Schon früh hat Jelisa Delfeld selbst Rassismuserfahrungen gemacht. Heute engagiert sie sich in der Black Community Foundation dafür, dass die Sensibilität für das Thema in der Gesellschaft weiter wächst.

Stuttgart/Mannheim - Schon in der Schule hat Jelisa Delfeld Erfahrungen mit Rassismus gemacht, später dann zum Beispiel bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz im Hotellerie- und Gastro-Bereich. „Es gab Betriebe, die gesagt haben, ich müsste meine Haare glätten, weil ein Afro nicht gerne gesehen sei“, sagt die heute 26-jährige Mannheimerin. Während sie sich früher von solchen Bemerkungen einschüchtern ließ, geht sie heute selbstbewusst mit offenen oder zu Braids geflochtenen Haaren in solche Situationen.

 

Der Startpunkt waren die Demos nach dem Tod von George Floyd

Die frühen Rassismuserfahrungen haben dazu geführt, dass Jelisa Delfeld sich mit dem Thema zu beschäftigen begann. Als 2020 in den USA der Afroamerikaner George Floyd getötet wurde, wusste sie, dass sie irgendwas tun musste. „Über eine Freundin aus Stuttgart kam ich dann zu einer Gruppe, die eine Kundgebung geplant hat“, erzählt sie. Innerhalb von wenigen Tagen kamen immer mehr Menschen hinzu, die sich engagieren wollten. Letztlich demonstrierten am 6. Juni 2020 mehr als 10 000 Menschen bei der Silent Demo in Stuttgart gegen Rassismus und Polizeigewalt.

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„Wir haben danach gemerkt, dass wir jetzt nicht einfach aufhören können, sondern dass wir weitermachen müssen.“ Es war der Startpunkt für die Black Community Foundation, in Stuttgart gründeten Jelisa Delfeld und einige andere eine eigene Ortsgruppe. Ihr Ziel: auf das auch in Deutschland bestehende Rassismus-Problem aufmerksam zu machen. Seither bekommt die Gruppe Einladungen zu Diskussionsrunden, macht Workshops zur Sensibilisierung, geht an Schulen und plant Veranstaltungen – etwa für die Aktionswochen gegen Rassismus oder das Festival Blackcellence.

Rassismus ist auch ein strukturelles Problem, sagt Jelisa Delfeld

„Ein großes Problem ist in Deutschland die Ignoranz bei dem Thema“, sagt Jelisa Delfeld. Werde Rassismus thematisiert, heiße es oft: ‚Das sei hier doch gar kein großes Problem.’ Oder: ‚Es sei doch wohl nicht so schlimm, bestimmte Worte zu verwenden.’ „Viele weiße Deutsche fühlen sich schnell persönlich angegriffen, white fragility (weiße Verletzlichkeit) ist ein großes Problem.“

Dabei sei Rassismus auch ein strukturelles Problem, sagt Jelisa Delfeld. Wichtig findet sie auch, dass weiße Deutsche „zuhören und annehmen“, was von Rassismus Betroffene sagen – und ihnen ihre Gefühle nicht absprechen.

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Oft sind es ihrer Erfahrung nach schon Mikroaggressionen im Alltag, die verletzen können. Etwa wenn jemand überrascht feststelle, sie könne aber gut Deutsch. Oder einem stille Blicke zuwerfe. „Man erlebt eigentlich fast täglich etwas“, sagt Jelisa Delfeld. Immerhin, stellt sie fest, es beginne sich allmählich auch etwas zu verändern, die Sensibilität sei in den vergangenen Jahren gestiegen. „Aber es gibt noch viel zu tun.“