Jeder Zweite über 60 hat Bluthochdruck Blutdruck: Warum jeder seinen Wert kennen sollte

Menschen mit Bluthochdruck sollten eine Woche pro Monat morgens und abends  ihren Blutdruck messen und den Durchschnittswert ermitteln Foto: dpa/Maurizio Gambarini
Menschen mit Bluthochdruck sollten eine Woche pro Monat morgens und abends ihren Blutdruck messen und den Durchschnittswert ermitteln Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Die Ursache von Herzschwäche, Schlaganfall und Co. ist häufig ein unbemerkter Bluthochdruck. Was die Symptome sind und wie man sich davor schützen kann.

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Frankfurt - Die eigenen Maße sind gut bekannt: Schuh- und Kleidergröße, Gewicht, Blutgruppe. Doch wer kennt seine Blutdruckwerte? Offenbar zu wenige. Denn die Zahl der Erwachsenen, deren Blutdruck krankhaft erhöht ist, steigt permanent. Nach einer in der US-Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten Studie leiden mehr als 1,2 Milliarden Menschen zwischen 30 und 79 Jahren an Bluthochdruck – fast doppelt so viele wie vor 30 Jahren. Und nur jeder Zweite weiß von seiner Erkrankung. Dabei sterben mehr als 8,4 Millionen Menschen weltweit pro Jahr an den Folgen. In ihren Herzwochen im November will die Deutsche Herzstiftung über die Gefahren für Bluthochdruck-Patienten und die Risikovorsorge informieren.

Was sind die Symptome?

Kopfschmerzen, Gesichtsröte oder Herzklopfen – diese scheinbaren Anzeichen eines Bluthochdrucks sind unzuverlässig, sagt Heribert Schunkert, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. Häufig macht sich die Erkrankung erst durch Folgeerkrankungen bemerkbar: etwa Herzschwäche, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall, Nieren- und Augenschäden. „Dann ist der Körper schon sehr geschädigt“, so Schunkert. Verlässlicher ist es, die Blutdruckwerte regelmäßig abzurufen. „Bei jedem Arztbesuch kann man bitten, dass der Blutdruck gemessen wird, ebenso in der Apotheke.“ Liegt der Blutdruck wiederholt bei oder über 140/90 mmHg, besteht Bluthochdruck.

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Wie gefährlich ist das Coronavirus für Bluthochdruckpatienten?

Unzureichend behandelter Bluthochdruck ist ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf bei einer Coronainfektion. So verweist die Herzstiftung auf eine Studie der Tufts University (USA), in der mehr als 900 000 Klinikbehandlungen mit Covid-19 ausgewertet wurden: 26,2 Prozent der schweren Verläufe standen im Zusammenhang mit Bluthochdruck. Die Betroffenen reagieren sensibler auf überschießende Immun- und Entzündungsreaktionen, die für schwere Verläufe charakteristisch sind.

Was sind körperliche Risikofaktoren?

Mehr als die Hälfte aller Menschen über 60 Jahren haben dauerhaft erhöhte Blutdruckwerte: Um das anströmende Blut aufzunehmen, erweitern sich besonders die herznah gelegenen Arterien während des Herzschlages elastisch. Wenn sie sich in der Entspannungsphase des Herzens wieder zusammenziehen, wird die so gespeicherte Energie abgegeben, um den Druckabfall auszugleichen, während sich das Herz wieder füllt. Im Alter verlieren die Gefäße an Elastizität, insbesondere der systolische Wert geht nach oben. Bei Jüngeren ist die Ursache für Bluthochdruck oft Übergewicht: Das Herz muss mehr Blut pro Minute auswerfen, um den Kreislauf aufrechtzuerhalten. Die Gefäße sind für die Mehrbelastung nicht geschaffen. Die Blutversorgung erfolgt unter erhöhtem Druck. Zudem werden bei Übergewicht Hormone ausgeschüttet, die den Blutdruck hoch­treiben. Es gibt auch erbliche Faktoren: Bluthochdruck kommt gehäuft in Familien vor.

Was sind äußere Einflüsse?

Ungesunde Ernährung fördert nicht nur den Risikofaktor Übergewicht, sondern kann auch direkt Bluthochdruck erzeugen: So lassen zu salziges Essen und zu viel Alkohol den Blutdruck steigen. Stress gilt es zu vermeiden: „Er stößt molekulare Prozesse an, die zu einer chronischen Entzündung im Körper führen“, sagt der Kardiologe Schunkert. Das schädigt die Gefäße. Auch der Klimawandel kann Bluthochdruck begünstigen. Bekannt ist, dass Umweltverschmutzungen wie Feinstaub oder Schwefeldioxid den Blutdruck erhöhen, ebenso wie hohe Lärmpegel durch Flugzeuge und Verkehr. Auch extreme Hitzeperioden setzen den Körper so unter Stress, dass der Blutdruck steigen kann.

Wie gut sind Medikamente?

Mittlerweile gibt es viele Arzneistoffe, die den Blutdruck effektiv und nebenwirkungsarm senken. Sie werden Antihypertensiva genannt. Diese vier Wirkstoffklassen gelten als Mittel erster Wahl: ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker, Kalziumkanal-Blocker und Diuretika. Nicht jede Substanz ist für jeden Patienten gleich gut geeignet. Es braucht etwas Geduld seitens des Patienten, um die optimale Medikamentengabe über Wochen einzustellen. „Bei den meisten lässt sich der hohe Blutdruck mit der Kombination zweier Wirkstoffe der ersten Wahl einfach und nebenwirkungsarm in einen gesunden Bereich senken – unter 120/80 mmHg“, so die Experten der Herzstiftung. Wichtig ist, die Medikamente regelmäßig zu nehmen.

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Kann man selbst etwas dagegen tun?

„Bewegung ist die ideale Behandlung für das Herz-Kreislauf-System, weil man damit effektiv den Risikokrankheiten für Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugt“, sagt Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Herzstiftung. Bewegung hat auch in höherem Alter einen messbaren Effekt auf den Blutdruck – selbst wenn Medikamente kaum noch wirken oder wenn Patienten schlecht darauf ansprechen. Ausdauersportarten wie Laufen, Walken, Radfahren oder Schwimmen haben einen messbaren Einfluss. Zu empfehlen ist auch leichtes Krafttraining. Die Herzstiftung empfiehlt, sich mindestens dreimal pro Woche für 30 bis 45 Minuten bei moderater Intensität zu bewegen.

Kostenloser Ratgeber

Bestellung
Die Broschüre „Bluthochdruck: Herz und Gefäße schützen“ der Herzstiftung kann kostenfrei angefordert werden: www.herzstiftung.de/bestellung oder telefonisch 0 69 / 9 55 12 84 00.

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