Jazztage Sindelfingen Das Sahnehäubchen kommt zum Schluss
Die 12. Jazztage Sindelfingen enden mit der Markus Stockhausen Group. Der deutsche Jazzpreisträger für Blechblasinstrumente 2021 nimmt das Publikum auf eine besondere Reise mit.
Die 12. Jazztage Sindelfingen enden mit der Markus Stockhausen Group. Der deutsche Jazzpreisträger für Blechblasinstrumente 2021 nimmt das Publikum auf eine besondere Reise mit.
Stockhausen? Ja, hat man irgendwo schon mal gehört, wenn es um Neue Musik ging. Viele denken zunächst an den 2007 verstorbenen Komponisten Karlheinz Stockhausen.
Mit seiner individuellen und unangepassten Ästhetik gilt Karlheinz Stockhausen als einer der bedeutendsten und einflussreichsten deutschen Komponisten der Nachkriegszeit. Rückblickend werden insbesondere Stockhausens elektronische Kompositionen als Pionierleistungen in der Musikgeschichte angesehen.
Nun gastierte sein Sohn Markus in Sindelfingen bei den Jazztagen. Obwohl dieser noch zahlreiche Konzerte mit seinem Vater spielte, hat der Trompeter seinen ganz eigenen Stil entwickelt. „Eine Reise durch die Galaxien“, fasste der AEG-Bigband-Leiter Johannes Stephan nach dem Konzert das Erlebte zusammen. Und Albrecht Barth vom Veranstalter IG Kultur fügte hinzu: „Das war das beste Konzert der Jazztage!“.
Wenn man im Odeon der SMTT (Musikschule Sindelfingen) nach Konzertende den Blick ins Rund schweifen ließ, war in den Gesichtern der Besucher zu lesen, dass hier wirklich Besonderes stattgefunden hatte.
Doch der Reihe nach: Mit „Sunday Morning“ beginnt am Sonntagabend die Reise in Stockhausens musikalische Welt. Begleitet vom Cellisten Jörg Brinkmann, dem Schlagwerker Christian Thomé und dem holländischen Pianisten Jeroen van Vliet lässt Stockhausen mit einem strahlenden Trompetenton die Sonne aufgehen, bevor er dem Publikum mit fast barocker Spielweise „Ein Lächeln“ schenkt. Das Cello übernimmt in dieser Formation zupfend die Arbeit eines Kontrabassisten und streichend einen singend sehnsuchtsvoll warmen Ton, der bisweilen auch an eine Bratsche erinnert.
Thomé setzt oft eher kreative Akzente, als dass er sich eines durchgehenden Beats bedient. So kommt bei Brinkmanns schwebendem „Rain No Play“ erstmalig und effektvoll auch ein Xylophon mit ins Spiel. Zart, dynamisch, spannende Harmonien mit Tiefgang, so könnten die Attribute dieser Komposition lauten. Stockhausen erzählt bei der Anmoderation von „Falling Stars“ wie sehr er vom Kosmos fasziniert ist und dieser ihm auch immer wieder als Inspirationsquelle dient. Die unendliche Weite der Galaxien ist hörbar, der Zweiklang von Cello und Trompete, beide mit bestechendem Ton, katapultiert in ferne Welten; Wechsel von gedämpfter Trompete zum Flügelhorn; die Stücke entwickeln sich und atmen.
Vor der Pause führt Stockhausen in die „Better World“, an die man trotz turbulenter Umstände glauben sollte: Gezupfte Cello-Patterns, ein atemberaubendes Solo desselben und geschlagene Akkorde erzeugen eine dichte Aufbruchstimmung.
Der bislang eher im Hintergrund agierende van Vliet führt mit einem expressiven Piano-Solo in seine Komposition „Helena“. Stockhausens „Flow“ fließt und wird zu Brinkmanns Cello-Spielwiese. Klanggemälde voller Schönheit hat „Warmlicht“ zu bieten, und „Nebula“ entführt ein weiteres Mal in die 200 000 Lichtjahre weiten Galaxien, bevor Thomés „Susanna“ mit einem Ultra-Groove wieder auf der Erde landet.
Nach diesem finalen Stück blasen die rund hundert Besucher geradezu einen Beifallsorkan zu den Akteuren, die darauf mit „There is always hope“ reagieren. Genau wie in der Konzertankündigung beschrieben, gab es diese „Magischen Augenblicke“ auf der Bühne, die im Zusammenspiel mit musikalischem Feingefühl innere Welten zum Schwingen brachten.
Die Besucherin Gaby Heidkamp aus Ehningen beschreibt das folgendermaßen: „Das ging ganz tief. Ich bin von Klängen durchflutet. So etwas habe ich live noch nie erlebt!“ Und das Ehepaar Kassühlke aus Schafhausen ist sich einig: „Ein schönes Aufeinandereingehen, sehr komplex mit überraschenden Tonfolgen – ein außergewöhnliches Klangerlebnis!“.
Und auf die Frage, wo sie die Qualität dieses Abends auf einer Zahlenskala von 1 bis 10 ansiedeln würde, antwortet die SMTT-Leiterin Maria Wunder: „Bei 20!“