Joachim Löw bei der Fußball-WM Angekommen auf dem Gipfel

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Das 112. Spiel als Bundestrainer sollte die Krönung von Joachim Löws Karriere werden. Denn nur eines fehlte dem Bundestrainer noch: ein Titel. Diesen Makel haben Löw und die Nationalmannschaft nun eindrucksvoll getilgt. Vor dem Turnier jedoch waren die Zweifel an Löws Können groß.

Joachim Löw hat es geschafft: Nach dem Sieg gegen Argentinien reckt er den Pokal als frisch gebackener Fußball-Weltmeister in die Höhe. In unserer Bildergalerie blicken wir auf seine bisherige Karriere zurück. Foto: dpa 16 Bilder
Joachim Löw hat es geschafft: Nach dem Sieg gegen Argentinien reckt er den Pokal als frisch gebackener Fußball-Weltmeister in die Höhe. In unserer Bildergalerie blicken wir auf seine bisherige Karriere zurück. Foto: dpa

Rio de Janeiro - Das 112. Spiel als Bundestrainer sollte die Krönung seiner Karriere werden. Zweiter bei der EM 2008, Dritter bei der WM 2010, Dritter auch bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine – ohne Frage hatte nach Jürgen Klinsmann dessen ehemaliger Assistent Joachim Löw das deutsche Nationalteam wieder fest und kontinuierlich in der Weltspitze etabliert. Nur eines fehlte dem zehnten Bundestrainer der DFB-Historie noch. Ein Titel. Diesen Makel haben Löw und die Nationalmannschaft nun eindrucksvoll getilgt.

„Wenn man sagt, Deutschland ist jetzt mal wieder dran, damit kann ich nichts anfangen“, hat Löw all denen im Vorfeld entgegengehalten, die meinten, es gebe quasi ein Naturgesetz, dass der ganz große Titel nach 24 Jahren wieder einmal nach Deutschland kommt.

Löw hat den Druck gespürt, der auf ihm lastete. Gewiss, er ist auch ein Mannschaftsspieler, es gibt einen kleinen Kreis von Menschen, denen er vertraut. Aber er merkte zuletzt eben auch immer stärker, dass er ganz allein im Regen steht, wenn etwas schiefläuft, dass viele sogar nur darauf warten, dass er scheitert. Und so hatte sich Löw in Brasilien entschlossen, auf nichts und niemanden mehr Rücksicht zu nehmen.

Zweifel begleiten ihn seit der EM 2012

Nie waren die Zweifel am Bundestrainer größer als vor dieser Weltmeisterschaft. Zwei Jahre lang haben sie ihn begleitet, seit seine Mannschaft im Halbfinale der Europameisterschaft 2012 gegen Italien verlor und dem Bundestrainer eine falsche Taktik und Personalauswahl vorgeworfen wurde. Die Zweifel sind noch größer geworden, als ein paar Monate später im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden eine 4:0-Führung nicht reichte, um zu gewinnen. Und sie erreichten ihren Höhepunkt, als die Brasilien-Mission schließlich begann.

Heftig waren die Debatten schon vor der Abreise, als Löw in Frankfurt seinen WM-Kader bekanntgab. Sami Khedira stand trotz seines gerade erst auskurierten Kreuzbandrisses darin, nicht aber Mario Gomez und auch sonst kein anderer Angreifer außer dem 36 Jahre alten Miroslav Klose. Mit nur einem einzigen gelernten Stürmer zu einer Weltmeisterschaft? Löw sei übergeschnappt, so hieß es, er werde schon sehen, was er davon hat. Noch heftiger, fast schon hysterisch wurden die Diskussionen, als der Bundestrainer in den ersten vier WM-Spielen an seiner Idee festhielt, den Kapitän Philipp Lahm nicht mehr wie bei vergangenen Turnieren in der Außenverteidigung aufzustellen, sondern im zentralen Mittelfeld. Löw sei an Sturheit nun endgültig nicht mehr zu überbieten, so hieß es. Er gefährde damit auf fahrlässige Weise den Erfolg bei der Weltmeisterschaft.