Jazztage Sindelfingen Wie Samuel Restle Emotionen in Töne gießt

Samuel Restle und sein Oktett auf der Bühne des Pavillons Foto: Epple

Die Sindelfinger Jazztage beginnen mit Samuel Restle, dem Landesjazzpreisträger von 2025. Im Pavillon der IG Kultur trifft er mit seinem Oktett den Puls des Publikums.

Traditionell starten die Sindelfinger Jazztage mit einem Knaller: einem Konzert des Landesjazzpreisträgers des Vorjahres. So auch am Samstagabend. Rund 70 Besucher lauschten Samuel Restle und seinem Oktett, bestehend aus fünf Bläsern und einer dreiköpfigen Rhythmusgruppe.

 

Der 28-jährige Posaunist ist längst schon in der bundesdeutschen Jazzszene angekommen, spielte unter anderem im Bundesjazzorchester oder war mit der Tobias Becker Bigband sowie der SWR-Bigband unterwegs. Die Bundesjazzpreisträgerin Fola Dada, als Vorsitzende der Fachjury, urteilte bei der Vergabe des Landesjazzpreises: „Seine intelligenten Kompositionen und Arrangements zeugten von vielschichtiger Kreativität und Originalität, die die Grenzen des Jazz erweitern und neue Maßstäbe, besonders für Bigband-Formationen, setzen würden. Als Bandleader fördere er nicht nur das musikalische Wachstum seiner Mitmusikerinnen und -musiker, sondern schaffe auch ein inspirierendes Umfeld“.

Stücke für aufgeschlossene Jazz-Geister

Mit solchen Vorschusslorbeeren geschmückt, saß Restle nun also mit seiner Posaune auf der Pavillon-Bühne, flankiert von Bastian Brugger (Baritonsaxofon, Flöte), Lars Töpperwien (Trompete), Dan Roncari (Altsaxofon, Klarinette) und Lukas Wögler (Tenorsaxofon, Flöte). Moritz Langmaier (Klavier), Jan Dittmann (Kontrabass) und Lucas Klein (Schlagzeug) vervollständigten das Samuel Restle-Oktett und sorgten für den Rhythmusteppich, auf dem sich das Gebläse aalen durfte.

Mit der Restle-Komposition „Milo“ ging es zunächst entspannt und unaufgeregt ans Werk, bis Wögler mit einem ersten Solo den High Notes-Gipfel erklomm. Das mutete technisch versiert, aber auch vom Gesamtklang losgekoppelt an. Dies sei ein älteres Werk gewesen, ließ Restle im Anschluss verlauten, und nun käme sein neuestes „Komorebi“. Mit melancholisch anmutenden Bläsersätzen und einem interessanten Trompetensolo, aus Klangfragmenten zusammengebastelt, ließ es mainstreamgewohnte Ohren, die weiterhin auf den Groove warteten, nicht unbedingt aufhorchen. Danach wurde das „schwierigste“ Stück angekündigt, zu dem wohl ebenfalls nur aufgeschlossene Jazz-Geister umgehend Zugang fanden – rhythmisch vertrackt und harmonisch anspruchsvoll.

Rund 70 Besucher lauschten Samuel Restle und seinem Oktett. Foto: Epple

„May be someday“ war dann vor der Pause die musikalische Verarbeitung einer unerfüllten Liebe, wiederum mit einem sehr freien Tenorsaxofon-Solo, das in einen Jamsession-Charakter eingebunden war; ein wenig an die Free Jazz-Ära der Endsechziger erinnernd.

Die zweite Hälfte startet mit Schwung

War die erste Hälfte des Abends von introvertierten Emotionen geprägt, ging’s in der zweiten Halbzeit für viele Besucher erst richtig los. Ein groovender Einstieg, Bläsersätze in wiederholendem Muster, durchgängige Beats und ein mitreißendes Trompetensolo, so kam Restles „Letters“ daher, bevor man sich auch an den Werken weiterer Komponisten bediente.

Charles Mingus stand da ganz vorne an. Dessen „Reincarnation Of A Lovebird“, von Restle clever arrangiert, machte den Anfang. Plötzlich begann die Band ordentlich zu swingen, kurze knackige Soli über einen Chorus, und Restle sowie Roncari zeigten, was sie in diesem Genre draufhaben. Duke Ellingtons „Sound of Love“ glänzte mit einem knarzenden, innovativen Baritonsax-Solo. „Light Blue“ (Monk) zierte das Ende des regulären Programms mit einem expressiven Tenorsax-Solo, spannenden Bläserarrangements unter Einbeziehung von Klarinette und zwei Querflöten.

Nun hatte die Vorstellung auch den letzten Besucher erreicht und eine Zugabe war die logische Konsequenz. „Die Beamte“ ist seiner Schwester gewidmet und laut Restle das Zweitbeste, das er bislang komponiert hatte. Frisch und offbeat-betont schwappte diese finale Welle ins Publikum und machte bei vielen Lust auf mehr.

Das weitere Programm der Jazztage: Mittwoch, 15. April, spielt die Steve Cathedral Group im Pavillon. Am 20. April erwartet das Publikum dort Tim Neumaier’s All the rooms I’ve slept in. Fünf Tage später stehen die Miles Davis Festival Band und die STB Bigband in der Stadthalle auf der Bühne, bevor das Markus Stockhausen Quartett am 26. April im Odeon der SMTT auftritt. Die Konzerte der MVS Bigband am 18. und 19. April sind ausverkauft.

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