Weiter geht es mit dem Baustellen-Lindwurm quer durch Unteraichen. In den vergangenen Monaten war die zentrale Ortsdurchquerung Stuttgarter Straße zumindest abschnittsweise möglich. Und weil es da wegen einiger Engstellen schnell zu Stauungen kam, suchten viele in den Anwohnerstraßen in der Umgebung ihr Durchfahrglück – sehr zum Leidwesen der Menschen, die dort wohnen.
Irgendwie durchmogeln geht nicht mehr
Doch seit Mitte März funktioniert auch das nicht mehr. Jetzt ist die Stuttgarter Straße komplett gesperrt, es gibt jetzt kein Durchmogeln mehr. Jetzt gibt es nur noch die großräumige Umfahrung. Die Konsequenzen sind klar: „Für einen Weg, den man früher in etwa fünf Minuten zurückgelegt hat, benötigt man jetzt gut 20 Minuten“, sagt Ulrich Löchner von den Freien Wählern. Und so informieren die Stadtwerke Leinfelden-Echterdingen die Bürger: „Für die restliche Verlegung der Kanal-, Wasser- und Gasleitungen in der Stuttgarter Straße ist eine Vollsperrung dieser Straße ab dem Kreisverkehr Rohrer Straße bis zur Uhlandstraße notwendig. Die Maßnahme wird etwa acht bis neun Wochen in Anspruch nehmen. Eine Zufahrt von Unteraichen in diesen Bereich ist derzeit nur aus Richtung Industriegebiet Hohenheimer Straße, Meisen- und Fasanenweg möglich. Für den allgemeinen Verkehr gilt weiterhin die überörtliche Umleitung. Für alle Fußgänger und Fahrradfahrer wird das Passieren der Straßen in diesem Gebiet jederzeit ermöglicht.“ Wie schon im letzten Bauabschnitt ist auch jetzt ein öffentlicher Nahverkehr nur äußerst eingeschränkt möglich. Es bleibt nur noch die Stadtbahnlinie U 5 oder das VVS-Rider-Angebot.
Der Blick nach vorne
Die Diskussion darüber, ob diese Arbeiten und die damit verbundenen Sperrungen und Einschränkungen sein müssen oder nicht, ist abgeschlossen. Viele teils berechtigte Einwände hatte es gegeben, ebenso Klagen, was für Lärm- und Schmutzbelastungen sowie an Umwegen auf viele zukommt, die zum Teil auf kurze Wege angewiesen sind. An der Notwendigkeit dieser Baumaßnahmen gibt es jetzt aber keine Zweifel mehr. Jetzt geht es darum, diese möglichst planungsgerecht zu einem guten Ende zu bringen.
Die Umfahrung muss her
Den Stadträten bleibt nur der Blick nach vorne. Und der bedeutet: Realisierung der Umfahrung Nordspange. Löchner formuliert das so: „Die Stadt hat ja ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben. Eine Erkenntnis daraus lautet, dass die Ortsdurchfahrt nie für so viel Verkehr ausgelegt war.“ Und damit ist die Zeit gemeint, als es noch keine Baustellen gab. Als Lösung wurde bereits die Umfahrung Nordspange genannt. Löchner: „Die Verkehrsplaner erklärten, dass Unteraichen nur durch den Bau der sogenannten Nordspange vom Kreisverkehr bis zur Maybachstraße wirksam vom Verkehr entlastet werden kann. Diese Straße verbraucht keine wertvollen Ackerflächen, sondern führt durch das Sanierungsgebiet Max-Lang-Straße, das perspektivisch ohnehin erschlossen werden soll. Deshalb wird unsere Fraktion sowie der Verein der Unteraicher Bürger weiter darauf beharren, dass die Nordspange bei allen weiteren Planungen zur Erschließung des Sanierungsgebiets immanenter Bestandteil dieser Planungen bleibt.“ Und dazu gehört für Löchner und die freien Wähler auch der Bau der durchgängigen Nord-Süd-Straße, auf dass nicht nur Unteraichen, sondern auch die anderen Ortskerne der Stadt vom Verkehr entlastet werden. Löchner: „Ich gehe davon aus und setze mich dafür ein, dass diese in den nächsten fünf bis zehn Jahren realisiert wird.“
Eine kommunale Angelegenheit
Dass dies auch mit der Neugestaltung der Ortsmitte und deshalb auch mit dem Abriss des jetzigen Rathauses zu tun hat, stört Löchner nicht: „Der neue Oberbürgermeister Otto Ruppaner hat ja versprochen, dass er dieses Thema mit Abriss und Neubau besonders vorantreiben will.“ Freilich: Planungen für die Nordspange, vor allem mit Blick auf die Finanzierung, gibt es derzeit noch nicht. Auch in überörtlichen Verkehrsplanungen taucht dieses Vorhaben nicht auf. Schließlich handelt es sich ausschließlich um eine kommunale Angelegenheit.
Wie geht es weiter? – Löchner ist da Fatalist: „Wenn dieser Bauabschnitt fertig, ist voraussichtlich im April dieses Jahres, wenn dann die Stuttgarter Straße wieder freigegeben ist, bleibt erst mal alles beim Alten: Vor allem im Berufsverkehr staut sich der Verkehr wieder durch Unteraichen.“
Bessere Infrastruktur der Leitungen
Diese Baumaßnahme war indes nie für eine Verbesserung der Verkehrssituation beschlossen worden. Vielmehr erneuert die Netze BW ihre Nieder- , Mittel- und Hochdruckleitungen, die Stadtwerke verlegen neue Wasser- und Abwasserleitungen. Hinzu kommt die Ausstattung mit Glasfaserkabel. Dafür müssen die Straßen aufgebaggert werden. Wenn die Sperrung der Stuttgarter Straße voraussichtlich Ende dieses Monats aufgehoben wird, geht es weiter mit dem Kabel- und Leitungsbau und entsprechenden Sperrungen. Betroffen sind dann die Uhlandstraße sowie Löns- und Ruiter Weg. Diese Baumaßnahmen sollen voraussichtlich im Oktober abgeschlossen sein.
Die Baustelle Stuttgarter Straße in Unteraichen
Entstehung
Im Oktober vergangenen Jahres haben die Bauarbeiten für den dritten Bauabschnitt Stuttgarter Straße begonnen. Damit haben die Netze BW, die Stadt sowie die Stadtwerke Leinfelden-Echterdingen die Firma Schwenk aus Unterensingen beauftragt. Hier wird vor allem an der Infrastruktur gearbeitet. Es werden Nieder-, Mittel- sowie Hochdruckleitungen sowie die Wasserleitungen erneuert.
Ausblick
Sobald diese Arbeiten beendet sind, laut Plan Ende April, wird die Stuttgarter Straße wieder für den Verkehr freigegeben. Bis dahin gibt es eine großräumige Umleitungsstrecke. Als öffentlicher Nahverkehr stehen nur die Stadtbahn U 5 sowie das Angebot VVS-Rider zur Verfügung. Die Baustelle geht weiter in die Uhland Straße/Lönsweg sowie in den Ruiter Weg. Dort werden die Arbeiten bis voraussichtlich Ende Oktober dieses Jahres dauern.