Joe Biden besiegt Donald Trump Amerikas Late-Night-Talker vor einer neuen Ära

Late-Night-Host Stephen Colbert ist ein Kritiker des US-Präsidenten. Foto: dpa/Chris Pizzello
Late-Night-Host Stephen Colbert ist ein Kritiker des US-Präsidenten. Foto: dpa/Chris Pizzello

Über was machen US-Comedians ihre Scherze, wenn die Ära Donald Trump am 20. Januar 2021 Geschichte ist? Late-Night-Hosts wie Stephen Colbert oder Jimmy Kimmel über den neuen Ton in den USA.

Digital Unit : Theresa Schäfer (the)
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New York - Was macht ein Late-Night-Host, der über vier Jahre lang praktisch das komplette Programm seiner Show mit dem Thema Donald Trump bestritten hat, wenn er erfährt, dass künftig Joe Biden die Geschäfte im Weißen Haus führt? In Tränen ausbrechen – und zwar vor Erleichterung. So schilderte Stephen Colbert, Gastgeber der CBS-Show „The Late Show“, den Moment, als er am Samstagmorgen erfuhr, dass alle großen Fernsehsender Biden zum Sieger der US-Wahl ausgerufen hatten.

„Zum ersten Mal in vier Jahren können wir unseren kollektiven Fokus verändern – weg von ihm, auf alles mögliche andere“, sagte Colbert in seiner ersten Show nach dem historischen Wochenende: „Wir waren auf der Veranda, als wir es erfahren haben. Ich habe mich hingesetzt – und vor Erleichterung geweint. Evie (Colberts Ehefrau, Anmerkung der Redaktion) sagte: ‚Du musst nie mehr über ihn sprechen.’ Und dann weinte ich vor Freude.“

Natürlich gab es in keiner der beliebten Late-Night-Shows ein anderes Thema: Bei der Konkurrenz von ABC tanzte Jimmy Kimmel zu „YMCA“ auf die Bühne und zeigte dann die denkwürdigen „Concession Speeches“ früherer Kandidaten, in denen George H.W. Bush oder John McCain ihre Niederlage eingestanden und ihrem Gegner zu dessen Wahlsieg gratulierten. Am Ende des Zusammenschnitts kommt Donald Trump in der Wahlnacht, als noch längst nicht alle Stimmen ausgezählt waren und der Präsident dennoch behauptete: „Wenn man die legal abgegebenen Stimmen zählt, habe ich locker gewonnen.“

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Dann führte Kimmel ein neues Segment seiner Show ein: „Drunk Kamala Harris“. Bisher hatten die Macher der Sendung Auftritte von Donald Trump mit halber Geschwindigkeit abgespielt, so dass der Präsident wie ein betrunkener Barbesucher nachts um halb drei klang. Jetzt kam die künftige Vizepräsidentin zu dieser fragwürdigen Ehre – „schließlich müssen wir immer noch eine Show machen, auch wenn Trump auf dem Abflug ist.“

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„Ich werde mich für immer daran erinnern, wo ich war, als ich es erfuhr“, scherzte Jimmy Fallon von der „Tonight Show“ auf NBC. „Ich saß vor dem Fernseher – wo ich die fünf Tage davor auch 24 Stunden am Tag war.“ Fallon bezog sich auch auf Bidens Siegesrede vom Samstagabend und den neuen Ton, den der „President Elect“ anschlug: „Wir Amerikaner sind so kaputt von den vergangenen vier Jahren. Alle fragen sich: ‚Wann nennt er jemanden einen Idioten? Wann beleidigt er jemanden? Komm schon, mach es bisschen peppiger, Mann!’“

Keinem der Comedians, auch nicht Trevor Noah von der „Daily Show“, entging der unfreiwillig komische Ort, den sich Trumps Anwälte am Wochenende für eine Pressekonferenz im Schlüsselstaat Pennsylvania ausgesucht hatten: Rudy Giuliani und seine Mitstreiter hielten das Presse-Breefing im „Four Seasons“ ab – und nein, nicht in dem Luxushotel, sondern auf dem Gelände einer gleichnamigen Gärtnerei, gelegen zwischen einem Pornoshop und einem Krematorium.

Die Gastgeber der großen Late-Night-Shows machten in den vergangenen Jahren keinen Hehl aus ihrer Trump-Verachtung. Anhänger des Präsidenten dürften ihre Ansichten in keiner der Shows wiedergefunden haben und beklagten sich – vermutlich nicht ganz zu Unrecht – über den Gleichklang der „Mainstream-Medien“. So übte Stephen Colbert auch einen Hauch Selbstkritik: „Ich freue mich darauf, dass die Leute vielleicht netter zu einander sind – mich selbst eingeschlossen. Ich tendiere dazu, den Ton im Land widerzuspiegeln und dieser Ton kommt von der Spitze. (...) Und es ist komplett meine Schuld, aber ich habe bösere Witze gemacht als in meinem ganzen Leben zuvor.“

Auch Amerikas „Comedians in Chief“ werden sich an eine neue Zeit gewöhnen müssen: Die Ära nach Donald Trump.




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