Jobwechsel mit 30 Beruflicher Neustart: Vom Taxi in die Nuklearmedizin

Maria I.-G. hat ihre Entscheidung, mit 30 Jahren beruflich noch mal komplett neu anzufangen, nie bereut. Foto: Roberto Bulgrin

Sieben Jahre lang fuhr Maria I.-G. in ihrem Taxi Menschen zu Arztterminen in Kliniken. Nun ist sie selbst medizinische Fachangestellte. Warum sie sich für diesen Weg entschieden hat.

Volontäre: Lena Fux (fux)

Maria I.-G. war Taxifahrerin. Sie fuhr regelmäßig Krebspatienten zu ihren Behandlungen. Die Gespräche während dieser Krankenfahrten haben sie sehr bewegt, erzählt die Esslingerin. Mit der Zeit wuchs der Wunsch, selbst im Gesundheitswesen zu arbeiten. Vor zwei Jahren tauschte sie dann die ledernen Sitze ihres Taxis gegen den Stoff eines Kasacks, der Arbeitskleidung in der Medizin. Heute ist sie medizinische Fachangestellte in der Nuklearmedizin der Medius Klinik in Ostfildern.

 

„Ich wollte schon immer wissen, wie der Körper funktioniert. Wie man Menschen retten kann“, sagt sie. Schon als Kind habe sie in der Familie mit gesundheitlichen Themen zu tun gehabt. Irgendwann standen dann auch die ersten Bücher über Medizin in ihrem Regal.

Doch wie ist es, mit 30 noch einmal ganz neu anzufangen? Den sicheren Vollzeitjob aufzugeben und stattdessen eine Ausbildung zu beginnen?

Die Agentur für Arbeit unterstützt sie in ihrer Weiterbildung

Nach Angaben der Agentur für Arbeit Göppingen, die auch für den Kreis Esslingen zuständig ist, erhalten Ausbildungsbetriebe im Landkreis wieder mehr Bewerbungen auf ihre Stellen. Im Pflegebereich gebe es allerdings immer noch mehr freie Stellen als Bewerber. Gleichzeitig wächst die Branche: Die Beschäftigtenzahl im Gesundheits- und Sozialwesen ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr um fast drei Prozent gestiegen.

Bei der Medius Klinik in Ostfildern habe sich Maria I.-G. einfach beworben. Ihren Nachnamen möchte sie zum Schutz ihrer Privatsphäre lieber nicht in der Zeitung lesen. Sie entschied sich für eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten und absolvierte sie in der Gynäkologie. Sie hatte Bedenken, ob sie den Neustart gut schaffen und mit dem Lernstoff zurechtkommen würde. „Wenn man motiviert ist und sich wirklich dafür interessiert, wächst man da schnell rein“, sagt sie.

„Nur mit meinem Ausbildungsgehalt wäre das nicht möglich gewesen“

Mit dem Wechsel vom Taxi in die Medizin gibt Maria I.-G. ein Stück Sicherheit auf. Durch die Ausbildung bekommt sie weniger Geld. Ihren Lebensunterhalt stemmen muss die damals 30-Jährige trotzdem. „Ich war verzweifelt. Wollte unbedingt eine Ausbildung machen und den Beruf erlernen“, erzählt sie. Maria I.-G. lebt allein und finanziert sich selbst. Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit klärte sie deshalb ihre finanziellen Möglichkeiten, um weiterhin über die Runden zu kommen. „Nur mit meinem Ausbildungsgehalt wäre das nicht möglich gewesen“, sagt sie. Und es klappt: Im Januar schließt sie ihre Ausbildung erfolgreich ab. Bekommt eine Stelle in der Nuklearmedizin in der Medius Klinik.

„Es ist, als wäre man ständig auf Reisen“, sagt Maria I.-G. über ihre frühere Arbeit als Taxifahrerin. Foto: picture alliance/dpa

Ihre Entscheidung habe sie nie bereut. Es ist der Kontakt mit den Patienten, der sie erfüllt. In ihrem jetzigen Beruf fühle sie sich anerkannt. Und auch Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Berufen sieht sie: „Mit den Menschen muss man immer eine Bindung finden. Egal, wo man arbeitet.“ Ungewohnt sei eher der Altersunterschied in der Schule und der Status als Auszubildende gewesen. „Man kennt es ja: Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, sagt sie und lacht.

Trotz geregelter Arbeitszeiten wenig Freizeit

Ihr Krankenhausalltag läuft geregelt ab: Morgens kommen die Patienten. Sie werden untersucht und dürfen wieder gehen. Stationär wird in der Nuklearmedizin im Medius niemand aufgenommen. Wegen der geregelten Arbeitszeiten und der vermeintlich ausgeglicheneren Work-Life-Balance hat sich Maria I.-G. allerdings nicht für die Ausbildung entschieden. „Dadurch, dass ich noch neu in der Nuklearmedizin bin, muss ich noch viel lernen“, sagt sie. Nach der Arbeit lernt sie deshalb weiter. „Ich versuche mir Dinge selbst beizubringen, neben den Sachen, die ich hier jeden Tag erlerne.“ Viel Zeit für sich bleibe da im Moment nicht. Trotzdem ist sie glücklich mit ihrer Entscheidung, die neue Arbeit erfülle sie viel mehr.

Eine schöne Arbeit sei das Taxifahren trotzdem gewesen. Im Auto unterwegs zu sein, vermisst sie an ihrem alten Job. „Es ist, als wäre man ständig auf Reisen.“ Wenn sie über das Autofahren spricht, lächelt sie.

Familie war von Jobwechsel überrascht

Das Geheimnis, um einen Wechsel zu schaffen, ist laut Maria I.-G. Motivation, Disziplin und die Bereitschaft, etwas Neues zu lernen. Ein wichtiger Einfluss sei außerdem ihre Mutter gewesen. Durch sie habe sie gelernt, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und für andere da zu sein. „Sie ist für mich auf jeden Fall ein großes Vorbild.“ Der Neuanfang mit 30 Jahren von Maria I.-G. sei für die Familie überraschend und sehr mutig gewesen. „Manchmal lohnt es sich aber, einen neuen Weg zu gehen. Man sollte das Bekannte verlassen, um im Leben wirklich etwas zu gewinnen.“

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