Jochen Siebenrock und seine alten BMW-Motorräder Siebenrock pflegt die Boxer-Historie

Region: Andreas Pflüger (eas)
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Und sollte sich ein eingefleischter BMW-Fan schweren Herzens doch einmal von seiner Maschine trennen, findet er im Zweiventil-Guru Siebenrock einen dankbaren Abnehmer. „Wir kaufen alte Maschinen auf, um sie entweder im Original zu restaurieren oder eben mit verbesserter Technik neu aufzubauen.“

Die GS 2 ist beispielsweise eine solche Weiterentwicklung Marke Siebenrock: ein Motorrad ohne Schnick und Schnack, eine Reduktion auf das Wesentliche, aber mit verstärkten Federn, verbesserten Bremsen, einem bärigen Motor und einem Auspuff aus Edelstahl – montiert und zusammengesetzt in Wendlingen.

Wenn Jochen Siebenrock über „das Baby“ spricht, bekommen seine Augen einen seltsamen Glanz. Er kuschelt sich hinein in die Boxer-Historie, schwärmt von den alten Modellen, die er in seinem Ausstellungsraum stehen hat und deren Lebensgeschichte er in allen Details zu kennen scheint. Er spricht von der Tradition, die er bewahren möchte, von Idealismus, ja sogar von Liebe. Mit seinem Enthusiasmus habe er längst auch die BMW-Oberen in München überzeugt, erzählt er: „Dort sieht man das, was wir hier machen, absolut positiv. Der Kontakt zu uns wird gesucht, nicht zuletzt, weil wir uns ja ein Stück weit um die Firmengeschichte kümmern.“

Eine Reise in die Vergangenheit

Das Sichkümmern gehört im Hause ­Siebenrock zur Geschäftsphilosophie. „Manchmal steigern wir uns in die Arbeit bestimmt sogar zu sehr rein, weil das Motorrad, das vor uns steht, für uns viel mehr ist als nur ein Auftrag“, sagt der Chef.

Damit sie ihren Koryphäen-Ruf erhalten, sind Jochen Siebenrock und seine Leute, die alle schon seit vielen Jahren in der Werkstatt tätig sind, viel unterwegs. Entweder real, bei Lagerauflösungen etwa, oder virtuell im Internet. „Gerade durch die vielen Informationen, die wir aufsaugen und die uns zugetragen werden, können wir einschätzen, woran’s im Einzelfall fehlt“, sagt der Geschäftsführer. Hinzu komme die lange währende Präsenz in ­dieser Marktnische. Vor allem Mund-zu-Mund-Propaganda führt dazu, dass das lebenswichtige Ersatzteillager nicht merklich leerer wird.

Über eine schmale metallene Wendeltreppe geht es hinauf in die heiligen Kammern, in denen sich Anlasser und Vergaser, Räder und Tanks, Bremsscheiben und Krümmer, Scheinwerfer, Fußrasten und vieles mehr nach einem undurchschaubaren System stapeln. Es ist eine Reise in die Vergangenheit. Zum einen, weil BMW diese antiken Kostbarkeiten schon lange nicht mehr herstellt. Zum anderen, weil die Berge an Material und das Sammelsurium an Ersatzteilen jedweder Form der modernen Lagerhaltung widersprechen.

In Siebenrocks Werkstattdomizil in Wendlingen sieht es inzwischen fast so aus wie einst in der Studentengarage in Büsnau: Es ist zu klein, die darin aufgestellten Regale drohen zusammenzubrechen. „Nur auf diese Weise können wir zuverlässig liefern, was ansonsten nicht mehr zu bekommen ist“, sagt Jochen Siebenrock und zuckt angesichts des augenscheinlichen Durcheinanders mit den Schultern. Wie heißt es so schön? Der Kluge hält Ordnung, das Genie beherrscht das Chaos.




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