Jazztage in Weinstadt Gemeinsames Gebet mit Jazz

Von Luitgart Schaber 

Bei den Jazztagen Weinstadt im März wagt die evangelische Kirchengemeinde ein Experiment – einen Jazz-Gottesdienst.

Bei den Jazztagen gibt es erstmals einen  Jazz-Gottesdienst. Foto: dpa
Bei den Jazztagen gibt es erstmals einen Jazz-Gottesdienst. Foto: dpa

Gottesdienst - Die Anspannung ist Tilmann Dürring anzumerken. Wie werden die Gottesdienstbesucher auf sein Experiment reagieren? Werden die sonntäglichen Kirchgänger sich darauf einlassen? Wie wird es für den Pfarrer Rainer Köpf sein, die beteiligten Musiker und nicht zuletzt für ihn selbst? Denn klar ist vorab nur eines: Für alle Beteiligten wird der Jazz-Gottesdienst am 24. März etwas Neues, noch nie da Gewesenes werden. Gemeinsam mit Uli Lutz als musikalischen Leiter plant Dürring im Rahmen der Jazztage Weinstadt die Veranstaltung.

Das Vorbild ist ein Gospel-Gottesdienst vor zehn Jahren

„Die Idee ist, die Wesensmerkmale des Jazz in den Gottesdienst zu bringen: das Improvisieren, das dialogische Prinzip des Jazz“, versucht Dürring den Gedanken dahinter in Worte zu fassen, der sein Einfall ist. Schon lange hat er diesen mit sich herum getragen. „Jetzt habe ich gewagt ihn auszusprechen“, sagt Dürring, der als Pfarrerssohn darum weiß, wie heikel es ist, kirchliche Traditionen auf diese Weise zu durchbrechen. Darauf gebracht habe ihn ein Gospel-Gottesdienst, den die evangelische Kirchengemeinde Beutelsbach zusammen mit anderen Kirchengemeinden vor rund zehn Jahren im Freien feierte. „Ich war zwar leider nicht dabei. Aber weil alle so davon geschwärmt haben, ist dieser auch mir in Erinnerung geblieben.“

Jazz in der Beutelsbacher Stiftskirche, das ist an und für sich nichts Neues. Bereits in den vergangenen Jahren hat sich die örtliche Kirchengemeinde mit Abendkonzerten und Matineen an den Jazztagen beteiligt. „Doch jetzt machen wir keine halben Sachen mehr sondern gehen aufs Ganze“, meint Dürring, der das Nebeneinander von Gottesdiensten und im Anschluss stattfindenden Jazzveranstaltungen beenden möchte. Dafür hat er sich an Uli Lutz gewandt. „Denn ich bin kein Jazzmusiker“, sagt der Berufsschullehrer, der als Leiter der Jugendkantorei Beutelsbach, Mitglied des Musikteamdienstes der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde sowie Dirigent des Winterbacher CVJM-Chors Joyful Voice und Sänger im Stuttgarter Chor Go(o)d News des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg selbst musikalisch mehr im Pop- und Gospelbereich aktiv ist. Sein liebster Musikstil sei jedoch der Jazz, wobei er auch etwas für Klassik übrig habe, merkt der 50-jährige Wahl-Beutelsbacher an. Neben fachlichem Input erhoffte sich Dürring von Lutz als Leiter des örtlichen Kirchenchors indes auch, dass dieser hilft, Brücken innerhalb der Gemeinde für den Jazz-Gottesdienst zu bauen. „Denn solche Dinge müssen in der Gemeinde wachsen.“

Leute vom Kirchenchor sind mit dabei

Und das tun sie offenbar: „Leute vom Kirchenchor werden voraussichtlich am Jazz-Gottesdienst mitwirken“, sagt Uli Lutz über die musikalische Ausgestaltung. Für diese sorgt neben der Orgel vor allem die Rhythmikgruppe um ihn mit Justinus Feilhauer, Tilmann Haupt und Andreas Jung. Ihre Improvisationen werden eine wichtige Rolle im Gottesdienst spielen. „Die Improvisationen sollen die Liturgie durchdringen und die Wortbeiträge kommentieren“; erläutert Lutz. Dabei werde der Jazz auch Gemeindelieder und Psalmgebete bereichern, ergänzt Dürring: „Oder man kann auch sagen konfrontieren.“