Das Strategiespiel „Vier gewinnt“ hat es den Achtklässlern der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule in Nellingen angetan. In ihrer Schülerfirma produzieren und vermarkten die Jugendlichen das Produkt auch selbst. Alwine und Xenia sind für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die 14-Jährigen wollen wissen, was die Leute für das Holzprodukt zahlen würden. „Da muss man offensiv auf potenzielle Kunden zugehen“, sagt Alwine. Information ist Xenia besonders wichtig. Den beiden Mädchen macht der Workshop zur Berufsorientierung im Denkendorfer Jugendhaus Focus richtig viel Spaß.
Vorstellungsgespräch bei Festo
Teil des Berufs-Coaching-Programms waren auch professionelle Bewerbungsgespräche. Xenia durfte sich bei der Weltfirma Festo im Personalbüro vorstellen. „Das war aufregend“, berichtet die Schülerin. Angefangen vom passenden Outfit bis hin zur richtigen Vorbereitung hat sie alles gelernt. „Ich war ganz verblüfft, dass die mich fragten, was ich über die Firma weiß.“ Da war es gut, dass sich die Schülerin umfassend über das Unternehmen für Automatisierungstechnik informiert hatte. Alwine durfte sich bei Blumen Siegle in Ostfildern vorstellen. Auch sie fand das aufregend. Dennoch findet sie es gut, dass sie die Erfahrung schon jetzt „ganz ohne Druck“ machen konnte. „Wenn wir uns mal richtig bewerben, weiß man schon, wie man sich vorbereiten muss.“
Für den Schulsozialpädagogen Johannes Single ist es wichtig, „die Jugendlichen auf den Weg in den Beruf vorzubereiten.“ Deshalb haben er und einige Pädagogen der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule das besondere Berufsvorbereitungsprojekt aufgelegt. In der Schülerfirma dürfen sich die Jungen und Mädchen mal als Unternehmenschefs erproben. Für Single ist es unverzichtbar, die Jugendlichen mit der Praxis in Kontakt zu bringen. Deshalb hat er die Bewerbungsgespräche in Firmen aus Ostfildern initiiert. Auch Gehring Technologies, das Autohaus Durst, das Autohaus Priesner, Fließen Raisch und Fröschle und Mäntele Technik haben mitgemacht. Von Heike Gehrung-Kauderer, die das Hirsch Hotel in Scharnhausen leitet, haben der Sozialpädagoge und sein Team gute Anregungen bekommen. „Solche Projekte helfen den Firmen wie auch der Schule“, findet Rebekka Brettschneider. Die Lehrerin der Kästner-Schule hat beobachtet, dass die Bewerbungsgespräche den Jungen und Mädchen auch viel Selbstbewusstsein gegeben haben.
Marktforschung mit der Kamera
Aufgeblüht sind Nils und Robin bei der Schülerfirma. „Um unser Spiel gut zu vermarkten, haben wir Interviews mit Menschen auf der Straße gemacht“, sagt Nils. Der 14-Jährige ist gerne mit der Videokamera unterwegs, um mit Menschen zu sprechen und sie nach ihrer Meinung zu fragen.
Die Jungs finden es spannend, Marktforschung für ihr Produkt zu betreiben. Voll im Einsatz ist auch das Küchenteam, das die Jugendlichen und die Erwachsenen an den zwei Tagen im Denkendorfer Jugendhaus mit Essen versorgt. Michelle (13) und die 14-jährige Konstantina sammeln erste Erfahrungen im Veranstaltungsmanagement: „Wir planen das Abschlussfest.“ Organisieren, das liegt den beiden Mädchen. Michelle findet es spannend, auszuprobieren, worin ihre Stärken liegen.
„Jeder und jede hat hier seine wichtige Aufgabe“, sagt Johannes Single. Viel Leerlauf oder gar Zeit für lange Pausen gibt es an den zwei Arbeitstagen nicht. Zum Abschluss bekamen die Jugendlichen nach den Worten ihrer Lehrerin Rebekka Schneider ihr erstes Gehalt ausbezahlt. Das durften sie dann in einem kleinen Supermarkt ausgeben. Dann feierten sie das erfolgreiche Jobtraining ausgiebig.