Jobs bei Eberspächer Musterbau in Esslingen schließt 2024

Derzeit arbeiten mehr als 1200 Eberspächer-Beschäftigte in Esslingen, weltweit sind es etwa 10 700. Foto: Eberspächer

Im März war bekannt geworden, dass der Automobilzulieferer Eberspächer am Standort Esslingen den Musterbau, in dem Prototypabgasanlagen hergestellt werden, schließen will. Die Geschäftsführung äußerte sich nun dazu, was genau geplant ist.

Reporterin: Greta Gramberg (gg)

Dass hinter Eberspächer kein ökonomisch erfolgreiches Jahr liegt, hatte der Chef des Esslinger Automobilzulieferers, Martin Peters, bereits vor zwei Monaten angekündigt. Die Zahlen, die das Familienunternehmen nun in dieser Woche vorlegte, sprechen eine deutliche Sprache: Es hat 2022 letztlich nicht profitabel gearbeitet. Eine Konsequenz ist die Schließung des Musterbaus in Esslingen bis Sommer 2024.

 

Zwar verzeichnete Eberspächer laut Peters Steigerungsraten in der Nachfrage wie noch nie. Der Verlust im operativen Geschäft von minus 21 Millionen Euro (vor Steuern) zeigt aber, dass der Mittelständler Profitabilitätsprobleme hat, wie er einräumte. Unter Einbezug der Steuerbelastung steht unterm Strich gar ein Jahresergebnis von minus 94,4 Millionen Euro. Das Ziel für die kommenden Jahre ist klar: „Wir müssen unser Wachstum profitabler gestalten und die Ergebnisqualität verbessern“, sagt Peters. Einerseits sollen dazu im laufenden Jahr die Produktpreise „signifikant“ angehoben werden, um die steigenden Kosten für Material, Arbeit und Energie zu kompensieren. Man sei dazu in gutem Austausch mit den Kunden. Als weiteres Ziel wird der Begriff „operative Exzellenz“ genannt. Das bedeutet unter anderem, dass die Organisationsstrukturen überprüft werden. Dieser Prüfung sind die jüngsten Pläne am Standort Esslingen geschuldet.

Verlust von Funktionen am Esslinger Standort

Bereits im März war bekannt geworden, dass Eberspächer am Standort der Firmenzentrale den Musterbau für Prototypabgasanlagen schließen und auch andere Einheiten neu aufstellen will. Damals wurden von IG Metall und Betriebsrat rund 60 Stellen genannt, die betroffen seien. Die Zahl bestätigte die Firmenleitung auch in dieser Woche nicht, unter anderem weil noch Verhandlungen mit den Mitarbeitern liefen. Einige Betroffene hätten das Unternehmen bereits im Einvernehmen verlassen, andere gingen in Altersteilzeit, mit weiteren liefen Gespräche zu „einzelvertraglichen Lösungen“.

Auch Versetzungen auf andere offene Stellen im Unternehmen werden genannt. Vor allem für die Jüngeren sei eine Umschulung eine Perspektive – beispielsweise, um künftig in einer der Entwicklungsabteilungen der Abgas-, Klimatisierungs- oder Elektroniksparte arbeiten zu können.

Der Musterbau im Bereich Abgasanlagen wird künftig am Standort Neuenkirchen im Saarland fortgeführt, wo bereits eine solche Abteilung besteht. Ob dort zu diesem Zweck Stellen aufgebaut werden, steht Unternehmensangaben zufolge noch nicht fest. „Die Tendenz geht in Richtung einer Dezentralisierung in den einzelnen Divisions“, erklärt Peters. Man passe sich so regional unterschiedlichen Marktbedürfnissen an. Für die Zentrale in Esslingen bedeutet das perspektivisch wohl den Verlust weiterer Funktionen, beispielsweise in der Entwicklung und möglicherweise im Vertrieb, wie Peters bereits vor zwei Monaten erklärte: Man nehme in Esslingen Komplexität raus. Der Eberspächer-Chef geht davon aus, dass sich der Personalstand in Zukunft verringern wird.

Was passiert mit ungenutzter Produktionsfläche?

Die Entwicklung zu schlankeren Strukturen soll aber nicht kurz- oder mittelfristig und radikal, sondern „eher evolutionär“ vonstattengehen, wie er sagt. Zumal man in anderen Funktionen wachse, es gebe allein in Esslingen 40 offene Stellen. Peters betont zudem, dass sich Eberspächer weiter zu Esslingen bekenne, hier schlage das Herz des Unternehmens. In Oberesslingen befinden sich neben der Verwaltung noch Entwicklungsabteilungen, die Produktion von Standheizungen war im Jahr 2021 geschlossen worden. Im Moment arbeiten am Standort laut Peters mehr als 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Auch flächentechnisch will der Mittelständler schlanker werden. Das ehemalige Standheizungswerk 3, das sich direkt am Neckar in der Zeppelinstraße befindet, ist in weiten Teilen ungenutzt. Nachdem eine Teilfläche an den Logistiker Gebrüder Weiss verkauft worden ist, macht Eberspächer zur Zukunft der weiteren rund 40 000 Quadratmeter keine konkreten Angaben. Klar ist: „Wir können dieses Grundstück selbst nicht nutzen“, so Peters. Was damit passiere, werde der Markt zeigen.

Eberspächer will Rendite steigern

Zwar sei die weltweite Marktentwicklung schwer einzuschätzen. Für das laufende Geschäftsjahr gibt sich die Unternehmensführung dennoch optimistisch: „Wir gehen von einem deutlich positiveren Ergebnis als 2022 aus“, sagt Peters. Die Finanzierung erheblicher Erweiterungsinvestitionen sei durch den laufenden Konsortialkreditvertrag gesichert. Mit Blick darauf, dass dieser 2025 ausläuft und dann neue Finanziers gefunden werden müssen, will Eberspächer bis dahin seine Verschuldung von derzeit 758 Millionen Euro senken und im operativen Bereich sechs Prozent Rendite erreichen.

Was tut Eberspächer?

Auspuff
Bekannt ist das Esslinger Familienunternehmen vor allem für Abgasreinigungsanlagen. Der Bereich „Purem“ macht mit 1,9 Milliarden Euro noch immer das Gros des Nettoumsatzes aus (insgesamt 2,7 Milliarden Euro). Eberspächer-Chef Martin Peters bekräftigte, an der Sparte derzeit festhalten zu wollen, wenn es sich auch um ein „sunset business“ handele. Denn trotz des Verbrenner-Aus ab 2035 in Europa wächst sie. Und tut es nach Einschätzung der Geschäftsführung auch weiterhin – wegen der Abgasnorm Euro 7, Nachfrage in anderen Teilen der Erde und eines Konsolidierungsprozesses am Markt.

Wachstumstreiber
In der Klimatisierungssparte von Eberspächer besteht besonders bei Hochvoltheizungen eine große Nachfrage, die Antriebsbatterien von E-Autos auch im Winter betriebsbereit zu halten. Das größte Umsatzwachstum (plus 35 Prozent) verzeichnet der Bereich Automotive Controls. Als vielversprechend schätzt Eberspächer unter anderem seine Steuerungssysteme für Lithium-Ionen-Batterien ein, die Bleibatterien in Autos ersetzen. 2022 hat Eberspächer 48 Prozent des Nettoumsatzes unabhängig vom Verbrennungsmotor erzielt.

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