüllt. Die Handlungsmotive des 1926 entstandenen und ältesten, noch erhaltenen Animationsfilms der Welt stammen aus den Geschichten, die Scheherazade in „Tausendundeine Nacht“ ihrem Gatten erzählt. Die ursprüngliche Tonspur mit der Musik des Komponisten Wolfgang Zeller fiel den Wirren des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. García-Fons erhielt 2011 den Auftrag zur Neuvertonung. Er vermischt in seiner Musik zum Film sinfonische Musik mit arabischen Skalen, Phrasierungen und Klangfarben. In­strumente aus dem Orient werden mit jenen der westlichen Welt zusammengebracht, und sie sprechen eine gemeinsame Sprache.

Theaterhaus Jazztage: 18. bis 22. April; „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“: 20. April, 21 Uhr; „Die letzten schönen Tage“: 22. April, 19.30 Uhr, Theaterhaus, 07 11 / 4 02 07 20