Jazztage in Weinstadt Norwegische Hymnen in Paschtu

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Während eines Konzerts in der Ägidiuskirche ist der Pianist Tord Gustavsen mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik geehrt worden.

Tord Gustavsen überschreitet nicht nur mit leichter Hand die Grenzen von Musikstilen, sondern auch die von Kulturen. Foto: Gottfried Stoppel
Tord Gustavsen überschreitet nicht nur mit leichter Hand die Grenzen von Musikstilen, sondern auch die von Kulturen. Foto: Gottfried Stoppel

Weinstadt - Tord Gustavsen ist am Samstagabend mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet worden. Die Ehrung wurde dem 46-Jährigen in der Großheppacher Ägidiuskirche überreicht. Allerdings auf Umwegen: Der Laudator Werner Stiefele vom Stuttgarter Kulturamt hatte die Urkunde vergessen und musste nochmals nach Hause springen. Dem Geehrten schien das aber nichts auszumachen. Im Gegenteil, er freute sich über „eine schöne Kirche voller schöner Menschen“. Rund 160 Zuhörer füllten die Kirche mitten in Großheppach.

Der Jazzpianist ist in seiner Heimat Norwegen einer der einflussreichsten und populärsten Musiker. Mit dabei in Weinstadt war der Schlagzeuger Jarle Vespestad, der neben dem Bassisten Harald Johnsen zum Tord-Gustavsen-Trio zählt. Am Samstagabend war aber die Sängerin Simin Tander Dritte im Bunde der Musiker.

Die Kirche bildete einen stimmungsvollen Rahmen zu der außergewöhnlichen Musik, die sich nur schwer in eine Kategorie zwängen lässt. Jazz ist darin enthalten, und Lieder, die aus verschiedenen Kulturkreisen stammen. Neben norwegischen Hymnen – Kirchenliedern – enthält das Repertoire afghanische Volkslieder, interpretiert von der deutsch-afghanischen Sängerin, die den Jazzgesang einer kommerziellen Karriere in der Popmusik vorzieht. Bei den ersten Stücken handelte es sich um Hymnen, doch Simin Tander sang sie auf Paschtu, der meistgesprochenen Sprache Afghanistans und Pakistans. „Ich spreche die Sprache nicht, aber ich singe sie“, verriet die Sängerin dem Publikum. „Auf diese Weise nähere ich mich ihr an.“

Das Konzert war Teil der 20. Weinstädter Jazztage, die vom Jazzclub Armer Konrad veranstaltet werden. Der Preis wird von einem unabhängigen Zusammenschluss von zurzeit 156 Musikkritikern und Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgelobt. Der Preis wird schon seit mehr als 50 Jahren verliehen.