Jeffrey Archer wird 80 Lord, Häftling und Erfolgsautor

Von red/dpa 

Kaum ein Autor verkauft mehr Bücher als er - bislang sind es knapp 300 Millionen Exemplare weltweit. Doch das Leben des Millionärs ist so spannend wie seine Schmöker. Nun wird Lord Archer 80.

Der Geschichtenerzähler: Jeffrey Archer. Klicken Sie sich in unserer Bildergalerie durch sein Werk. Foto: dpa/Montserrat T Diez 6 Bilder
Der Geschichtenerzähler: Jeffrey Archer. Klicken Sie sich in unserer Bildergalerie durch sein Werk. Foto: dpa/Montserrat T Diez

London - Die nächsten sechs Jahre hat der internationale Bestsellerautor schon verplant, denn jedes Jahr soll ein weiteres Buch über den Polizisten William Warwick erscheinen: „Ich langweile mich sehr schnell“, gestand Jeffrey Archer kürzlich. „Deshalb muss ich weiterarbeiten, aber das macht mir Spaß.“ An diesem Mittwoch feiert er seinen 80. Geburtstag.

Lord Archers Prachtwohnung liegt neben dem Hauptquartier des Spionagedienstes MI6. Das britische Parlament befindet sich gegenüber auf der anderen Seite des Flusses. Eine Sammlung impressionistischer Gemälde ziert die Wände. Kaum vorstellbar, dass der Hausherr zwei Jahre im Gefängnis verbrachte – und darüber das erfolgreiche „A Prison Diary“ (deutsch: Ein Gefängnistagebuch) schrieb.

Doch Jeffrey Archers Leben ist so abwechslungsreich, dass es leicht mit seinen Schmökern mithalten kann. „Natürlich wollte ich Premierminister und Kapitän der englischen Kricketmannschaft werden. Und ich habe bei beiden versagt“, sagte er in einem Interview. „Aber ich hatte ein sehr privilegiertes und glückliches Leben als Geschichtenerzähler.“

Das Handwerk wird immer besser

Seinen Durchbruch hatte er mit 34, als er nach einer kurzen Politikerkarriere den Roman „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ schrieb, um so dem Bankrott zu entgehen. Innerhalb eines Jahres wurde das Buch in 17 Ländern veröffentlicht und verkaufte sich knapp 30 Millionen Mal.

Sein bekanntestes Werk, „Kain und Abel“ (1979), wurde sogar noch erfolgreicher. Über 100 Millionen Menschen lasen das Epos über zwei ungleiche Männer, die am gleichen Tag geboren wurden. Es wurde in zweiundvierzig Sprachen übersetzt und in mehr als hundert Ländern veröffentlicht.

Doch im vergangenen Jahr tat Archer das Undenkbare und veröffentlichte eine gekürzte Version seines 500-Seiten-Meisterwerks – ohne die Handlung zu ändern. Bei einer Lesung erklärte der Schriftsteller laut „Telegraph“ den versammelten Fans: „Ich schätze, nach 30 Jahren ist man ein besserer Handwerker.“

Der Morgenmensch ist bekannt für sein strenges Schreibregime: Insgesamt vier Zwei-Stunden-Blöcke, die er über den Tag verteilt. „Ich kann mich nicht länger als zwei Stunden konzentrieren“, erklärte er. Die Pausen ermöglichen ihm, „darüber nachzudenken, was ich in den letzten zwei Stunden getan habe und was ich in den nächsten zwei Stunden tun muss. Jeder Schriftsteller hat sein eigenes System, und meines funktioniert zufälligerweise so.“

Diese Disziplin schaute er sich von der „eisernen Lady“ Margaret Thatcher ab, unter der er stellvertretender Parteivorsitzender der Konservativen war. Doch kurze Zeit später musste er zurücktreten, denn die Zeitung „Daily Star“ behauptete, er habe eine Prostituierte bezahlt. Der Millionär verklagte das Blatt und brachte seine Frau – eine erfolgreiche Wissenschaftlerin - dazu, als Leumundszeugin auszusagen.

Bestseller hinter Gittern

Aber Archer hatte das Gericht über ein Alibi belogen und wurde 13 Jahre später wegen Meineids und Behinderung der Justiz angeklagt, während er für das Amt des Londoner Oberbürgermeisters kandidierte. Der Lord saß zwei Jahre im Gefängnis und schrieb darüber natürlich einen weiteren Bestseller.

Seine aktuelle Serie über den Aufstieg des Polizisten William Warwick vom Streifenbeamten bis zum Commissioner der Londoner Metropolitan Police entwickelte er aus einer Nebenfigur seiner mehrteiligen „Clifton Saga“.  Es sei „weniger eine Detektivgeschichte als vielmehr eine Geschichte über einen Detektiv“, erläuterte Archer. Im Band „Schicksal und Gerechtigkeit“ erlebt Warwick seine ersten Herausforderungen im Dezernat für Kunstfälschung. Schließlich wird er zum Detective Sergeant befördert und zum Drogendezernat versetzt, wo er im zweiten Band versuchen wird, einen berüchtigten Drogenhändler zu überlisten.

Prostatakrebs hat Jeffrey Archer bereits vor einigen Jahren erfolgreich überstanden. Damit William Warwick tatsächlich 2026 im achten Band der Serie Police Commissioner wird, hält sich der Bestsellerautor mit 10 000 Schritten pro Tag fit. Das zweite Buch seiner Warwick-Serie - „Klang der Hoffnung“ - wird voraussichtlich Ende des Jahres in Deutschland herauskommen.




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