Jobs für junge Akademiker Wie Uniabsolventen ihre Chancen verbessern, einen Job zu finden

Vom Hörsaal in die Warteschleife – der Übergang von der Uni ins Berufsleben läuft oft nicht reibungslos. Foto: Sebastian Ruckaberle

Studiert, motiviert, aber erfolglos bei der Jobsuche. Was läuft schief beim Übergang von der Uni in den Beruf? Karriereexpertin Anja Robert von der RWTH Aachen gibt Tipps.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Der Start ins Berufsleben ernüchtert viele Akademiker. Im Schnitt dauert die Jobsuche vier Monate. Master-Absolventen suchen mit durchschnittlich 21 Wochen sogar zwei Monate länger als Bachelor-Absolventen, die nach 13 Wochen einen passenden Einstiegsjob finden.

 

Wenig Praxischancen erschweren den Start. Die Krux: ohne Erfahrung keinen Job - ohne Job keine Erfahrung. Praxiserfahrung zu sammeln wird für viele immer herausfordernder, zeigt eine Studie der Recruiting-Plattform Stepstone. Obwohl drei von vier Unternehmen über Nachwuchsmangel klagen, bietet nicht einmal jedes zweite Unternehmen entsprechende Einstiegsmöglichkeiten an. Nur 46 Prozent beschäftigen Werkstudierende oder Praktikanten, und nur 19 Prozent setzen auf Traineeprogramme.

Praktische Erfahrung als Türöffner

„Der Berufseinstieg ist für viele deutlich schwieriger geworden, weil Erwartungen und Realität am Arbeitsmarkt auseinanderlaufen. Unternehmen suchen zwar dringend Nachwuchs, setzen aber gleichzeitig häufig Praxiserfahrung voraus, die viele Absolventinnen und Absolventen erst im Job sammeln können“, beschreibt Stepstone-Arbeitsmarktforscherin Christina Langer, das Dilemma.

Dabei ist die praktische Erfahrung für viele der entscheidende Türöffner in den Beruf. Rund 41 Prozent der Befragten geben an, dass Praktika oder der Job als Werkstudent den Einstieg entscheidend erleichtert haben. Für jeden Dritten war eine solche Tätigkeit während des Studiums sogar das direkte Ticket zur Übernahme.

Für die Studie wurden Ende 2025 insgesamt 4500 Personen in Deutschland befragt hat - darunter Studierende, Young Professionals und Personalverantwortliche.

Auch Anja Robert, Karriereberaterin vom Career Center der Uni Aachen kennt das Problem und erlebt sehr häufig Studierende in der Beratung, die sehr verunsichert sind. „Trotz sehr guter Profile, mit Praktika und Auslandserfahrung suchen auch Studierende einer großen technischen Universität wie der RWTH Aachen länger als noch vor ein bis zwei Jahren“, sagt sie. Sie hört auch häufig von Studierenden, dass diese auf Bewerbungen keine Rückmeldungen bekommen – also dass sich Firmen überhaupt nicht melden, noch nicht mal den Eingang der Bewerbung bestätigten. „Das ist natürlich sehr enttäuschend“, sagt Robert.

Karriereberaterin Anja Robert vom Career Center der RWTH Aachen hat viel Kontakt zu Studierenden, die vor dem Berufseinstieg stehen. Foto: Martin Braun

Auch bei der Stepstone-Studie gaben mehr als 70 Prozent der Berufseinsteiger an, im Bewerbungsprozess regelmäßig keine Rückmeldung zu erhalten. Zudem erschwerten auch die Anforderungen vieler Stellenanzeigen den Berufseinstieg. Rund zwei Drittel der Berufseinsteigenden berichten, dass für Einstiegspositionen häufig unrealistische Anforderungen gestellt werden, die sie kaum erfüllen könnten. Mehr als die Hälfte hat das Gefühl, dass ihre Kompetenzen aktuell wenig gefragt sind.

„Realitätsschock für Berufseinsteiger“

Das verändert auch die Stimmung: Vor dem Abschluss blicken 76 Prozent der Studierenden optimistisch auf ihre Karriere. Doch beim Eintritt in den Arbeitsmarkt folgt oft die Ernüchterung - 56 Prozent empfinden die Jobsuche als schwierig. Arbeitsmarktexpertin Langer spricht gar von einem Realitätsschock für Berufseinsteiger. „Wer Nachwuchs gewinnen will, muss Einstiegshürden senken und gezielt Möglichkeiten für Praxiserfahrung schaffen. Hier entscheidet sich, welche Unternehmen sich langfristig die Fachkräfte von morgen sichern.“

Nach Erfahrung von Karriereberaterin Robert agierten speziell die großen Konzerne, die früher eine starke Säule für Absolvierende im Arbeitsmarkt waren, gerade sehr zögerlich, Absolvierende würden kaum gesucht, Menschen mit Berufserfahrung hingegen schon eher.

„Andererseits machen wir aber auch die Erfahrung, dass einige Branchen gerade sehr wohl suchen“, sagt Robert, etwa der Bereich Defence, der öffentliche Sektor in den Bereichen Bau, IT, Cyber Security aber auch Infrastruktur. Und es gebe auch nach wie vor einen sehr agilen Mittelstand und eine sehr dynamische Start-up-Szene in Deutschland. Das Problem sei, dass solche Unternehmen schwerer zu finden sind und natürlich auch nicht so viele Absolvierende suchten, wie in der Vergangenheit etwa der Automobilsektor. „Grundsätzlich haben wir in Deutschland aber nach wie vor eine sehr geringe Akademiker- Arbeitslosigkeit“, sagt sie, aber ja, selbst gut ausgebildete junge Menschen suchen aktuell auch schon mal sechs Monate und länger.“

So können Bewerber ihre Jobchancen verbessern

Was können Bewerber also tun, um nach der Uni die eigenen Jobchancen zu verbessern? „Ich rate ganz dringend dazu, regional flexibel zu sein und auch branchenoffener zu suchen“, sagt Robert. Einen Traumjob in seiner Traumbranche am Wunschstandort zu finden sei gerade sehr schwierig. Wenn man aber den Blick öffne, fänden sich teilweise sehr überraschende Chancen, so ihre Erfahrung aus Rückmeldungen von Studierenden, die sich beispielsweise im öffentlichen Sektor beworben haben und ganz erstaunt seien, welche Möglichkeiten und Gestaltungsspielräume das eröffne.

Robert rät auch dringend dazu, sich im Vorfeld gut auf den Bewerbungsprozess vorzubereiten. Das fange schon mit der Stellensuche an. „Ich rate immer dazu, sich für wirtschaftliche Entwicklungen zu interessieren, wo gehen Felder auf, welche Branchen und Themen entwickeln sich aktuell gut und gegebenenfalls auch über Landesgrenzen zu schauen“, sagt sie.

Da könne es auch hilfreich sein, etwa eine Fachmesse zu besuchen oder sich die Messekataloge und Speakerlisten im Nachhinein anzuschauen. Das ist ihrer Erfahrung nach ein „völlig unterschätzter Fundus für potenzielle Arbeitgeber“. Vor allem müssten auch die Bewerbungsunterlagen wirklich gut und aussagekräftig sein, und man sollte sich auf ein Vorstellungsgespräch gut vorbereiten, um sein Profil und seine Persönlichkeit gut zu positionieren.

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